Lungern-Turren-Bahn: Sie hebt wieder ab

Lungern-Turren-Bahn: Sie hebt wieder ab

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Drei Jahre nach der Stilllegung können Touristen wieder zum Obwaldner Ausflugsgebiet Lungern-Schönbüel hinaufgondeln. Am letzten Samstag hat die sanierte Luftseilbahn den Betrieb aufgenommen – dank eines Investors aus der Region.

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Seit dem 30. April ist die Aussichtsterrasse Turren oberhalb Lungern wieder per Luftseilbahn erreichbar.

Knapp fünf Minuten dauert die Fahrt von Lungern hinauf nach Turren auf 1531 Metern über Meer. Bis zu 41 Personen finden in einer der beiden neuen, leuchtend orangen Kabinen der Luftseilbahn Platz, die seit letztem Samstag bei schönem Wetter wieder alle 20 Minuten starten. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr ist die Geschichte der Lungern-Turren-Bahn (LTB) eine moderne Auferstehungsgeschichte – eine Art Luftseilbahn-Märchen mit einheimischem Retter. Denn noch im Sommer 2015 drohte der maroden Bahn das definitive Aus.

Der ehemalige Bahnbetreiber Paul Niederberger hatte mit seiner Panoramawelt AG bereits Ende 2012 kapitulieren müssen: Das Miniskigebiet, bestehend aus der Zubringerbahn und dem Sessellift von Turren nach Schönbüel, war nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Wegen bestehender Sicherheitsmängel legte das Bundesamt für Verkehr (BAV) im Frühling 2013 die Luftseilbahn still: Keine Kabine durfte mehr hinauf nach Turren fahren. Die Tragseile schwangen zwei Jahre leer im Wind, währenddem das Konkursverfahren in Sachen «Panoramawelt» lief. Die Aussichtsterrasse mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau war nur noch über die Strasse oder den Wanderweg erreichbar.

Doch dann trat der einheimische Investor und Unternehmer Theo Breisacher auf den Plan und kündigte an, gut achteinhalb Millionen Franken in die Modernisierung der Luftseilbahn, den Bau eines Verwaltungs- und Betriebsgebäudes mit sechs Wohneinheiten und eines neuen Ausflugrestaurants auf Turren investieren zu wollen. Er glaube an die Zukunft eines neu im sanften Tourismus positionierten Erholungs- und Freizeitgebiets oberhalb von Lungern.

Das Unternehmertum im Blut

Mit dem Einstieg bei der Lungerner Luftseilbahn will der 80-jährige Breisacher seiner Wahlheimat etwas zurückgeben. Schliesslich verdankt er Obwalden viel, hat als Zugezogener hier Wurzeln geschlagen und eine eigentliche Tellerwäscherkarriere hingelegt.

1954 verlässt der 18-jährige Breisacher Deutschland, um als gelernter Schreiner in der Schweiz sein Glück zu versuchen. In einer Möbelfabrik in Wilen OW lernt er, wie man Möbelteile rationell fertigt. Bereits sechs Jahre später leitet der Machertyp seine erste eigene Firma und 1966 gründet Breisacher im Alter von 30 Jahren die Möbelfabrik Alpnach AG. Der Bau von Normschränken wird zum Grosserfolg, das Unternehmen wächst über die Jahrzehnte. Als der Patron im Mai 2008 die Leitung der «Alpnach Norm» an seine Tochter Brigitte Breisacher übergibt, beschäftigt die Unternehmensgruppe 164 Mitarbeitende und erwirtschaftet einen konsolidierten Umsatz von 40 Millionen Franken.

Zwischen 1964 und 2014 hat Breisacher nicht weniger als 35 Unternehmen gegründet oder war zumindest an deren Gründung beteiligt. Mit seiner MF Unternehmungs AG betätigt sich Breisacher bis heute höchst persönlich im Immobiliengeschäft und investiert in Wohnungs- und Geschäftsbauten. Für ihn ist die Realisation des Betriebs- und Verwaltungsgebäudes mit sechs Wohneinheiten bei der aufgefrischten LTB-Talstation also definitiv kein Neuland. (gd)

Den ganzen Beitrag zur LTB-Wiedereröffnung finden Sie im nächsten Baublatt.