Kompetenzzentrum im Puschlav für Holzverarbeitung

Kompetenzzentrum im Puschlav für Holzverarbeitung

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Ein knappes Drittel Graubündens ist von Wald bedeckt. Damit weist der Kanton die schweizweit grösste Waldfläche auf. Dennoch mangelt es an Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung von Holz. Ein Programm zur Förderung der Holzwirtschaft und ein Kompetenzzentrum im Puschlav sollen dies ändern.
 
Im Jahr 2011 wurden laut der Dachorganisation der Bündner Holzverbände Graubünden Holz zwar 300'000 Kubikmeter Holz geerntet, aber davon gerade mal 40'000 Kubikmeter im Kanton weiter verarbeitet. Einer der Gründe für diese tiefe Zahl dürfte der Umstand sein, dass die Grosssägerei in Domat-Ems 2010 pleite gegangen ist. Zudem ist Holz aus dem Ausland oft günstiger. Mit dem Programm „Holz futuro 2022“ will Graubünden Holz der Bündner Holzwirtschaft neuen Schub verleihen.
 
Die Ziele des Programms sind ambitioniert: Bis 2022 sollen beim Neubau von Einfamilienhäusern mehr als 30 Prozent der Tragwerke aus Holz gebaut werden – heute sind es 12,8 Prozent. Zudem sollen die zahlreichen kleinen Forstbetriebe zusammengefasst werden, statt wie aktuell 139 sollen es in rund zehn Jahren nur noch 50 sein. Zudem soll bis 2022 die jährliche Stammnutzung von Holz um 80'000 Kubikmeter zunehmen. Zunehmen soll auch die Anzahl qualifizierter Fachkräfte auf allen Stufen der Bündner Holzkette. Verbessern will sich auch die Dachorganisation selbst: Die Beratungstätigkeit und Wissensvermittlung von Graubünden Holz soll in den kommenden neun Jahren umfangreicher werden als heute.

Neue Technologien in der Holzverarbeitung

Umsetzen will Graubünden Holz diese Ziele unter anderem mit einem Holzkompetenz-Zentrum im Puschlav, mit Schwerpunkt auf neuen Technologien in der Holzverarbeitung. Dies berichtete die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) in ihrer heutigen Ausgabe. Neu ist dieses Projekt allerdings nicht, schon vor vier Jahren hatte Poschiavos Gemeindepräsident Alessandro della Vedova die Idee eines solchen Zentrums. Doch nun wird das Zentrum im Rahmen der neuen Regionalpolitik vorangetrieben. Im März vergangenen Jahres die Aktiengesellschaft Centro tecnologico del Lengeo SA gegründet. Laut NZZ beiteiligen sich neben der Region Val Poschiavo und der Höheren Fachhoschschule Südostschweiz (IBW), welche auch die Projektleigung übernommen hat, die italienische Provinz Sondrio, die Region Lombardei sowie mit der SCM Group ein internationaler Hersteller von Holzverarbeitungsmaschinen mit Sitz in Rimini. – Ende Sommer 2014 soll das Zentrum beim Bahnhof von Poschiavo den Betrieb aufnehmen. Wie Paolo Giorgetta vom kantonalen Wirtschaftsamt gegenüber der Zeitung erklärte, besteht ein solches Projekt in der Schweiz noch nicht. Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit könnte hüben wie drüben volkswirtschaftlichen Mehrwert schaffen.  (mai)