Längster Eisenbahntunnel der Welt ist auf Kurs

Längster Eisenbahntunnel der Welt ist auf Kurs

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Zwei Jahre bevor der erste Zug durch den neuen Gotthard-Basistunnel fährt, sind die SBB mit den Vorbereitungsarbeiten auf Kurs. Bis Ende 2016 pro Stunde und Richtung bis zu fünf Güter- und zwei Personenzüge durch den 57 Kilometer langen Tunnel fahren können, ist allerdings noch einiges zu tun. Beispielsweise stehen 25 Bauprojekte an.

Die SBB erachten die Inbetriebnahme des längsten Eisenbahntunnels der Welt am 11. Dezember 2016 als den „wichtigsten Meilenstein zur erneuerten Nord-/Südachse Gotthard. Bis dahin stehe aber noch viel Arbeit an, heisst es in einer Mitteilung. Diese Arbeiten laufen in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verkehr, der Alp Transit Gotthard AG sowie den Kantonen Uri und Tessin. So werden rund 3900 Mitarbeiter der SBB, von Drittbahnen und kantonalen Rettungskräften in den nächsten zwei Jahren geschult. Parallel dazu entstünden in Erstfeld und Biasca zwei neue Erhaltungs- und Interventionszentren. Rund 300 Mitarbeiter – inklusive 120 neu geschaffenen Stellen – werden von dort aus für Unterhalt und Störungsbehebung verantwortlich sein. Wie das Bahnunternehmen weiter schreibt, werden diesen Arbeitern 31 neue Erhaltungsfahrzeuge und zwei neue Lösch- und Rettungszüge zur Verfügung stehen. Mitte nächstes Jahr werde zudem das neue elektronische Stellwerk Altendorf in Betrieb gehen. Ende Oktober nächsten Jahres folgt dann die Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks auf der südseite in Pollegio.

25 Bauprojekte

Die volle Leistungsfähigkeit erreicht die erneuerte Nord-/Südachse Gotthard 2020 nach Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels (2019) und des geplanten 4-Meter-Korridors, für den 20 Tunnels auf der Basislinie so angepasst werden, dass Sattelauflieger mit vier Metern Höhe auf Bahnwagen transportiert werden können. Auf der Zulaufstrecke, so die SBB, werden bis dahin rund 25 Bauprojekte realisiert – beispielsweise Zugersee Ost, Sanierung Axenseegleis oder Knoten Bellinzona sowie zahlreiche Tunnelbauten im Tessin.

Die zeitliche und räumliche Ballung sei eine grosse Herausforderung für die Fahrplanstabilität. Mit zahlreichen Massnahmen in den Bereichen Rollmaterial, Bau und Betrieb werde die SBB die Auswirkungen für die Kunden bis zum Abschluss der Bauprojekte so gering wie möglich halten.

Zuverlässiger für Güterverkehr

Für den Güterverkehr ermöglicht der neue Eisenbahntunnel mehr und schnellere Verbindungen. Die Züge sollen zudem zuverlässiger und für die Kunden planbarer fahren, weil witterungsbedingte Streckenunterbrüche laut SBB grösstenteils ausgeschlossen werden könnten.

Ein Viertel des heutigen Güterverkehrs ist nicht Transitverkehr, sondern endet im Tessin. Der Tunnel bringe neue Marktchancen. Mehrere tägliche Zustellungen und Abholungen an den grossen Standorten im Tessin würden möglich. Am Vortag geerntetes Obst und Gemüse aus dem Tessin und aus Norditalien beispielsweise könne bereits frühmorgens auch in Westschweizer Filialen angeliefert werden. Die neue Eisenbahnstrecke ermöglicht auch längere (bis zu 750 Meter) und schwerere (bis zu 2500 Tonnen) Züge.

Schneller ins Tessin

Im Personenverkehr werden den Reisenden mehr Verbindungen, deutliche kürzere Reisezeiten und modernere Züge zur Verfügung stehen. Die Fahrt von Zürich nach Lugano auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke soll ab 2020 weniger als zwei Stunden dauern, von Mailand nach Zürich weniger als drei Stunden. Zudem soll die Direktverbindung von Zürich nach Venedig wieder eingeführt werden. Die Verbesserungen werden schrittweise eingeführt, bis zur Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels gilt vorübergehend ein Baustellenfahrplan mit reduziertem Fahrzeitgewinn.

Die SBB erwarten mit dem neuen Tunnel im Personenverkehr eine Verdoppelung der Nachfrage auf der Nord-Süd-Achse. Heute fahren täglich rund 9000 Passagiere über den Gotthard. Bis 2020 dürften es 15'000 sein. (pd/sda/mt)