Leuchtturm der Moderne

Leuchtturm der Moderne

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Teaserbild-Quelle: zvg
Das berühmte Haus Tugendhat im tschechischen Brünn vom deutschen Architekten Mies van der Rohe wurde restauriert und vor kurzem wiedereröffnet. Mit seinen klaren Formen und technischen Ausstattungen galt das Gebäude als fortschrittlichste Villa ihrer Zeit.
 
Aufatmen! Nachdem das Schicksal des Jahrhundertbauwerks Villa Tugendhat jahrzehntelang unsicher war, kann man jetzt in eine vielversprechende Zukunft blicken. Die weisse Residenz im tschechischen Brünn wurde in den vergangenen zwei Jahren auf höchstem Niveau restauriert. Auch die technischen Einrichtungen wie Klimaanlage, versenkbare Fenster oder Gegensprechanlage wurden wieder funktionsfähig gemacht.
 
An einem leicht abfallenden Hang gegen das Zentrum der Brünner Altstadt ausgerichtet, befindet sich eines der bemerkenswertesten Beispiele moderner Wohnkultur. Zur Strassenseite tritt die Villa nur eingeschossig in Erscheinung, gegen das abfallende Parkgelände hin entwickelt sie sich jedoch zu einem dreistöckigen Baukörper. Über ein verglastes Vestibül und eine elegant geschwungene Treppe gelangt man in die eine Etage tiefer liegende Wohnebene. Hier befindet sich die berühmte halbrunde Holzwand, die den Essbereich fasst, und die zart schimmernde Onyx-Wand im daneben liegenden Wohnzimmer. Nicht nur die ursprünglich verbauten Materialien wurden wieder eingesetzt, auch die Möblierung sollte soweit als möglich dem Original entsprechen. Wie die NZZ berichtet meinte eines der bei der Wiedereröffnung der Villa anwesenden Tugendhat-Kinder, dass alles ganz toll gelungen sei – nur das Grün der Sessel sei ein bisschen zu intensiv ausgefallen.
 

Wechselvolle Geschichte

Schon kurze Zeit nach der Errichtung galt die vom Industriellen-Ehepaar Fritz und Grete Tugendhat in Auftrag gegebene Villa als herausragendes Werk. Es wurde in einem Atemzug mit den besten Häusern Le Corbusiers, Frank Lloyd Wrights oder Adolf Loos genannt. Jedoch nicht mal ein Jahrzehnt konnte die Bauherrschaft ihr Heim bewohnen, dann sahen sie sich zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen. Der Machtübernahme durch die Nazis folgte auch die Beschlagnahmung der Villa durch die Gestapo. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen russische Besatzer ein, später wurde das Haus zur Aussenstation des nahen Kinderkrankenhauses. Erste Bürgerinitiativen forderten schon in den 1960er Jahren die Renovation und die Umwandlung des Hauses zu einem der Allgemeinheit zugänglichen Ausstellungsgebäude. 1994 folgte dann die Öffnung fürs Publikum, allerdings befand sich die Villa Tugendhat schon damals in lädiertem Zustand. (tst)