Lagen die Hängenden Gärten von Babylon in Ninive?

Lagen die Hängenden Gärten von Babylon in Ninive?

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Schon vor 2200 Jahren wurde von den Hängenden Gärten als einem der Weltwunder berichtet. Lokalisiert werden sie in Babylon als Teil einer Palastanlage. Nun gibt es eine neue Theorie der englischen Forscherin Stephanie Dalley, die das Vorbild der Hängenden Gärten nicht in Babylon sondern im assyrischen Ninive vermutet - mit einleuchtenden Argumenten.
 
 
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So stellte man sich im 19. Jahrhundert die Hängenden Gärten vor.
 
Die Hängenden Gärten von Babylon gehören zu den sieben antiken Weltwundern. Beschrieben wurden sie schon vor Christi Geburt, meist von Gelehrten und Dichtern, die sie selber nie gesehen hatten. Erbaut wurden sie, der Legende nach vom babylonischen König Nebukadnezar II für seine Geliebte Amytis.

Glaubhafte Konstruktions-Beschreibungen

Schon vor über 2000 Jahren wurde die Konstruktion anschaulich und glaubhaft beschrieben. So sollen sie ein Quadrat von 120 Metern Seitenlänge gebildet haben, dessen Mauern und Säulen aus Brandziegeln erbaut worden seien. Die stufenförmige Anlage umfasste Böden aus einer Lage von mit Asphalt gedecktem Rohr, darüber eine Lage aus gebrannten, in Gipsmörtel eingelegten Ziegeln, die wiederum abgedeckt wurden mit Bleiplatten. Darauf wurde der Humus für die Bepflanzung aufgebracht.
 
Wenn auch immer wieder bei archäologischen Grabungen im alten Babylon engagierte Forscher gewisse Bauresten als Hinweise auf solche Gärten gedeutet haben, gab es nie den "stichhaltigen" Beweis dafür, dass die Hängenden Gärten wirklich existiert haben.
 
Forscherin und Altsprachlerin Stephanie Dalley vom Orientalischen Institut der Oxford University hatte schon vor 20 Jahren die Meinung vertreten, dass diese Gartenanlage nicht in Babylon entstanden sind sondern im weit entfernten assyrischen Niniveh im heutigen Irak. Nun legt sie mit Ihrem Buch "The Mystery of the Hanging Garden of Babylon"sozusagen die Beweise auf den Tisch.

Realität aber nicht in Babylon

Der assyrische Herrscher Sanherib (745 v.Chr. - 680 v.Chr.) liess für seine Frau Tašmetun-Šarrat Palastgärten in Ninive erbauen. Von diesen existiert im königlichen Palast ein heute noch bestehendes Flachrelief. Es zeigt ein Gewölbe mit Säulen, auf dem Bäume wachsen. Stephanie Dalley verglich diese Darstellung mit antiken schriftlichen Aufzeichnungen der Hängenden Gärten, die diese exakt nach dem Flachrelief beschreiben.
 
Sanherib, der 689 v.Chr. die Stadt Babylon erobert hatte, nahm diese Stadt sozusagen zum Vorbild für den prächtigen Ausbau seiner assyrischen Hauptstadt Ninive, das sozusagen zu einem zweiten Babylon wurde. Vorstellbar ist für Dalley nun, dass die Palastgärten Ninives auf Grund dieser Entwicklungen in der Folge mit Babylon in Verbindung gebracht wurde. Stephanie Dalley sieht sich auch durch die landschaftliche Situation bestätigt. Das Gebiet um Babylon ist flach, wüstenähnlich und hatte im Rahmen der technischen Möglichkeiten vor über 2000 Jahren nicht die Kapazität den Wasserbedarf von Hängenden Gärten, wie sie beschrieben wurden, zu decken. Anders verhält es sich mit der Gegend um Ninive, das in der Antike nachweislich durch leistungsfähige Aquädukte erschlossen wurde. Aus antiken Texten weiss man, dass 331 v. Chr. Alexander der Grosse sein Heerlager vor der Schlacht gegen die Perser unter einem Aquädukt vor Ninive, das laut Dalley der Versorgung der Hängenden Gärten diente, aufgeschlagen hatte.
 
Sollten die Thesen von Stephanie Dalley zutreffen, müsste die Geschichte der sieben antiken Weltwunder teilweise neu geschrieben werden. Irgendwie erinnert sie etwas an die Geschichte von Troja. Das Troja der griechischen Sagen wurde ebenfalls lange Zeit im Reich der Legenden angesiedelt, bis Schliemann, der Überlieferungen der Antike für glaubwürdig genug hielt, sich auf die Suche nach Troja machte und es auch fand. (mai)