Leonardo-da-Vinci-Brücke aus Eis

Leonardo-da-Vinci-Brücke aus Eis

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Teaserbild-Quelle: zvg

Im finnischen Juuka wollen holländische Studenten eine Brücke aus Eis nach Plänen von Leonardo da Vinci bauen. Ursprünglich hatte sie das Universalgenie für das Goldene Horn in Istanbul entworfen.

Leonardo da Vincis Idee war visionär: Er wollte das Goldene Horn mit einem einzigen, flachen Bogen überspannen, und zwar über eine Länge von 240 Metern. Leider hielt Sultan Sultan Bejazid II Wali die Pläne des Italieners für nicht realisierbar. Darum verschwand das Projekt 1502 in der Schublade. 500 Jahre später traute sich die norwegische Gemeinde Ås das Projekt umzusetzen  – wenn auch verkleinert und als Fussgängerbrücke mit einer Spannweite von 45 Metern.

Nun soll die Brücke zwar  nicht in ihren originalen Dimensionen,  aber immerhin noch etwas grösser erbaut werden. Allerdings nicht aus Stein und schon gar nicht am Bosporus: Unter der Leitung von Arno Pronk von der holländischen Universität Eindhoven wollen Studenten und Freiwillige in einem alten Steinbruch beim finnischen Juuka da Vincis Pläne mit Pykrete – mit Fasern verstärktem  Eis – verwirklichen.  Pykrete ist dank der Fasern etwa drei Mal so stabil wie gewöhnliches Eis. Die Spannweite  beträgt 50 Meter. Laut der Universität handelt es sich um die bisher grösste aus Eis geschaffene Spannweite.

Dass die Bauarbeiten nur bei äusserst tiefen Temperaturen möglich sind, versteht sich von selbst: Der Bau startet Ende Dezember, bereits Mitte Februar soll die Brücke stehen. Bevor mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen werden kann, werden Ballons in den entsprechenden Formen als Gerüst aufgestellt. Auf diese wird dann eine Lage Schnee gesprüht. Danach folgt ein Mix aus Wasser und zehn Prozent Papierfasern. Sind die Schichten gefroren, werden die Ballons darunter entfernt. - Gebaut wird rund um die Uhr in drei Schichten. Denn bei zu langen Pausen würden Ausrüstung und Baumaterial wegen der tiefen Temperaturen einfrieren.

Es ist nicht Pronks erstes Projekt dieser Art. Letztes Jahr baute er mit seinen Studenten die Sagrada Familia nach, im Jahr davor schufen sie eine Eiskuppel mit einem Durchmesser von 30 Metern. Damit will Pronk das Potenzial von Pykrete als Baumaterial aufzeigen. „Aus Pykrete lassen sich sichere und kostengünstige, temporäre Strukturen bauen“, sagt er.  Als Einsatzgebiet sieht er etwa temporäre Strassen in arktischen Regionen für Eishotels.  

Davon, dass Eis als  Baumaterial viel Potenzial hat, werden sich auch kommenden Februar zahllose Leute überzeugen können: Die Brücke dient, wie die letzten Bauwerke, als Touristenattraktion. Zumal ausser ihr  in Jukka noch weitere „coole“ Projekte vorgesehen sind. So werden sich heuer auch Teams der Universitäten von Helsinki, Ghent (Belgien),  Bath und Edinburgh mit ihren Eisbauten dabei sein. (mai)