Langenthaler Lichtblicke

Langenthaler Lichtblicke

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Teaserbild-Quelle: Foto: zvg
Wie gewohnt avanciert die Metropole im Oberaargau Anfangs November alle zwei Jahre zum Nabel der Design- und Architekturwelt. Die Produktionshallen von ortsansässigen Unternehmen bildeten die Kulisse von Raum- und Möbelinstallationen, die ein grosses Publikum auf eine zeitlose Reise durch kreative Ideenlandschaften entführte.
 
Von Dramatik bis zu Poesie: Am Designers’ Saturday (DS) war Erlebnis angesagt. Zum 13. Mal ging der zweijährlich stattfindende Event über die Bühne. Zum Beispiel bei Création Baumann, wo sich ein scheinbar endloser roter Wurm wie ein gigantisches Meereswesen durch die dunklen Lagerhallen wand. Geheimnisvolle Musik unterstrich die dramatische Stimmung, welche die aneinandergereihten Foscarini-Leuchten «Tess» erzeugten. Ganz anders, fast meditativ war die Stimmung in der alten Halle im City Center, wo tausende von Teebeuteln fein säuberlich aufgereiht von der Decke baumelten. Ein Gebilde wie ein Kronleuchter, ein duftender dazu. Es war das Werk des Design Preis Schweiz.
«Der DS ist etwas ganz anderes als die Messen in Mailand oder Köln», sagt Servio Cavero, Architekt und Kurator des Designers’ Saturday. «Hier ist noch die Authentizität der Fabriken zu spüren und Design wird ganzheitlich gezeigt, von der Idee über den Prozess bis zum fertigen Produkt.» Den Rahmen bildeten die traditionellen Produktionsbetriebe Création Baumann, Girsberger, Glas Trösch, Hector Egger Holzbau, Ruckstuhl sowie das City Center. 71 Firmen, Designer und Schulen zeigten ihre Kompetenz auf ganz unterschiedliche Art. Auch aus der Ideenkiste von Sergio Cavero stammt eine Installation. Für Hector Egger Holzbau hat er einen Dodekaeder entworfen. Der Körper besteht aus zwölf identischen Fünfecken und ist in industrieller Holzbauweise gefertigt. Die Perforation soll den Effekt des Porzellan „Bone China“ imitieren und sei von Seeigeln inspiriert, sagt Cavero über seinen Entwurf.
 
Greutmann Bolzern als doppelte Sieger
Die drei besten Inszenierungen wurden von einer Fachjury prämiert, und auch das Publikum konnte seine Stimme abgeben. Erstaunlicherweise gingen der D’S Award Gold wie auch der Publikumspreis an die Installation des Zürcher Gestalterpaares Greutmann Bolzern. Sie faszinierte und verzauberte die Besucher mit einer Seifenblasen-Installation: 70 geometrische Formen aus Kupferdraht schwebten an Schnüren und tauchten abwechslungsweise in mit Seifenlauge gefüllten Eimer ein. Beim Hochziehen wurde dann die schillernde Haut sichtbar und das Gerüst wurde zur dreidimensionalen Form. «Das ist eine altbekannte Methode im Designprozess», sagt Carmen Greutmann Bolzern. Diese wandte das Studio etwa beim Entwickeln ihres Drahtstuhls, bei dem eine Vielzahl von Drahtmodellen entwickelt wurden, an. Um mögliche Rücken- und Sitzflächen zu definieren, griff das Designerpaar zur Methode mit der Seifenlauge. Neben der praktischen Seite der Installation zeigte sie aber auch auf, dass unzählige Designideen selbst wie Seifenblasen sind und an der Machbarkeit oder auch an der Markttauglichkeit scheitern bzw. platzen. «Wir waren erstaunt und sehr erfreut, dass unsere Idee sowohl die Jury als auch das Publikum begeistert hat», sagt die Gestalterin und erzählt von einem Mädchen, das sie fragte, ob man wohl Würfel aus den eingetauchten Gerüsten in die Luft blasen könne.
Das Experiment spielt eine wichtige Rolle bei der Arbeit des Gestalterpaars. Auch an der renommierten Akademie der bildenden Künste in München, wo das Duo einen Lehrstuhl für Produktdesign hat. So lassen sie ihre Studenten auch mal auf unkonventionelle Art Dinge erforschen und weiterentwickeln. Die Lach- und Sachgeschichten von «Die Sendung mit der Maus» dienten beispielsweise auch schon mal als Inspirationsquelle für die Studierenden. Und als Quelle für das Geheimrezept der Seifenlauge, wie Carmen Greutmann Bolzern schmunzelnd verrät.
www.designerssaturday.ch
 
von Katrin Ambühl und Roland Merz