Ligerz-Tunnel soll Anwohner vom Lärm entlasten

Ligerz-Tunnel soll Anwohner vom Lärm entlasten

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Der Ligerz-Bahntunnel soll ab 2025 die lärmpgeplagten Anwohner am linken Bielerseeufer entlasten. Die SBB schliesst damit die letzte Doppelspur- Lücke auf der Jurasüdfusslinie.

Das linke Bielerseeufer mit seinen Rebhängen und schmucken Dörfern ist idyllisch - wären da nicht Bahn und Strasse, die sich auf engstem Raum durch die Dörfer zwängen. Gebaut wurden die Verkehrsverbindungen vor rund 150 Jahren. Damals waren die Prioritäten ihrer Erbauer noch ganz andere als heute und das Verkehrsaufkommen vergleichsweise bescheiden.

Heute zwängen sich rund 200 Züge pro Tag durch das Einspurnadelöhr am Bielersee, die Hälfte davon sind Güterzüge. Schon lange kämpft die Bevölkerung für eine Lärmentlastung. Während eine Strassenumfahrung des Dorfs Twann noch hängig ist, nimmt das Projekt des Ligerz-Bahntunnels nun konkrete Formen an. Die beiden Projekte werden unabhängig voneinander vorangetrieben.

Die SBB hat Anfang Juni die Objektstudien abgeschlossen und zusammen mit Bund, Kanton und Gemeinden die definitive Linienführung festgelegt, wie Vertreter des Bahnunternehmens am Dienstag vor den Medien in Twann erläuterten. Diese nun ausgewählte Variante erfülle alle fahrplantechnischen Anforderungen, kommen die Projektverantwortlichen zum Schluss. Im Vergleich zu anderen geprüften Varianten nehme die nun gewählte Linie am besten Rücksicht auf Landschafts- und Grundwasserschutz sowie archäologische Fundstätten der Pfahlbauerkultur.

Von 2020 bis 2025 wird gebaut

Der Tunnel soll von 2020 bis 2025 realisiert werden. Die Kosten werden auf 380 bis 420 Millionen Franken geschätzt. Die Gelder für den Bau des Ligerz-Tunnels stammen aus dem neuen Bahninfrastrukturfonds, den die Schweizer Stimmbevölkerung im Februar 2014 mit dem Ja zur Fabi-Vorlage angenommen hat.

Der 2,1 Kilometer lange Doppelspurtunnel hat seine Portale beim Weiler Schafis und bei Kleintwann. Im Berg verläuft der Bahntunnel parallel zu einem bereits bestehenden Strassentunnel. Auf der Schafiser Seite des Tunnels gab es nur eine Möglichkeit der Linienführung. Am anderen Ende des Tunnels gibt es noch zwei Varianten. Dabei geht es hauptsächlich um die Frage, ob es noch eine Seeaufschüttung braucht, um die Geleise etwas weiter aussen zu führen als heute.

Wenn der neue Tunnel gebaut ist, wird die bestehende Bahnlinie zurückgebaut. Dadurch werde mehr Land frei als verbaut werde, betonte Olivier Saugy, Projektleiter der SBB. Ein Teil des Landes soll als Kompensationsfläche für den Rebbau dienen.

Der neue Tunnel ermöglicht im Regionalverkehr die Einführung eines durchgehenden Halbstundentakts zwischen Neuenburg und Biel.

"Historische Chance"

Der Gemeindepräsident von Ligerz, Andreas Fiechter, sprach von einem "sehr glücklichen Tag". Auch wenn es noch zehn Jahre gehe, bis der Tunnel gebaut sei, so nehme das die Bevölkerung gerne in Kauf, wenn sie dafür endlich vom Lärm entlastet werde. Der jahrzehntelange Kampf habe sich gelohnt, betonte Fiechter. Auch punkto Sicherheit bringe der Tunnel den Dörfern Bipschal, Ligerz und Schafis viel. "Man darf sich gar nicht vorstellen, was ein Zugunfall für Folgen hätte", sagte Fiechter. (sda)