Kunstlicht und Lichtkunst

Kunstlicht und Lichtkunst

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Teaserbild-Quelle: Foto: Herbert Zimmermann
Er rückt Räume ins rechte Licht und befasst sich seit 20 Jahren mit dem Thema Lichtplanung und Leuchten-design. Christian Deubers Arbeiten schlagen einen Bogen zwischen anspruchsvoller Technik, reduzierter Gestaltung und poetischer Ausstrahlung.
 
In einem Innenhof am Rande der Luzerner Altstadt liegt das Atelier von Christian Deuber. Es ist Werkstatt, Büro und Ideenlabor in einem. Papiermodelle, Prototypen und Materialmuster stapeln sich zu einem geordneten Chaos. Ein Röhrengebilde aus Ketten hängt von der Decke. Das Industriematerial bildet die Basis für Leuchten, die Deuber für eine Kirche entwickelt. «Mit LED bestückt, glitzern die einzelnen Kettenglieder», kommentiert der Gestalter. Ein gutes Beispiel für seine Arbeitsweise: Er nimmt ein rohes Material, bringt es in eine schlichte Form und lässt es in Kombination mit dem passenden Leuchmittel erstrahlen und zaubert so einen Hauch Poesie in den Raum.
Zum Beispiel im Altersheim Untersiggenthal, für das Christian Deuber das Beleuchtungskonzept ausgearbeitet hat. Das Ziel war, zweckmässige Beleuchtung mit wohnlichem Ambiente zu verbinden. Zusammen mit dem Designer Jörg Boner entwickelte er Pendelleuchten, die die Form von klassischen Stofflampenschirmen aufnehmen. Nur verwendeten sie kein Textil, sondern Blechlamellen. Daraus entwickelten die Gestalter ein Metallplissee, das leuchtet wie Stoff. Die vertraute Form sei gut angekommen bei den Bewohnern, sagt Deuber. Mittlerweile ist die Neuinterpretation des klassischen Lampenschirms nicht nur im Altersheim Untersiggenthal zu sehen. Aus der Sonderanfertigung entwickelten die Designer nämlich das Serienprodukt nan17, das vom Schweizer Label Nanoo produziert wird.
«Leuchten müssen funktional, aber auch beseelt sein», sagt der Luzerner. Ein Ansatz, dem er seit Langem folgt und den er konsequent umsetzt mit seinem Label Lichtprojekte, das er 1997 ins Leben gerufen hat. Produziert werden Ideen, Entwürfe und Konzepte, die er für Architekturaufträge oder Ausstellungen entwickelt hat. Die Einzelteile werden bei lokalen Firmen, teilweise in geschützten Werkstätten, seriell hergestellt und im Atelier von Christian Deuber montiert und verpackt. «Ich will nicht nur Designer und Lichtplaner sein, sondern auch entwickeln und produzieren», sagt der Gestalter. Neben den Objekten für das eigene Label entwirft er auch Leuchten für diverse Schweizer und internationale Hersteller.
Das Wirkungsfeld des Lichtprofis umfasst die drei Bereiche Planung, Leuchtendesign und eigene Kollektion. Der Beruf des Lichtplaners ist jung, das Themenfeld aber breit und komplex. Denn in den letzten Jahren sind viele neue Technologien und Produkte hinzugekommen und auch die Energieeffizienz spielt eine immer wichtigere Rolle. Doch der Lichtplaner soll nicht nur Techniker sein: «Er muss die Sprache vom Elektroplaner und vom Architekten verstehen», betont Deuber, der selbst ausgebildeter Elektrotechniker ist. Bei allen Projekten drehen sich die Fragen um technische Aspekte, um Energieeffizienz und um gestalterische Themen. Jeder Auftrag hat klare Rahmenbedingungen: Wieviel Lux wird benötigt? Welche Vorschriften gelten? Welches Ambiente soll erzeugt werden? Die Lösungen sind sehr unterschiedlich, aber eines bleibt sich gleich: Lichtmenge und Lichtstimmung müssen optimal sein. «Es kommt immer eine Kombination von verschiedenen Lichtqualitäten zum Einsatz», erklärt Deuber. Denn diese macht schliesslich die Stimmung im Raum aus. «Das ist wie im Wohnraum, wo eine Kerze mit der Grundbeleuchtung kombiniert wird und so eine funktionale, aber auch stimmungsvolle Beleuchtung entsteht.» Folglich werden Halogen, Energiesparlampen, LED oder Gasentladungslampen unterschiedlich kombiniert, und genau dies ist die grosse Kunst. Eine ebenso grosse Herausforderung ist es, ein Lichtprojekt zu präsentieren. «Visualisierungen sind immer verfänglich, wenn es um Lichtstimmungen geht», sagt der Gestalter, der weitgehend auf dieses Mittel verzichtet. Stattdessen arbeitet er mit Lichtplanungsprogrammen, Modellen, Prototypen oder Tests. Gemeinsam mit den Architekten testet Deuber auf der Baustelle, wie sich ein Objekt im Raum verhält oder wie die Lichtfarben in einer Umgebung wirken. Die Zusammenarbeit mit Architekten vergleicht er mit einem Pingpong-Spiel: Der Lichtgestalter lässt sich auf die Ideen und Visionen für einen Raum ein, bringt selbst eigene Ideen ein und gemeinsam entsteht dann das Endprodukt. «Die Leuchten sollen Teil der ¬Architektur werden», so Deuber.
Nicht für jeden Auftrag werden indessen eigene Objekte entwickelt. Oftmals kommen auch Standardprodukte zum Einsatz. Zum Beispiel die Leuchte «Tube» im Bürogebäude Axpo in Baden. Es ist ein Produkt, das der Gestalter ursprünglich für den renommierten italienischen Hersteller Pallucco Italia entworfen hat. Weil sich die Firma aber neu positionierte und sich ausschliesslich auf den Wohnbereich konzentrierte, wurde die Objektleuchte aus dem Programm genommen. Der Gestalter produziert die Leuchten seither in Eigenregie und passt sie bei Bedarf auch an. So der Fall in der neuen Universität Luzern, für die Sphinx in Luzern die Lichtplanung gemacht hat. Weil die Proportionen des Serienmodells für diese Räume nicht optimal waren, wurden grössere Acrylglasrohre ¬verwendet. In kleinen Gruppen kombiniert, bilden sie in der Uni nüchterne, aber wirkungsstarke architektonische Lichtelemente im Raum.
Ein aktuelles Projekt des Luzerners ist die Lichtplanung für das Hamam im Patumbah Park Zürich, das von Miller + Maranta entworfen wurde. Im Dialog mit Bauherrin und Architekten sucht der Luzerner Lösungen, die dem Ort, der Architektur und der Auftraggeberin gerecht werden. Er setzt unter anderem Leuchter ein, die er mit der Innenarchitektin Gabi Faeh und dem Künstler Thomas Blank eigens für das Hamam entwickelt hat. Die mundgeblasenen Glasobjekte werden mit LED bestückt. Es sind schlichte Glanzlichter im Raum; technisch raffinierte und formal einfache Objekte, die Ruhe ausstrahlen und selbsterklärend sind. Das ist es, was der Designer sucht in seinen Arbeiten, die «Poesie des Einfachen».
 
von Katrin Ambühl