Kreuzgang Museum zu Allerheiligen: Konserviert für die Zukunft

Kreuzgang Museum zu Allerheiligen: Konserviert für die Zukunft

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Teaserbild-Quelle: Alle Bilder: Claudia Bertoldi

Für Laien sind die zahlreichen Schäden im grössten Kreuzgang der Schweiz beim Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen kaum sichtbar. Doch eine umfassende Sanierung ist dringend nötig. Bis in den Herbst sind die Spezialisten noch am Werk. Dies zeigt unsere Bilderstrecke.


Im Ostflügel des Kreuzgangs der ehemaligen Klosteranlage herrscht erholsame Ruhe. Ab und zu queren Passanten die kühlen Laubengänge und von nebenan ist Kinderlachen aus dem Klostergarten zu hören. Ein grosser Plan ist auf dem Boden ausgebreitet, daneben liegen einige Werkzeuge. Ruhig, fast unbemerkt arbeitet jemand im Durchgang zum Garten.

Auf den Zeichnungen ist der komplette Kreuzgang detailliert dargestellt. Farbig angelegte Stellen auf den Mauern stechen ins Auge. Sie bilden die Basis für die laufenden Konservierungsarbeiten. Seit April haben die Steinrestauratoren Jürg und Edi Stäheli ihren Arbeitsplatz in die Klosteranlage zu Allerheiligen verlegt. Vater und Sohn sanieren gemeinsam die Natursteinelemente im gesamten Kreuzgang. Es ist noch zeitiger Nachmittag. Seit dem Morgen kommt Edi Stäheli Zentimeter um Zentimeter am Torbogen vorwärts. Manchmal kniend, dann gebeugt oder über Kopf muss gearbeitet werden. Es ist eine körperlich schwere Arbeit, die gleichzeitig extremes Feingefühl und Präzision erfordert.

Mit einer schmalen Lanzette, ähnlich einem Skalpell, werden die oberen, losen Schichten des Sandsteins abgehoben. Manchmal sind es Zehntelmillimeter, dann auch dickere Schichten, die vom Stein abbröseln. So wenig wie möglich greift der Fachmann in die intakte Struktur des Materials ein. «Die Oberfläche ist das Wertvollste eines jeden Bauwerks und Details. Deshalb versuchen wir, möglichst viel zu erhalten», betont Edi Stäheli. Behutsam streicht er mit einer weichen Bürste über die bearbeiteten Stellen. Der erste Schritt für die Konservierung ist getan. Viel weitere sind noch nötig, um den Kreuzgang für kommende Jahrhunderte erhalten zu können.

Anlage unter Bundesschutz

Das Schaffhauser Münster zählt zu den ursprünglichsten romanischen Kirchenbau der Schweiz. Die angeschlossene einstige Benediktinerabtei Allerheiligen ist eine der wenigen gut erhaltenen romanischen Klosteranlagen des Landes. Der dazugehörige grösste Kreuzgang der Schweiz wurde im 12. und 13. Jahrhundert teils im romanischen und teils gotischen Stil errichtet. Bereits im 15. Jahrhundert wurde er erstmals teilerneuert. Auch später kam es zu Veränderungen und bauliche Eingriffen. Von der ursprünglichen Bausubstanz aus dem 12. Jahrhundert sind daher nur noch wenige Bestandteile erhalten. Die letzten grossen Renovationen wurden um 1910, ausserdem von 1962 bis 1966 sowie um 1980 durchgeführt. Nach einem halben Jahrhundert ist es jetzt notwendig, die durch Verwitterung, Abnützungen und Beschädigungen angegriffenen Oberflächen zu konservieren und zu restaurieren.

Edi Stäheli ist gelernte Steinbildhauer und Steinrestaurator. Gemeinsam mit seinem Vater führt er das kleine Familienunternehmen. Als im vergangenen Jahr die Arbeiten am Kreuzgang auf Einladung ausgeschrieben wurden, bewarben sie sich mit vorhandenen Erfahrungen und Referenzen. „Die Ausschreibung war Firmen aus der Region Schaffhausen auf Einladung  vorbehalten. Es gibt nicht sehr viele auf diesem Gebiet spezialisierte Unternehmen. Alle arbeiten auf hohem Niveau, schlussendlich konnte uns Vater und Sohn Stäheli durch ihre Referenzen und Erfahrungen überzeugen“, erklärt Projektleiter Thomas Hess vom Hochbauamt Schaffhausen. Innerhalb dieses Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen werden, zu denen neben der Konservierung der Sandsteinelemente und Putzflächen im Sockelbereich auch die äusseren Wandflächen zum Kreuzgarten farblich erneuert werden müssen. Diese Arbeiten wird ein weiterer Fachbetrieb nach Fertigstellung der Konservierungsarbeiten ausführen. Erste Farbmuster wurden bereits erstellt. (cb)

Den  gesamten Artikel lesen Sie in der aktuellen usgabe des Baublatts Nr. 35 vom 2. September 2016.

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