Konjunkturentwicklung: Wie weiter nach dem Brexit?

Konjunkturentwicklung: Wie weiter nach dem Brexit?

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Die vor dem Brexit veröffentlichte Metaanalyse des Beratungsunternehmens Fahrländer Partner zeichnet insgesamt ein positives Bild einer Schweizer Wirtschaft, die den Frankenschock mehrheitlich zu überwinden scheint. Nach vergangenem Donnerstag dürfte nun einiges in der Schwebe sein.

Die aktuellste  Metaanalyse Konjunktur des Beratungsunternehmens Fahrländer Partner umfasst die Erkenntnisse aller relevanten Indikatoren und Prognose-Institute der Schweiz (SECO, KOF, CS, UBS, Créa, BAK). Aus den Prognosen der einzelner Institute wird ein mittlerer Prognosewert errechnet, der einen breit abgestützten mittleren Prognosewert ergibt. Bis am Donnerstag, 23. Juni, zeigte die Metaanalyse insgesamt das positive Bild einer Schweizer Wirtschaft, die den Frankenschock  mehrheitlich zu überwinden schien. 

Macht nun der Brexit und der damit verbundene Druck auf den Schweizerfranken und auf die Gesamtwirtschaft diese Prognosen zur Makulatur? Angesichts der allgemeinen Verwirrung über dieses doch von den meisten nicht erwartete Ereignis ist es wohl noch zu früh, konkrete oder ins Detail gehende Schlüsse zu ziehen. Sicher ist nur, dass das Umfeld nicht einfacher wird, vor allem angesichts eines verstärkten Aufwärtsdrucks für den Franken. Trotzdem folgt der optimistische Vor-Brexit-Ausblick wie ihn die Metaanalyse von Fahrländer Partner zeigt.

Die mittlere BIP-Prognose rechnet mit einem Wachstum von +1,2% im  2016 und +1,6% im 2017. Der KOF-Konjunkturbarometer zeigte sich im Mai mit einem Zählerstand von 102,9 wenig verändert (April 102,6). Gemäss SECO dürfte die CH-Wirtschaft im Jahresdurchschnitt um +1,4% wachsen, im 2017 sogar um+1,8%.  Die KOF-Sicht ist da etwas zurückhaltender mit +1,0% BIP-Wachstum im 2016 und +1,9% im 2017. Weiterhin aufgehellt zeigt sich die Stimmung bei Konsumenten und Detailhändlern. Die Arbeitslosen-Rate dürfte für das Gesamtjahr etwa bei 3,5% liegen und die Teuerung bleibt auch 2016 im Minusbereich (-0,6%), bevor sie allenfalls im kommenden Jahr leicht in den Plusbereich gleitet. 

SämtlicherInstitute prognostizieren beim Aussenhandel weitere Steigerungen bei den Exporten von +2,9% für 2016 und von +4,1% für 2017. Bei den Importen werden + 3,5% im 2016 und +4,0% für 2017 prognostiziert. 

Die von Fahrländer Partner errechneten durchschnittlichen Prognosen für den Privatkonsum liegen bei +1,2% für 2016 und 2017. Auch die Medianwerte für den öffentlichen Konsum liegen bei +1,3% für 2016 und 2017.

Die Teuerungsrate sehen die Prognose-Institute auch im laufenden Jahr im Minusbereich mit einem Medianwert von –0,6%. Der für 2017 errechnete Medianwert von +0,1% erscheint angesichts vieler Unwägbarkeiten noch kaum als sicherer Wert.    

Der Mittelwert aller Prognosen für die Ausrüstungsinvestitionenbeträgt lässt für dieses Jahr  ein Plus von 1,4% und von 1,9% für 2017 erwarten. 

Bauwirtschaft

Bei den Bauinvestitionen werden minimale Zuwächse erwartet mit +0,4% im laufenden Jahr und +1,1% für 2017.  Der Bauindex der Credit Suisse und des Schweizer Baumeisterverbands (SBV)  registriert für das 2. Quartal 2016 eine klare Aufwärtsbewegung. Die erwarteten saisonbereinigten Umsätze des Bauhauptgewerbes liegen mit +4,2% über dem Vorquartal. Vor allem der Tiefbau mit einem Plus von 6,8% profitiert von grösseren Auftragseingängen. Mit einem Plus von +1,7% gegenüber dem Vorquartal spiegelt der Hochbau eine stärker werdenden Nachfrage im Mietwohnungsbau und die immer noch zahlreichen Aufträgen der öffentlichen Hand. Rückläufig zeigt sich nach wie vor der Wirtschaftsbau auf Grund einer verstärkten Digitalisierung und des zunehmenden Offshorings unter anderem auch auf Grund der Verteuerung des Produktionsstandortes Schweiz. In den Tourismusgebieten leidet das Baugewerbe ausserdem unter den Auswirkungen des Zweitwohnungsgesetzes. Das (überwundene) Zwischentief des vergangenen Jahres  verlagert sich nun zunehmend zum Ausbaugewerbe (-26%).  (mai/Material SBV & FP)