Lichtspiel am schwäbischen Meer

Lichtspiel am schwäbischen Meer

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Teaserbild-Quelle: Myriam Sperisen
Die Würth International AG und Würth-Gruppe Schweiz expandieren und bauen in Rorschach ein neues Verwaltungsgebäude mit Ausbildungs- und Trainingszentrum. Den Wettbewerb gewannen die renommierten Zürcher Architekten Gigon/Guyer. Momentan herrscht auf der Baustelle Hochbetrieb.
 
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Links zu Beteiligten

 
Seit November 2010 tut sich in Rorschach auf dem Grundstück zwischen Bahnhof und Bodensee-Strandbad etwas. Die Baustelle für das teilweise fünfgeschossige, bis zu 25 Meter hohen Würth-Verwaltungsgebäudes mit ­Ausbildungs- und Trainingszentrum ist längst nicht mehr zu übersehen. Momentan arbeiten hier etwa 120 Personen. Für die Stadt Rorschach ist die Expansion des Unternehmens ein markanter Meilenstein in der 2004 angestossenen Stadtentwicklung. Diese setzt massgeblich auf die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und hochwertigem Wohnraum. Während Stellen geschaffen werden, entstehen parallel über 500 neue Wohneinheiten in der Gemeinde. Die Entwicklung spiegelt sich im Steuerfuss der Stadt Rorschach wider: 2012 wird der tiefste seit 30 Jahren verzeichnet.
  
«Für die Bauherrschaft waren die ausschlaggebenden Faktoren für die Ansiedlung an diesem Standort, die sehr guten Rahmenbedingungen von Seiten Stadt und Kanton, die Nähe zum Flughafen Altenrhein, die gute Anbindung an den ­öffentlichen Verkehr sowie die Lage am See. Auf dem nun bebauten 21 500 Quadratmeter grossen Grundstück zwischen Bahnhof und Strandbad hätte vor gut zehn Jahren die überdimensionierte Casino-Idee «Swiss Marina» entwickelt werden sollen, die bekanntlich nicht über den Projektstatus hinaus kam.
 
Das Projekt Lichtspiel, mit dem die Zürcher Architekturbüros Gigon/Guyer, das den Wettbewerb gewann, wird firmenintern als «Ideale Plattform für zeitgemässe Schulungen für Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden» bezeichnet. Die vielseitig nutzbaren Räume im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind um einen Innenhof herum konzipiert. Frei einteilbar werden die Arbeitsplatze sein, um den massiven Mittelkern angeordnet. Momentan ist hier allerdings ist noch alles offen, die Handwerker arbeiten fast alle in Räumen, die Hallengrösse aufweisen, bei den Schulungswerkstätten sind bereits Abgrenzungen sichtbar.
 
Der Haupteingang mit dem grosszügigen, frei auskragenden Vordach liegt gegenüber dem Hauptbahnhof Rorschach zur Churerstasse hin und führt in einen grossen, hellen Empfangsbereich mit Treppenaufgang. Hier wird momentan der Boden ausgegossen. Vordach und Sheddach des angrenzenden Kunsttraktes wurden durch sechs rund 70 Meter lange und jeweils etwa 45 Tonnen schwere Stahl-Fachwerkträger ausgebildet. Diese wurden vor Ort aus drei ­Teilen zusammengeschweisst und versetzt.

Glas gibt charakteristische Optik

Doch zunächst steht eine weitere wichtige Bauetappe bevor. Im Sommer erhält das Gebäude seine charakteristische Glas-Fassade. Eine hinterlüftete gläserne Hülle verkleidet die Tragkonstruktion, konstruiert aus einem Betonskelett mit aussteifenden Kernen. Die innere Glasschicht ­besteht aus dreifachem Isolierglas und Wärmedämmung mit Blechverkleidungen. Die innere Glasschicht besteht aus dreifachem Isolierglas, und die äussere ist durch einen Reinigungsgang getrennt. Dadurch ist ein feingliedrig rhythmisierter gläserner Vorhang gegeben, der hinterlüftet ist und das Gebäude vor Seewind und Strassenlärm, vor Wärmeeintrag und Auskühlung, schützt. Der Gesamteindruck des Gebäudes ist derjenige eines schillernden, mit Licht, Transparenz und ­Reflexion spielenden Volumens, der dem Projektnamen «Lichtspiel» gerecht wird. Laut ­Alfons ­Zanfrini, zuständiger Projektleiter der Walter Dietsche Baumanagement AG, Chur, erfolgt die Montage der äusseren Verglasung ab Juni und wird rund drei Monate dauern. Auf den Flachdächern werden 2900 Photovoltaik-Elemente in Dünnschicht-Technologie (aus hauseigener Produktion) montiert.
 
Bei Würth gehört ein naher Bezug zur Öffentlichkeit zur Firmen-Philosophie. So werden das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss ­öffentlich zugänglich sein. Nebst einer grossen Zahl an verschieden grossen Schulungsräumen, einem Würth-Handwerkershop sowie drei Demo-Werkstätten wird es auch Ausstellungs- und Begegnungszonen geben. Ergänzt wird dieses Raumangebot durch das Restaurant und die Cafeteria im ersten Obergeschoss mit Terrassen und Seesicht sowie dem separat zugänglichen Kunstbereich. Der Kongresssaal für 500 Personen, das «Forum Würth», weist eine grosse Fensterfront auf. Er ­orientiert sich zum neugestalteten Bahnhofplatz. Um die verschiedenen Nutzungen zu ermöglichen, werden im Saal eine höhenverstellbare Bühne ­sowie eine ebensolche Tribüne eingebaut.
 
In den höheren Gebäudeebenen befindet sich auf vier Geschossen die Verwaltung für etwa 250 Mitarbeitende. Bei den Zugängen zu den jeweiligen Geschossen sind Begegnungszonen angeordnet, ebenso wie Sekretariatsräume. Transparente, akustisch geschlossene Besprechungs- und Büroräume gliedern die offenen Flächen der Administration. Der Weg vom Verwaltungsgebäude zum Restaurant führt entlang eines grosszügigen Pausenraumes mit Seeblick, der mit der Kaffeebar als Kommunikationszone dient. Parkplatzprobleme wird es aufgrund des Arbeitnehmer-Zuwachses in Rorschach nicht geben, bieten doch die zwei Untergeschosse neben den Technikräumen eine Einstellhalle mit 235 Parkplätzen. «Der Bau-Zeitplan konnte durch gute Leistungen, aber auch dank guter Wetterverhältnisse eingehalten werden», so Zanfrini. Die technischen Installationen sind bereits zur Hälfte abgeschlossen, es wird die Lift-Technik eingebaut, die Schachte sind mit Brettern abgeriegelt. Zudem kann im Erdgeschoss bald der Terrazzoboden eingebracht werden. Läuft weiterhin alles nach Plan, kann das Gebäude im kommenden Frühling bezogen werden. (my)
 

Übrige Beteiligte

  • Bauherrschaft: Würth Management AG, Rorschach
  • Generalunternehmung: Walter Dietsche, Baumanagement AG, Chur
  • Architekt: Gigon /Guyer, Zürich