LED: Chancen und Risiken

LED: Chancen und Risiken

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Die Beleuchtungsindustrie befindet sich in einem noch nie da gewesenen Umbruch. Das Neue, die LED, ist ein Halbleiter – genau wie die Prozessoren in Computern. In der Computerwelt selbstverständlich, sind solche Technologiesprünge hier aber völlig neu. Um die jeweils neueste Entwicklung auch in die eher trägen Bauprozesse optimal einsetzen zu können, ist ein Um-denken unabdingbar.
 
In den letzten Jahren gab es in der Beleuchtungsbranche fast nur ein Thema: LED. Inzwischen sieht es so aus, als ob uns dieses Thema auch in den kommenden Jahren noch beschäftigen wird. LED haben aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften ein positives Image und liegen voll im Trend.

Vom «Gipfel der Erwartungen» zum «Plateau der Produktivität»

Einen Überblick über den Entwicklungsverlauf einer neuen Technologie wie der LED gibt der Hype-Zyklus, welcher von der Unternehmensberatung Gartner Group für IT-Technologien entwickelt wurde. Die Kurve beschreibt die öffentliche Aufmerksamkeit über die Zeit und bildet die unterschiedlichen Phasen ab, welche eine Technologie durchläuft.
 
Die erste Phase bildete der technologische Auslöser. Bei der LED war der Durchbruch, dass es gelang, weisses Licht zu erzeugen. Die ersten Berichte weckten übertriebene und unrealistische Erwartungen, die im «Gipfel der überzogenen Erwartungen» endeten. Da diese Erwartungen nicht erfüllt wurden, fiel die Technologie ab ins «Tal der Enttäuschung». Die Technologie kämpfte mit Kinderkrankheiten, und die Preise waren unverhältnismässig hoch. Die nächste Phase mit der treffenden Bezeichnung «Pfad der Erleuchtung» beschrieb den Übergang zu umsetzbaren Lösungen, die die Vorteile ausnutzten. Gleichzeitig entstand ein Verständnis für die Grenzen der Technologie. Am Ende steht das «Plateau der Produktivität». Die Technologie ist nun solide entwickelt und vom Markt vollständig akzeptiert.
 
Wie schnell ein solcher Zyklus durchlaufen wird und wie der konkrete Verlauf ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Erfahrungen aus dem IT-Bereich zeigen, dass der Übergang zum «Pfad der Erleuchtung» dadurch gekennzeichnet ist, dass ein System aus Standards und kompletten Lösungen entsteht. Ein Anzeichen, dass die LED auf dem «Pfad der Erleuchtung» angekommen sind, ist, dass inzwischen etliche praxistaugliche Produkte auf dem Markt erhältlich sind.
 
Besonders im Bereich von Downlights und Strahlern ist dies festzustellen. Das gesamte Spektrum der Produkte ist aber noch sehr unübersichtlich, und die Qualität der Produkte ist äusserst heterogen. Produkte, welche die Erwartungen und die eigenen Leistungsangaben nicht einhalten können, verunsichern den Markt, verzögern den Durchbruch und schaden auf diese Weise der gesamten Industrie.
 
Das Interessante daran ist, dass die Technologie von den jeweiligen Projektbeteiligten ganz anders eingeschätzt wird. Die Bauherrschaften und Investoren haben übertriebene Erwartungen und glauben, dass mit LED alles möglich ist. Planer, die schon früh LED eingesetzt haben und mit den Kinderkrankheiten konfrontiert waren, sind eher verunsichert und befinden sich im «Tal der Enttäuschung». Hersteller, die in Forschung und Entwicklung einen extremen Vorsprung besitzen, haben den «Pfad der Erleuchtung» schon hinter sich gelassen. Durch die unterschiedlichen Positionen entstehen im Planungsprozess diverse Spannungsfelder.

Preise auf hohem Niveau

So gehen in Bezug auf die Kosten die Vorstellungen der Beteiligten stark auseinander. Kostenplaner gehen von ihren bestehenden Kennzahlen aus. Planer aber haben bei der ursprünglichen Kostenschätzung LED noch nicht berücksichtigt und sehen sich nun mit Mehrkosten konfrontiert. Investoren wiederum hegen den Wunsch, neueste Technik zum Preis einer konventionellen Lösung zu erhalten. Und die Betreiber möchten eine wartungsarme Anlage ohne Kinderkrankheiten mit geringen Betriebskosten. Die zahlreichen und sehr unterschiedlichen Wünsche der Beteiligten lassen sich jedoch nicht unter einen Hut bringen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Preise von professionellen LED-Produkten auf hohem Niveau liegen. Der Hoffnung auf einen massiven Zerfall der Preise aufgrund der stetig steigenden Produktionsmengen stehen die hohen Entwicklungskosten gegenüber, welche die LED-Hersteller erst einmal wieder amortisieren müssen. Die Preise werden erst dann sinken, wenn eine Vielzahl vergleichbarer Produkte auf dem Markt erhältlich ist. Bei professionellen Produkten aus dem High-End-Bereich wird der Preiszerfall wesentlich langsamer erfolgen, da immer die neueste Generation an LED und Komponenten in den Produkten Verwendung findet. Eine Prognose abzugeben, ist sehr schwierig. Somit bleibt abzuwarten, wie sich der Markt entwickeln wird.
 
Vermehrt wird immer wieder angegeben, dass LED-Produkte schon heute wirtschaftlich sein können. Diese Aussage ist – unter Einbezug der Lebenszykluskosten – richtig. Hier macht sich die hohe Lebensdauer von 50 000 Stunden im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt, da in dieser Zeit keine Wartungskosten anfallen. Wenn die betriebliche Lebensdauer (Zeit, in der die Anlage in Betrieb ist) deckungsgleich oder geringer ist als die technische Lebensdauer der Leuchten, rechnet sich der LED-Einsatz schon heute.
Ein Beispiel:
  • Betriebliche Lebensdauer: 5 bis 10 Jahre
  • Betriebszeit der Leuchten:
  • 50 000 / 12 h x 6 Tage x 52 Wochen = 14 Jahre
Die Tendenz, den Lebenszykluskosten mehr Aufmerksamkeit zu schenken, ist sehr positiv zu bewerten. Bei vielen Projekten ist aber festzustellen, dass die Interessen des Investors und des Betreibers nicht deckungsgleich sind. Hier muss der Lichtplaner die wirtschaftlichste Variante aufzeigen und dem Investor die Nachhaltigkeit einer solchen Lösung vermitteln.

Integration in den Planungsprozess

Bei einer sich so rasch verändernden Technologie steht die Lichtplanung vor neuen Herausforderungen. Wie kann ein Produkt spezifiziert werden, wenn sich dessen Leistungsdaten schon vor dem Einbau permanent ändern? Wann ist der richtige Zeitpunkt zur Integration in das Projekt? Gerade bei langfristigen Projekten ist dies nicht immer einfach. Wird bei der Planung zu optimistisch in die Zukunft geschaut und werden Leuchten eingesetzt, die noch gar nicht existieren, laufen die Beteiligten Gefahr, dass die Leuchten zum Zeitpunkt der Realisation noch nicht in der gewünschten Produktreife verfügbar sind. Bei einer zu konservativen Planung kann es geschehen, dass der Zeitpunkt für eine Integration verpasst wird. Bei Fertigstellung kann dann kritisiert werden, dass es sich um eine konventionelle und ggf. sogar veraltete Lösung handelt. Um beiden Szenarien zu entgehen, ist der Planer angehalten, permanent den Markt zu beobachten und sich mit Neuerungen vertraut zu machen. Ziel muss es sein, möglichst rasch Erfahrungen zu sammeln und Vertrauen in die neue Technologie zu gewinnen, denn diese wird sich in einem enormen Tempo weiter entwickeln und in Zukunft schon einen wesentlichen Teil an Beleuchtungslösungen ausmachen. Heute muss sich der Planer zwischen konservativer Strategie und Pioniergeist entscheiden. (Björn Schrader, Senior Lighting Consultant, Amstein + Waltert AG)
 
 

Energiesparlampen

Europäische Informationspflicht tritt in Kraft

Im September 2010 trat die zweite Stufe der EU-Glühlampen-Verordnung in Kraft. Seit diesem Datum verschwinden nicht nur Glühlampen mit 75 Watt schrittweise aus den Regalen, es gibt zudem eine europaweit einheitliche Informationspflicht für Lampen. Damit ist das breite Angebot energieeffizienter Lampen für den Verbraucher transparenter geworden.
 
Die vorgeschriebenen Angaben reichen von der Lebensdauer über die Anlaufzeit bis zum Quecksilbergehalt. Die für den Verbraucher wichtigsten Neuerungen betreffen die Angabe der Lichtleistung und die Bezeichnung «Energiesparlampe» auf den Verpackungen.
 
Die grösste Änderung ist, dass die bisherige Kennzeichnung «Watt» in den Hintergrund tritt und «Lumen» hervorgehoben wird. Die neuen Technologien (Kompaktleuchtstofflampen, Halogen und LED) benötigen für die Lichterzeugung ganz unterschiedliche Leistung, sodass Wattzahlen keine Vergleichskraft mehr besitzen. Lumen gibt die Lichtmenge an, die eine Lampe in alle Richtungen abgibt. Künftig gilt: Je mehr Lumen, desto mehr Licht.
Die Bezeichnung «Energiesparlampe» dürfen nun nur noch Lampen der Energiesparklasse A, also LED-Lampen und Kompaktleuchtstofflampen (CFLi), tragen. Der auf der Verpackung angegebene Wert der Energieeinsparung gegenüber einer Glühlampe muss exakt und nachprüfbar sein. Entspricht eine Lampe nicht der Energieklasse A, beispielsweise Halogenlampen, dann darf auf der Verpackung die prozentuale Energieeinsparung nicht mehr angegeben werden.