LafargeHolcim: Schwacher Start ins 2016

LafargeHolcim: Schwacher Start ins 2016

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Der Zementkonzern LafargeHolcim hat das laufende Jahr eher enttäuschend begonnen: Die Erstquartalszahlen fielen durchwegs tiefer aus als erwartet. Konzernchef Eric Olsen bemühte sich daher vor den Medien darzulegen, dass die Zeichen nach oben zeigten.

Wie Olsen im Rahmen einer Telefonkonferenz erklärte, sind die Zementpreise in den letzten Monaten wieder gestiegen. Dies nachdem sie vergangenen Herbst in manchen Märkten, etwa  Nigeria oder Indien, markant gesunken waren. Die tieferen Preise hatten die Einnahmen des Zementkonzerns geschmälert.

In zwei Dritteln der Märkte habe man im ersten Quartal dieses Jahres höhere Preise erzielt als im letzten Quartal des Vorjahres, teilte LafargeHolcim mit. Den Stand von vor einem Jahr haben die Preise aber noch nicht wieder erreicht.

Entsprechend ernüchternd fallen die Quartalszahlen im Vergleich zu denjenigen von vor einem Jahr aus: Der Zementriese schreibt einen Verlust von 47 Millionen Franken. Im Vorjahresquartal hatte unter dem Strich - auch aufgrund ausserordentlicher Einnahmen - noch ein Gewinn von 275 Millionen Franken gestanden. Der Umsatz sank um rund 6 Prozent auf 6,06 Milliarden Franken - obwohl der Konzern mehr Zement und mehr Transportbeton verkauft hat. Einzig die Verkäufe von Zuschlagstoffen gingen zurück.

Erstes Quartal für Olsen nicht repräsentativ

Konzernchef Olsen, der von der französischen Lafarge kam und seit der Fusion vergangenen Sommer im Amt ist, sprach denn auch von einer "soliden Nachfrage". Er betonte, dass das erste Quartal nicht repräsentativ sei für die Leistung im Gesamtjahr. Die Periode von Januar bis März sei traditionell die schwächste im ganzen Jahr. "Sie können nicht das erste Quartal mal vier rechnen und so auf das Gesamtjahr schliessen", sagte Olsen. Dies auch deshalb nicht, weil sich der jüngste Anstieg der Zementpreise noch nicht wirklich in den Erstquartalszahlen spiegle.

Tatsächlich sind die operativen Zahlen  enttäuschend: Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) sank um rund 16 Prozent auf 774 Millionen Franken. Werden Fusions-, Restrukturierungs- und Einmalkosten ausgeklammert, fällt der Rückgang mit einem Minus von 22 Prozent noch höher aus.

 "Kein CEO möchte einen 22-prozentigen-Rückgang beim EBITDA im Quartalsvergleich ausweisen", so Olsen. Für das Gesamtjahr prognostiziert der Konzernchef jedoch noch immer ein Wachstum des Betriebsgewinns. Im gesamten Jahr würden sich die steigenden Preise in den Resultaten niederschlagen, sagte Olsen. Zugute kommen dem Konzern die derzeitig tiefen Energiepreise. Zementproduktion ist energieintensiv. Entsprechend führen die tieferen Preise zu markant tieferen Kosten. Die Energiekosten seien aber nicht nur wegen der tieferen Preise geringer ausgefallen, sagte Olsen, sondern auch aufgrund von Synergien. Langsam kommen diese Synergien-Einsparungen - sie haben  sich aus der Fusion der Schweizer Holcim und der französischen Lafarge ergeben - langsam zum Tragen. Im ersten Quartal betrugen sie 104 Millionen Franken. Im Gesamtjahr sollen es 450 Millionen sein.

Konzern fokussiert sich auf Synergien

Der Konzern fokussiere sich voll und ganz auf die Schaffung von Synergien, sagte Olsen. Derzeit sitzt LafargeHolcim noch immer auf gewaltigen Überkapazitäten. Zahlreiche Geschäftsbereiche sollen deshalb verkauft werden. Insgesamt rechnet das Unternehmen im laufenden Jahr mit Verkaufserlösen von 3,5 Milliarden Franken. Ein Drittel dieser Verkäufe sei bereits erzielt worden, sagte Olsen. Und in den kommenden zwei oder drei Monaten dürfte es weitere Fortschritte geben. 2017 will Olsen weitere Unternehmensteile veräussern, die seiner Einschätzung nach allerdings weniger einbringen dürften als im laufenden Jahr.

An der Börse kamen die vorgelegten Zahlen nicht gut an: Bis 10.20 Uhr sank der Aktienkurs um rund 3,3 Prozent. Analysten hatten bessere Zahlen erwartet. Der Analyst der Zürcher Kantonalbank sagte, auch im Vergleich zu den internationalen Konkurrenten sei das erste Quartal operativ schwach ausgefallen. (sda/mai)