Kugelige Metropolen für die Einöde

Kugelige Metropolen für die Einöde

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Zwischen 2050 und 2070 dürfte die Weltbevölkerung auf neun Milliarden Menschen angewachsen und Platz zum kostbaren Gut geworden sein. Der britische Produktdesigner Richard Harries hat eine Lösung für die dräuenden Raumprobleme: Pop-Up-Städte aus kugelförmigen Häusern – sogenannten Ekinoiden – auf bislang unbesiedeltem Terrain.
 
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Richard Harries' Ekinoid ist vorerst eine Vision.
 
Dem Wind und dem Wetter an ihren künftigen unwirtlichen Standorten sollen Harries’ Häuser Dank ihrer runden Form trotzen können. „Ich habe eine sphärische Hülle konzipiert, weil diese die Möglichkeit eröffnet, bei grosser Tragkraft und Integrität sehr leicht zu sein“, sagt Harries, der auf 27 Jahre Berufserfahrung als Produktdesigner zurückblickt. Noch immer existiere die Wahrnehmung, dass es sehr aufwendig und teuer sei, komplexe Biegungen in Gebäuden zu verbauen. „Das war vielleicht in den 70er Jahren noch begründbar, doch 2012, mit vielen neuerfundenen Materialien und Verarbeitungsprozessen, sollten wir einen zweiten Blick auf diese Form werfen“, ist Harries überzeugt.
 
Von den Häusern wurden bereits Modelle in Kupfer, Ton und als Metallrahmengestell angefertigt, um verschiedene Konstruktionsvarianten und die jeweiligen Eigenschaften der Materialien zu testen. Mit einem Durchmesser von etwa 9,75 Metern, einer Oberfläche von 358 Quadratmetern soll ein „Ekinoid“ im Inneren auf drei Etagen über eine Wohnfläche von 139 Quadratmetern verfügen. Hinzu kommen laut ihrem Erfinder noch einmal bis zu 100 Quadratmeter an möglicher Lagerfläche. Das Gewicht seiner Wohnkugeln soll unter 20 Tonnen liegen. Die Stromversorgung plant Harries über Vertikalachsen-Windturbinen und Dünnfilm-Solarpanels zu gewährleisten. Parallel dazu soll ein Hydrokultursystem die Grundversorgung mit Gemüse sicherstellen.

Wohnraum für 10'000 Menschen in sechs Monaten

Laut Harries lässt sich eine Stadt für 10’000 Menschen innerhalb eines halben Jahres errichten aus solchen Kugelhäusern. Bei seinem Projekt will er auf ein Arbeitskonzept zurückgreifen, das wegen seines Lerneffekts und seines geringen Bedarfs an Fachkräften praktisch überall einsetzbar sein soll: Der Bau einer Wohnkugel soll von vier Personen, davon drei Ungeschulten, mithilfe eines Krans in nur einer Woche bewerkstelligt werden können. Detaillierte Anleitungen in schriftlicher und verfilmter Form bilden die Grundlage dafür, dass eine Community ihre Stadt langfristig selbst weiterentwickeln kann. Harries sieht vor, alle Daten und Baupläne unter Creative-Commons-Lizenz bereitzustellen.
 
Obwohl das Projekt noch in einer sehr frühen Phase steckt, gibt es bereits eine erste Kostenschätzung: Harries hat errechnet, dass eine komplette Konstruktion mit rund 50’000 Britischen Pfund zu Buche schlägt. Bei der Erschliesssung von Flächen auf bisher unbewohnbarem Gebiet hofft er auf finanzielle Hilfe von Regierungen und Unternehmen, weil er hier den grössten Kostenfaktor vermutet. „Mit solchen Vereinbarungen und bei diesem Errichtungspreis würde es sicherlich grosses Interesse aus der Öffentlichkeit geben“, ist der Visionär überzeugt. Zurzeit sucht er Kooperationspartner und Geldgeber. Danach könnten erste Versuche in der Praxis stattfinden. (mai/mgt)