Kritik am Lignum-Label für Schweizer Holz

Kritik am Lignum-Label für Schweizer Holz

Gefäss: 

Der "Tages-Anzeiger" kritisiert das "Herkunftszeichen Schweizer Holz" (HSH) von Lignum. Bei Pellets, Span- und Faserplatten müssten nur 60 Prozent des verwendeten Holzes aus der Schweiz stammen. Lignum bestätigt die Ausnahme, betont aber, dass auch bei diesen Ausnahmeprodukten fast 80 Prozent inländisches Holz verwendet wird. Das Label HSH sei immer noch das beste, ist der Dachverband der Schweizer Wald- und Holzwirtschafüberzeugt.

Die Kritik der Tageszeitung ist heftig. "Schummelholz mit Swissness-Siegel" titelt der "Tages-Anzeiger" plakativ und enthüllt, dass, wenn ein Produkt aus mehreren Hölzern zusammengesetzt ist, ein Teil auch ausländischer Herkunft sein kann und trotzdem das HSH erhält. 

Konkret geht es um die Produkte Holzpellets sowie Span- und Faserplatten. Dort reicht ein Anteil von 60 Prozent Schweizer Holz bereits aus, um das HSH zu erlangen. Das klingt wahrhaftig nicht sehr schweizerisch, zumal in der Diskussion um das Swissness-Gesetz gegenwärtig klare und strenge Regeln für Schweizer Produkte gefordert werden.

Auf der Website von Lignum sei bis vor kurzem ein allgemeiner Wert von 80 Prozent einheimischem Holz als "alltagstaugliche Definition" des HSH vermerkt gewesen, so Michael Meuter von Lignum gegenüber dem "Tages-Anzeiger". In der Realität variiert der Anteil aber von 100 Prozent für Rundholz bis zu den erwähnten 60 Prozent als Ausnahme für die drei Industrieprodukte. Nun wurde die Formulierung offenbar angepasst, von den ominösen 60 Prozent steht aber immer noch nichts auf der Website.

HSH oder FSC?

Skeptisch gegenüber HSH ist auch der WWF Schweiz: Das HSH-Label erbringe den Nachweis einer ökologisch und sozial verträglichen Waldbewirtschaftung nicht, sagt WWF-Sprecherin Corina Gyssler gegenüber dem "Tages-Anzeiger". Man solle besser jenes Holz fördern, das diesen Ansprüchen tatsächlich gerecht werde, gerne auch solches aus der Schweiz. Sie meint damit Holz mit dem Label FSC. Der "Forest Stewardship Council" ist ein Verein, dem Umweltverbände (darunter auch der WWF) angehören, ebenso Vertreter der Waldwirtschaft, Unternehmen und Sozialverbände.

Doch auch dieses Label ist in der Kritik. So hat etwa die österreichische Schweighofer-Gruppe jüngst das FSC-Gütesiegel verloren, weil sie in Rumänien am illegalen Einschlag und Handel von illegalem Holz beteiligt gewesen war.

Lignum: "HSH schärfer als die geltenden Swissness-Anforderungen"

Lignum reagiert in einer Mitteilung prompt und weist die Kritik am HSH als unberechtigt zurück. "Der 'Tages-Anzeiger' bewirtschaftet mit seinem Vorwurf, es seien bis zu 40 Prozent ausländisches Holz in Produkten erlaubt, die es tragen, die sprichwörtliche Ausnahme von der Regel." Der Verband ist überzeugt: "Die Vorschriften des Herkunftszeichens Schweizer Holz für die drei Industrieprodukte sind sogar schärfer als die geltenden Swissness-Anforderungen." Pellets, Span- und Faserplatten würden trotz der tiefer gelegten Latte dennoch annähernd einen Anteil von 80 Prozent Inlandholz erreichen, wenn sie das Label tragen

Lignum stört sich daran, "dass der „Tages-Anzeiger“ mit seiner Invektive gegen das Herkunftszeichen Schweizer Holz offene Werbung für das FSC-Label betreibt, dem in der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft die Nutzer davonlaufen". Das habe seinen Grund: Die Anforderungen, die es stelle, seien angesichts der Schweizer Realität umfassender Nachhaltigkeit im Wald in mancher Hinsicht als reiner Kontrollwahn zu qualifizieren. (aes)