Konstrukte ohne Einsturzgefahr

Konstrukte ohne Einsturzgefahr

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Wer baut, geht auch Risiken ein – und diese lassen sich versichern. Eine viel beachtete Tagung zum Thema Baurechtsversicherungen bot Baufachleuten einen für Versicherungslaien nachvollziehbaren Überblick über die diversen Formen der Risikoabsicherung.

Vom Gerüstunfall über den Nervenzusammenbruch des lärmgeplagten Nachbars bis hin zu den leidigen Schwindrissen, Wasserlecks und Setzungen des fertigen Bauwerks: Die versicherbaren Risiken beim Bauen sind mannigfaltig. Eines haben sie indessen fast alle gemeinsam – bei den meisten Schadenfällen geht es um sehr viel Geld. Entsprechend sorgfältig sollte deshalb nicht nur gebaut, sondern auch der Abschluss von Versicherungen vorgenommen werden.

Die Versicherungsgruppe Axa Winterthur hat im KKL Luzern zu einer Vortragsreihe über Bauversicherungen eingeladen, die auf grosses Interesse gestossen ist. Über 300 Ingenieure, Architekten, Unternehmer, Bauherren und Behördenvertreter liessen sich die Angebotspalette der Versicherer präsentieren und erläutern. Dabei wurde durchaus auch auf «Kleingedrucktes» hingewiesen. Der Werbeveranstaltung konnte denn auch ein gewisser Dienstleistungscharakter attestiert werden: Sie bot dem Versicherungslaien einen an Fallbeispielen nachvollziehbaren Überblick über Bauversicherungen.

Die Tagung wurde in fünf Themenbereiche beziehungsweise fünf Versicherungstypen gegliedert, die jeweils durch zwei Referate umrissen wurden:
  • Berufshaftpflichtversicherung (für Architekten, Ingenieure und Planer)
  • Betriebshaftpflichtversicherung (für Unternehmer und Lieferanten)
  • Bauherrenhaftpflicht-Versicherung (für Baugrundstückseigentümer)
  • Bauwesen-Versicherung (für mehrere Beteiligte eines einzelnen Projekts)
  • Baugarantie-Versicherung (für Unternehmer)

Während die Haftungs- und Deckungsbereiche der ersten drei Typen auf einzelne Berufsgruppen oder auf die an einem Bauprojekt beteiligten Parteien zugeschnitten sind, ist die Bauwesenversicherung ein der Praxis angepasstes, auf ein spezifisches Projekt zugeschnittenes Instrument. Eine seiner Hauptfunktionen ist die Gewährleistung, dass ein Bauprojekt bei einem Schadenfall nicht bis zu dessen juristischer Klärung zum Stillstand kommt (Bevorschussung bei haftpflichtversicherter Haftung von Baubeteiligten). Zudem spielen die (richtig abgeschlossenen) Bauwesenversicherungen auch bei grossen, unvorhergesehenen Unfällen auf einer Baustelle eine wichtige Rolle.

In vielen Fällen umfasst der Versicherungsschutz auch Rechtsschutz, also die Schadenbehandlung durch die Versicherung. Die Erfahrung und die Kompetenz einer Versicherung bei bautechnischen und baurechtlichen Rechtsfragen werden deshalb zu einem entscheidenden Qualitätskriterium, mit dem sich die Veranstalterin der Tagung selbstverständlich gut ausweisen konnte. (Valentin Rabitsch)

Info

Die Stichworte zu den einzelnen Referaten sind auf https://news.axa-winterthur.ch/tagung-baurecht09 abrufbar: Sie bieten einen groben Einblick in Theorie und Praxis von Bauversicherungen. Die aufschlussreichen, in den Tagungsunterlagen abgedruckten Auszüge der Allgemeinen Vertragsbedingungen einzelner Versicherungstypen fehlen allerdings bei den downloadbaren Dokumenten. Dennoch gehen aus Letzteren ein paar besonders heikle, an der Tagung angesprochene Punkte hervor. So empfiehlt es sich etwa, dem Begriff «Vermögensschäden» besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Und bei komplexen Projektstrukturen mit Total-, General- und Subunternehmern liegt es nahe, dass auch die Deckungs- und Haftungsbereiche von Bauversicherungen komplex werden und entsprechend sorgfältig abgeschlossen werden sollten. (vr)