Langfristiges Denken ist wieder eine Tugend

Langfristiges Denken ist wieder eine Tugend

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Teaserbild-Quelle: Max Twerenbold
Informationen zu brennenden Themen und Networking standen im Zentrum der SQS-Tagung für die Baubranche vom September in Zürich. Geschäftsführer Theo Zahner und Jürg Mosimann, Bereichsleiter Bau, boten den Teilnehmern mit hervorragenden Referenten die Plattform dazu.
Max Twerenbold
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Max Twerenbold
Anspruchsvolle Themen standen an

Der schweizweit bekannte Ökonom und Autor Beat Kappeler brachte die Entstehung und die Entwicklung der Finanzkrise und deren Folgen mit einer leicht verständlichen Zusammenfassung auf den Punkt. Und er zeigte mit aller Vorsicht, wohin die Reise gehen könnte. Aufgrund von vorlaufenden Indikatoren kann noch gegen Ende 2009 eine deutliche Erholung – allerdings auf tiefem Niveau – erwartet werden. Dann aber, so Kappeler, sind die Dinge sehr offen, denn die Staatsschulden werden in vielen Ländern drücken. Mit ihrer Industrie, dem Finanzplatz und dem Tourismus ist die Schweiz aber vergleichsweise gut aufgestellt. Kappeler gründet seinen Optimismus auf deutliche Zeichen der Stabilisierung. Beispiele dafür sind die Erholung der Rohstoff- und Energiepreise, die steigenden Indizes des Konsumentenvertrauens, der Einkaufsmanager und der Industrieproduktion, sowie die Erholung der Wertpapiermärkte und der Bankengewinne. Der inländische Bau hat noch immer hohe Umsätze, profitiert von der stark wachsenden Bevölkerung und dem Kaufkraftzugang sowie von weiter laufenden staatlichen und privaten Infrastrukturaufträgen. Die Erhebungen der Konjunkturforschung ETH zeigen überdies eine positive Entwicklung der Geschäftslage von Projektierungsbüros, die ja am Anfang der Wertschöpfungskette stehen. Immerhin sanken die tatsächlichen Bausummen im Wohnungs- und Wirtschaftsbau kräftig. In den nächsten Monaten wird ein deutlicher Rückgang des Auftragseingangs in Bauunternehmen erwartet. Die Lage trübt sich laut Kappeler also eher ein.

Nachhaltigkeit von Immobilien bewerten

Rolf Truniger, Eigentümer der QualiCasa AG, präsentierte mit einer neueren Methode der Universität Zürich der sogenannten ESI-Immobilienbewertung, wie die Nachhaltigkeit von Immobilien praxisnah quantifiziert werden kann. Entscheidend ist gemäss Truniger, sich schon in der Phase der Projektentwicklung mit den Fragen der Nachhaltigkeit zu befassen und die entsprechenden Weichen zu stellen. Klimawandel, steigende Energiepreise und der demografische Wandel beeinflussen im Zeitablauf den Wert von Immobilien. Mit einer nachhaltigen Immobilie ist man in der Lage, mit den Folgen solcher Entwicklungen richtig umzugehen. Mit andern Worten: Das Risiko wird minimiert, aufgrund künftiger Entwicklungen Werteinbussen hinnehmen zu müssen. Durch den Einsatz der ESI-Bewertung und des QualiCasa-Modells wird der Grad der Nachhaltigkeit von Immobilien messbar und transparent. Rolf Truniger sieht den Vorteil darin, dass Nachhaltigkeitsdefizite schon früh erkannt werden und die Gebäude somit zum ökonomisch optimalen Zeitpunkt instand gesetzt werden können.
 
Wertvolle Fingerzeige zum Wettbewerbs- und Kartellrecht gab der Harvardabsolvent Blaise Carron, Rechtsanwalt im Büro Wenger, Plattner. Die einschneidenden Sanktionen im Deliktsfall von bis maximal zehn Prozent des in den letzten drei Jahren erzielten Unternehmensumsatzes und die unbequem direkte Art der Ermittlungsarbeit (Hausdurchsuchung, Beschlagnahmung) raten dazu, solche Fälle tunlichst zu vermeiden. Grundsätzlich kann nach Carron eine wirksame Compliance erzielt werden durch die Ermittlung bestehender Risiken, durch massgeschneiderte Schulung und im Rahmen eines Audits. Der Sanktion unterstehen unter anderem unzulässige Preisabsprachen, Mengenabreden, Gebietsabreden. Zu den Preisabreden zählen zum Beispiel Stützofferten, Mindestpreise, Vereinbarungen über Rabatte, Preiserhöhungen oder Margen, Vereinbarungen über Zahlungsbedingungen und der Informationsaustausch über diesbezüglich sensible Daten.
 
Aus seiner Erfahrung hatte der Referent zahlreiche praktische Tipps parat. Bezüglich Arge riet er, diese nicht zu instrumentalisieren, Transparenz zu gewährleisten, den Verlauf sauber zu dokumentieren. Bei Nichtzustandekommen der Arge soll auf jeglichen Kontakt verzichtet werden. Bei Aktivitäten im Rahmen eines Vereins schlug Carron vor, präzise Traktandenlisten zu verlangen, auf die Besprechung kartellrechtlich sensibler Themen zu verzichten, bei problematischen Diskussionen Einspruch zu erheben und das Protokoll vor der Unterschrift sehr genau anzuschauen. (Max Twerenbold)