Löhne: Gewerkschaften verhandeln gleich gut

Löhne: Gewerkschaften verhandeln gleich gut

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Geht es um Lohnerhöhungen, verhandeln die Gewerkschaften in allen grossen Branchen in etwa gleich gut. Aber entscheidend bezüglich Lohnhöhe dürfte letztlich die Wirtschaftslage in den einzelnen Branchen sein. Dies zeigt ein Vergleich der Abschlüsse der Gesamtarbeitsverträge (GAV) der vergangenen zehn Jahre.

So haben die Gewerkschaften Unia und Syna gemäss Angaben des Bundesamts für Statistik (BFS) eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 0,7 Prozent für ihre Leute auf dem Bau erstritten. Der VPOD dagegen, der die Angestellten der öffentlichen Hand vertritt, musste für die Verwaltungsangestellten eine Nullrunde hinnehmen. Daraus den Schluss zu ziehen, der VPOD sei weniger erfolgreich als die Unia, wäre verfehlt: Aus dem Vergleich der GAV-Abschlüsse der letzten zehn Jahre (2004 bis 2014) geht nämlich hervor, dass die Gewerkschaften in allen grossen Branchen in etwa die selben Lohnerhöhungen aushandeln konnten.

Löhne in der Industrie hinken hinterher

 Seit 2004 haben vom Elektriker über die Lehrerin bis zum Automechaniker alle 10,4 bis 12,8 Prozent mehr verdient. Nur die Angestellten in der Industrie haben deutlich schlechter abgeschnitten, ihr Lohn ist lediglich um 8,6 Prozent angewachsen. Die Ursache dafür ist hier nicht bei den Gewerkschaften sondern im starken Franken zu suchen: Denn ungünstige Wechselkurse und die Krise in der Euro-Zone haben die Exportindustrie und damit auch die Löhne dieser Branche unter Druck gesetzt. Dies bestätigt auch ein Blick in die Statistik:  Bis 2009 sind die GAV-Löhne in dieser Branche im Gleichschritt mit den anderen Wirtschaftszweigen gewachsen, danach gerieten sie in Rückstand.

Zudem zeigt der Vergleich zwischen den Wirtschaftssektoren, dass in den letzten zehn Jahren die Löhne im Dienstleistungssektor (+15,1 Prozent) zwar merklich schneller gewachsen sind als in der Industrie und im Gewerbe (+11,2 Prozent).  Dieses schnellere Wachstum beschränkt sich im Dienstleistungssektor jedoch auf einige wenige Branchen. Damit haben vor allem die Saläre in den Bereichen Nachrichtenübermittlung und Verkehr deutlich zugelegt. Im Gesundheits- und Sozialwesen und bei den Lehreren waren die Anstiege hingegen moderat.

Nur eine Minderheit untersteht einem GAV

 Angestellte, die einem GAV unterstehen, gehören in der Schweiz allerdings einer Minderheit an. Gemäss BFS sind nur rund 40 Prozent aller Saläre GAV-Löhne. Das gesamte Lohnuniversum der Schweiz dagegen bildet der schweizerische Lohnindex ab. Er zeigt, dass die GAV-Löhne ein durchaus realistisches Abbild der Schweizer Lohnlandschaft abgeben: Denn in Wirtschaftsbereichen ohne GAV sind die Löhne seit 2004 weder deutlich schneller noch markant langsamer gewachsen.

Einziger deutlicher Ausreisser ist wenig überraschend die Finanzbranche. Mit einem Anstieg um 15,2 Prozent von 2004 bis 2013 gegenüber 10,6 Prozent in der Gesamtwirtschaft sind hier die Löhne markant stärker gewachsen als in anderen Branchen. Völlig aus dem Rahmen fällt jedoch auch dieser Lohnanstieg nicht. Dabei verhandelt in den Banken und den Versicherungen nicht eine grosse Gewerkschaft, sondern die kleinen Personalkommissionen in den Unternehmen. (mai/sda)

GAV-Löhne nur leicht angestiegen

In Branchen mit Gesamtarbeitsverträgen (GAV) sind die Löhne dieses Jahr um durchschnittlich 0.8 Prozent gestiegen. Die Mindestlöhne haben sich um 0,7 Prozent erhöht. Dies geht aus aktuellen Erhebungen des Bundesamts für Statistik hervor. Unter Einbezug der Teuerungsprognosen für das Jahr 2014 (+0,1%) müssten die Reallöhne laut BFS im GAV-Bereich um 0,7 Prozent zunehmen. Damit ist der Lohnzuwachs im Vergleich zum Vorjahr erneut gesunken. Im Vergelich zum 2013 belief sich die reale Leohnerhöhung auf 0,8 Prozent.  Die ausgehandelten Löhne fielen damals mit einem Plus von 0,7 Prozent allerdings tiefer aus als in diesem Jahr. (mai/sda)