Kommt das Smart Home schneller, als wir denken?

Kommt das Smart Home schneller, als wir denken?

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«Smart Home 2030 – wie die Digitalisierung das Bauen & Wohnen verändert» ist eine Trendstudie des GDI und der Raiffeisenbank, die eindrücklich zeigt, dass das intelligente Haus bald für uns normal sein wird, auch wenn wir uns das heute noch nicht vorstellen können.

«Heute weiss man noch nicht viel über das Smart Home», sagt SRF-Moderatorin Katja Stauber an einem Anlass im Gottlieb Duttweiler Institut (GDI), an dem die Trendstudie «Smart Home 2030 – wie die Digitalisierung das Bauen und Wohnen verändert» vorgestellt wurde, die das Institut im Auftrag der Raiffeisenbank erarbeitet hat.

Die meisten Menschen würden heute noch kein Bedürfnis nach einem automatisierten Haus spüren, aber das werde sich wie beim Aufkommen von Smartphone und Tablet schnell ändern, prognostiziert David Bosshart, CEO des GDI, und ergänzt: «Die Digitalisierung hat das Potenzial, das Wohnen komfortabler, sicherer und billiger zu machen». Karin Frick, Zukunftsforscherin und eine der Autorinnen der Studie, sagt: «Wir wissen noch nicht, in welche Richtung die Digitalisierung sich entwickelt, aber sie schreitet sehr schnell voran».

Wohnen 2030 billiger als heute

Laut GDI befinden wir uns bereits mittendrin im Technologieschub. Denn seit einigen Jahren bestimme nicht mehr die Hardware, sondern die Software; und deren Entwicklung verlaufe rasend schnell und exponentiell. Kaum haben wir halbwegs verstanden, dass Häuser via Building Information Modeling (BIM, engl. für Gebäudedatenmodellierung) nun zuerst online komplett geplant werden, bevor man sie baut, dass vielleicht bereits in zehn Jahren die Häuser aus dem 3D-Drucker stammen und durch Roboter rasch und billig errichtet werden, schon arbeiten Wissenschaftler am 4D-Druck. Dieser soll Produkte intelligent und anpassungsfähig machen: Rohre dehnen sich dann erst aus, wenn sie in Kontakt mit Wasser kommen, Möbel bringen sich selbst in Form, und Kleidung passt sich automatisch an den Körper des Trägers an. Das klingt nach Science-Fiction? Mitnichten, meint Bosshart: «Wenn die Software bestimmt, dann begrenzt nur die Phantasie das, was möglich ist».

Dank dieser neuen Entwicklungen soll das Wohnen 2030 auch preiswerter werden. Gleichzeitig soll es nachhaltiger und komfortabler werden. Licht und Heizung schalten sich im Smart Home nur dort an, wo man sich tatsächlich aufhält, der angemeldete Handwerker kann während eines bestimmten Zeitfensters Zugang zu den eigenen vier Wänden erhalten und die Waschmaschine reparieren, ohne dass man selber anwesend sein muss, und man werde seinen Stromüberschuss mit dem Nachbarn teilen.

Berufe und Branchen müssen sich verändern

Die Digitalisierung und der Nachhaltigkeitsgedanke führen schon heute dazu, dass neue Anbieter sich durchsetzen können. Man sieht das schon heute, beispielsweise am Erfolg von Airbnb, einem Online-Vermittlungsservice von Privatzimmern, Wohnungen oder Häusern, der die klassische Hotellerie massiv in Bedrängnis bringt. Oder bei den bereits 15 Millionen Handwerker-Dienstleistungen, die die Plattform Amazon Home Services in den USA bereits heute vermittelt. «Alles, was nicht am Netz hängt, verliert an Bedeutung», so Bosshart. Sicher sei, dass die Karten im Zuge der Digitalisierung neu gemischt würden und dass neue Anbieter und Berufe entstehen und andere verdrängen würden. 40 Prozent aller Branchen seien von dieser Entwicklung betroffen und bedroht.

Einfachheit als Schlüssel

Matchentscheidend für den Erfolg eines jeden kommerziellen, digitalen Produkts sei 2030, dass es einfach zu bedienen sei und man damit lustvoll umgehen könne. Dies gelte auch fürs Smart Home. Apple habe mit dem iPhone vorgemacht, was beim intelligenten Wohnen noch umgesetzt werden müsse. Problematisch sei heute, dass es viele, häufig nicht miteinander kompatible Geräte gebe. Es habe sich noch kein Anbieter durchgesetzt, es gebe noch keine «Killer-App», mit der man das gesamte vernetzte Haus bedienen könne, so der GDI-CEO.

Digitaler, transparenter und komfortabler Lebensstil

«In Zukunft leben wir alle online, wenigstens die meiste Zeit», meint Frick. Convenience (engl. Bequemlichkeit, Komfort) – alles jederzeit erledigen, wo und wie es gerade am allerbesten passt – werde immer mehr zum Standard. Die Digitalisierung wird zum Lebensstil. Bei so viel Flexibilität werde aber auch das «Homing», eine neue Art von «Cocooning», wichtiger. Denn «das Haus von morgen kann hören, sehen, fühlen und denken – und umfasst eine Vielzahl von Funktionen, die das Leben erleichtern und sicherer machen», so die Autoren der Studie Karin Frick und Daniela Teger. Der Rundum-Komfort im Haus sei 2030 wichtiger als die Immobilie an sich. Man könne sich dann alles online ins komplett verkabelte, digitale und trotzdem gemütliche Zuhause liefern lassen, in welchem sich das Licht, die Musik, die Wandfarben und Bilder an die aktuelle Stimmung anpassen. Man werde seinen Energieverbrauch jederzeit überwachen können und ihn mit dem des Nachbarn vergleichen. Das Leben werde wesentlich transparenter und komfortabler, dabei gleichzeitig sicherer, so Bosshart. Gleichzeitig gebe es neue Abhängigkeiten und Bedürfnisse.

Eine Gegenbewegung zur Digitalisierung sei der Trend zur analogen Auszeit. So werde man auch 2030 noch den Drang verspüren, von Zeit zu Zeit offline zu gehen und sich in einer analogen rustikalen Berghütte oder ähnlichem zurückzuziehen. (nge)