Lega will geplante Umfahrung von Agno in den Tunnel verlegen

Lega will geplante Umfahrung von Agno in den Tunnel verlegen

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Am 9. Juni entscheiden die Tessiner Stimmbürger über den Bau eines neuen Umfahrungstunnels für Agno TI. Die Lega hat das Projekt als Alternative zu einer geplanten überirdischen Umgehungsstrasse vorgeschlagen. Die Kosten sollen rund eine Milliarde Franken betragen.

 

Eigentlich schien das Thema im März 2011 abgeschlossen: Der Grosse Rat genehmigte - nach fast zwanzig Jahren Planungszeit - einen Kredit von 133,7 Millionen Franken für eine Umfahrungsstrasse in der Region Malcantone. Die neue Strecke soll die Gemeinde Agno von den täglichen Staus befreien, in dem der Verkehr der Kantonsstrasse zwischen Magliaso und Bioggio TI über eine vorwiegend überirdische Strecke entlang des Flughafens Agno und der Autobahn geführt wird. Dazu sollen Strassen und Kreisel verstärkt sowie Streckenabschnitte und Unterführungen neu angelegt werden. Allerdings kritisierte die Lega das Projekt schon bei der Planung als veraltet. Nach Meinung der Rechtspartei nützt ein langer, einheitlicher Tunnel der Region mehr als ein „Puzzle aus Baumassnahmen“. Im März 2012 brachte die Lega mit 11'000 Unterschriften die Volksinitiative für eine unterirdische Umfahrung zwischen Ponte Tresa und Bioggio zustande.

Finanziell nicht tragbar

Bei den anderen Parteien im Tessin fand der Vorschlag der Lega keine Anhänger: Der Grosse Rat lehnte die Initiative ab. Mit geschätzten Kosten von 970 Millionen Franken galt das Tunnelprojekt als finanziell nicht tragbar. Zudem wurde befürchtet, dass sich die Realisierung der Verkehrsentlastung bei Annahme des Lega-Projekts auf ungewisse Zeit verzögert. Für die überirdische Variante ist ein Zeitfenster von fünf bis sieben Jahren vorgesehen. Die Hoffnung besteht, sie bis zum Jahr 2021 fertigzustellen. Die Befürworter der Initiative argumentieren dagegen, dass der Bau einer unterirdischen Strecke den bestehende Verkehr nicht beeinträchtigt. Nach Fertigstellung steige zudem in den anliegenden Gemeinden erheblich die Lebensqualität. Verwiesen wird ausserdem auf bewährte Projekte im Kanton, etwa die Umfahrungstunnel von Locarno und Lugano.

Nicht nur Grenzgänger

Die Gegner, darunter auch die Regierung, sorgen sich nicht nur die enormen Mehrkosten, sondern auch um die unbeabsichtigten Kollateraleffekte: Ein durchgehender Tunnel mit nur einer Zwischenausfahrt würde dazu führen, dass der Schwerverkehr mit Destination Industriegebiet Agno/Bioggio weiter die alte Kantonsstrasse wählt. Dasselbe gilt aus Sicht der Gegner für die Anwohner der "entlasteten" Gemeinden. Denn es sei, so heisst es in der Informationsbroschüre des Kantons, eine Fehlannahme zu glauben, die Verkehrsprobleme zwischen Ponte Tresa und Bioggio würden nur von Grenzgängern verursacht.

Der Kanton macht sich auch Sorgen um die Zuschüsse des Bundes. Das aktuelle Projekt musste nach einem ersten Entwurf noch modifiziert werden, weil es Kritik am Kosten-Nutzen-Verhältnis gab. Die überirdische Variante ist Teil des Luganeser Agglomerationsprogramms, das auch den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel vorsieht. (sda/mai)