Little Manhattan in Zürich-Nord

Little Manhattan in Zürich-Nord

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Teaserbild-Quelle: zvg
Auf dem ehemaligen Gewerbequartier reiht sich ein Bauprojekt ans andere. Verdichtung lautet das ­Motto auf dem Areal, wo Zürich und Opfikon zusammenwachsen. In Leutschenbach sollen dereinst 25 000 Menschen arbeiten und 3500 wohnen. Unter anderem in den neuen Wohnhochhäusern The Metropolitans.
 

"Beitrag an die eingeschlafene Hochhausdebatte"

Was war die besondere Herausforderung bei diesem Projekt?
Da gibt es eine ganze Zahl von Faktoren, die die Aufgabe für uns besonders herausfordernd machte: Zum einen befinden wir uns in Leutschenbach in einem aufstrebenden und sich stark wandelndem Stadtteil der grössten Schweizer Stadt. Zum anderen stellt unser Projekt einen Beitrag dar an die jahrzehntelang eingeschlafene Hochhausdebatte. Im Weiteren ist Wohnen eine der Schlüsselkompetenzen von Baumschlager Eberle, so führt zum Beispiel Dietmar Eberle als Architektur-Professor an der ETH Zürich seit Jahren das Wohnforum, wo er Forschung zum Thema des Wohnens betreibt. Und schliesslich ist eine der Besonderheiten von The Metropolitans die schiere Anzahl der Wohnungen, weit über 200 an der Zahl.
 
Wie stehen die Hochhäuser zueinander und im städtebaulichen Kontext?
Der Hochhaustypus an sich konzentriert seine Flächen und Massen sehr stark. The Metropolitans tritt dabei in Beziehung zu den umliegenden hohen Gebäuden. Wir entschieden uns im Wettbewerb dafür, das beachtliche Programm auf zwei Gebäude, als Ensemble, zu verteilen. Dadurch gehen die beiden Häuser untereinander einen komplexen Dialog ein. Durch die diagonalen Achsen, die räumliche Verschränkung oder die sechseckigen Figuren öffnen sich die Winkel, Perspektiven und Sichtbeziehungen; die Anlage gewinnt dadurch zusätzlich an urbaner Eleganz.
 
Wie hat sich die Fassadengestaltung und die Materialisierung entwickelt?
Die Tragstruktur betrachten wir als eines der zentralen tektonischen Themen unserer Arbeit. In unserem Fall unterstützt die Doppelschichtigkeit die gestalterische Absicht, die Vertikale zu betonen und den Gebäuden einen einheitlichen Ausdruck zu verleihen. Hinter der sehr geordneten ersten Schicht befinden sich raumhohe Fenster. Darüber hinaus bietet diese Fassade aber auch einen raffinierten baulichen Sonnenschutz, löst den Brandüberschlag oder ermöglicht eine einfache Fassadenreinigung. Die zwei wichtigsten Aspekte aber betreffen das Wohngefühl. Einerseits vermittelt die umlaufende Schicht trotzt der enormen Höhe über Boden ein grosses Mass an Sicherheit, zweitens ist es der besondere Nutzwert für die Bewohner, nämlich zwei Arten von individuellen Aussenräumen: Einmal eine umlaufende Balkonschicht, die von jedem Zimmer zugänglich ist, zum anderen grosse eingezogene Hochhaus-Loggien, die eine aussergewöhnliche Aufenthaltsqualität generieren werden. Man ist dabei gleichzeitig an der frischen Luft und erlebt hautnah die Natur, die grosse Tiefe der Loggien führt für die Bewohner darüber hinaus zu einer besonderen Wahrnehmung: Das atemberaubende Panorama wird wie ein artifizielles Bild des Himmels, der Stadt, der Berge oder wie Kunst wirken.
 
 
Bei einem so stark verdichteten Projekt sind die Aussenräume ja besonders wichtig. Welches sind hier die Kernthemen?
Die hohe Dichte der zwei Türme ermöglicht sehr grosse und zusammenhängende Aussenräume im Erdgeschoss. Ein gemeinsamer Bereich führt zu den beiden sich gegenüberliegenden Hauszugängen – so wird die Adresse gebildet. Der Städtebau, zwei diagonal verschränkte Volumen, findet so im Aussenraum noch einmal seine Entsprechung. Der um die Häuser reichende Park mit seinen ausgewiesenen Ausdifferenzierungen ergänzt und verwebt dadurch die umliegenden Stadtparks und führt so zu neuen und aussergewöhnlichen Raumerlebnissen.
 
 
Welchen Ansatz haben Sie bei der Grundrissgestaltung verfolgt?
Grundsätzlich ging es uns darum, jeder Wohnung möglichst viel der sensationellen Aussicht zuzuordnen. Es wurden dabei drei prinzipiell unterschiedliche Grundrissformen entwickelt: Eckwohnungen mit der entsprechenden Orientierung nach den beiden Himmelsrichtungen, durchgesteckte Wohnungen mit gegenüberliegenden Fassadenanteilen und zweigeschossige Attikawohnungen mit attraktiven Galeriebereichen. Einladende grosse Entrées mit Garderoben, Schränken und Gästetoilette bilden die Pforte in die Wohnungen. Zusammenhängende und verschränkte Koch-, Ess- und Wohnzonen bieten diagonale Raumbeziehungen, öffnen die Räume und generieren Grosszügigkeit. Gut proportionierte Individualräume sind die Basis für eine sehr gute Möblierbarkeit, individuelle Bade- und Relaxoasen runden das harmonische Bild ab. Hochwertige, langlebige und schöne Materialien, Texturen und Farben erzeugen ein gediegenes „look&feel“.
 
 
 
Generell zum Gebiet Leutschenbach: Wie schätzen sie die Planung dieses neuen Stadtteils ein?
Rund um The Metropolitans wird aktuell und die weiteren Jahre sehr viel gebaut. Mittels Masterplänen versuchte man diese rasante Entwicklung positiv zu beeinflussen und zu steuern. Dabei sind sowohl die Erwartungen, als auch die Potentiale, hoch. Wir werden wohl erst nach der Inbesitznahme der vielen Tausend neuen Bewohner des Gebietes wirklich erkennen können, wie erfolgreich, zutreffend und zufriedenstellend die Konzepte wirklich sind. Wir glauben, es wird spannend bleiben.
 
 
Baumschlager Eberle baut auf der ganzen Welt. Welchen Stellenwert hat The Metropolitans im Portfolio?
International reiht sich das Projekt für uns sehr schön in eine grosse Reihe solcher Vorhaben ein, hat Baumschlager Eberle doch sowohl mit Wohnen, als auch mit Hochhäusern, seit über 25 Jahren viele Erfahrungen sammeln und Kompetenzen aufbauen dürfen. Für Zürich ist das Projekt heute in seiner typologischen Konzeption, seiner ausdrucksstarken Struktur, seiner architektonischen Qualität und seinem Beitrag an neue Wohnprodukte einzigartig. (ka)