Le Corbusiers Werk ist Unesco-Welterbe

Le Corbusiers Werk ist Unesco-Welterbe

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Teaserbild-Quelle: Schwizgebel, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org

Das Welterbekomitee der Unesco hat das architektonische Werk von Le Corbusier als Welterbe anerkannt. Auf der Liste sind nun 17 seiner Werke in sieben Ländern. Aus der Schweiz wurden die Petite Villa au bord du lac Léman in Corseaux VD und das Immeuble Clarté in Genf aufgenommen.

Der internationale Antrag für die Aufnahme der Le-Corbusier-Bauten war zuvor zweimal abgelehnt worden. Bei den jeweils darauffolgenden Korrekturen des Dossiers fielen zwei Schweizer Gebäude von Le Corbusier dem Rotstift zum Opfer: die Villa Schwob und die Maison Blanche, beide in La Chaux-de-Fonds. Ins Welterbe aufgenommen wurden das Mehrfamilienhaus Clarté in Genf und die Villa Le Lac, auch Petite Maison genannt, in Corseaux VD.

Unter den weiteren aufgenommenen Corbusier-Bauten sind das Regierungsgebäude von Chandigarh (Indien), das Nationalmuseum für westliche Kunst in Tokio (Japan), ein Haus in La Plata (Argentinien), La Cité Radieuse in Marseille, das Dominikaner-Kloster von La Tourette bei Lyon und die Villa Savoye bei Paris.

Der Global-Architekt

Das Werk von Le Corbusier sei «ein zentraler Beitrag zur architektonischen Moderne: Zwischen 1910 und 1960 initiierte diese neue Strömung eine globale Debatte zur Aufgabe der Architektur, erfand eine neue architektonische Sprache, modernisierte die Konstruktionsweisen und suchte nach Antworten auf die Bedürfnisse der modernen Gesellschaft», teilte das Bundesamt für Kultur mit. «Le Corbusiers Werk steht für eine innovative Auseinandersetzung mit neuen räumlichen und architektonischen Konzepten und hatte wesentlichen Einfluss auf die Bautätigkeit in weiten Teilen der Welt.»

Von 23 Bauten auf 17 reduziert

Dem Entscheid ging ein längeres Tauziehen voraus: 2008 trug Frankreich 14 Gebäude und Anlagen von Le Corbusier in die französische Tentativliste zur Anmeldung bei der Unesco ein. Dem schlossen sich sechs weitere Mitgliedsstaaten der Unesco an. Neun Werke Le Corbusiers aus Argentinien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Indien, Japan und der Schweiz wurden als Kandidaten nominiert.

2009 entschied das Welterbekomitee, die Behandlung des Dossiers zu verschieben und empfahl eine Überarbeitung bis 2012. Ein erneuter Antrag mit nur noch 19 Bauwerken und Anlagen wurde 2011 eingereicht. Er wurde ebenfalls abgelehnt.

Nach Annahme des revidierten Dossiers gibt es in der Schweiz nun 13 Weltkulturerbe-Stätten. Als letzte erhielten 2011 die Pfahlbauten im Alpenraum sowie 2009 die Uhrmacher-Städte La Chaux-de-Fonds und Le Locle das vor allem für den Tourismus wertvolle Gütesiegel.

Die Erfindung der Maisonette

Die 1930 nach Plänen von Le Corbusier und seinem Cousin Pierre Jeanneret erbaute Clarté ist ein Mietshaus mit 50 Wohnungen, gruppiert um zwei käfigförmige Treppenhäuser. Diese Form des Stahlgerüstbaus war damals im Städtebau noch etwas ganz Neues. Die Struktur erlaubte eine Vielzahl verschiedener Wohnungstypen in ein und demselben Gebäude. Beispielsweise führte Le Corbusier in der Clarté erstmals Duplex-Wohnungen ein, «schwebende Villen» gleichsam.

Die Villa Le Lac in Corseaux VD zählt laut der Vereinigung der Le-Corbusier-Stätten (ASLC) «zu den persönlichsten und innovativsten Werken von Le Corbusier». Auf nur 60 Quadratmetern Fläche sind «auf funktionelle und minimalistische Art» Vorraum, Wohn- und Arbeitszimmer, Schlafraum, ein wandelbares Gästezimmer, Garderobe, Küche, Bad, Toiletten und Heizung integriert. (sda/dpa)