Koloss von Züros: Rostiges aus Rostock polarisiert

Koloss von Züros: Rostiges aus Rostock polarisiert

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Teaserbild-Quelle: Bild: albinfo / wikimedia CC
Ob Stadtmarketing, Kunst oder gar Weltwunder: der Zürcher Hafenkran provoziert Zustimmung wie Ablehnung. Am 10. Mai wird der Kran des Anstosses offiziell „freigelegt“.

Der grünlich-rostige Koloss von Züros, der seit acht Tagen die Plattform direkt vor dem Rathauscafé dominiert, hat in Zürich jahrelang eine der kontroversesten Diskussionen der über Sinn und Unsinn der Kultur ausgelöst, die weiter anhalten. GLP, Grüne, AL, SP waren für das Projekt; SVP, SD, FDP, CVP waren dagegen.

Der Kunsthistoriker Philip Ursprung schrieb vor wenigen Tagen auf der Webseite von SRF Kultur, die Stärke des Projekts liege darin, die Frage aufzuwerfen, ob die grösste Stadt der Schweiz „weltoffen oder provinziell sein möchte“, und das „zu einem Zeitpunkt, wo die Schweiz seine Verbindungen zur Welt kappt“. Es fordere dazu auf, Stellung zu beziehen, so Ursprung, der sich einen anderen Standort in Zürich für den Kran gewünscht hätte.

Die sogenannte Freilegung des Hafenkrans wird am 10. Mai in einem Festakt gefeiert. Da das 258'000 Franken teure Kunstprojekt temporär konzipiert wurde, soll das Ungetüm aus Stahl, das aus dem deutschen Ostseehafen Rostock stammt, nach neun Monaten Stück für Stück wieder abgebaut und abtransportiert werden. Für den Künstler Jan Morgenthaler, der „Zürich Transit Maritim“ konzipierte, ist der Hafenkran eine Metapher. Sie erzählt die Geschichte des Meeres, der Sehnsucht und vom kleinen Zürich. Der Transit, das Transitäre ist für ihn dabei massgeblich.

Nicht so die Stadtzürcher Jungsozialisten. Sie petitionieren dafür, den Stahlkoloss nach Ablauf der Frist dauerhaft am Limmatquai zu belassen. In einer Mitteilung kommentieren sie, der Hafenkran breche die Zürcher Bünzligkeit auf und verleihe der Stadt ein "mondänes und urbanes Flair".

Das mag sein. Aber kann man das Transitäre in einen Status Quo verwandeln? Lewin Lempert glaubt das. Das Vorstandsmitglied der Juso Stadt Zürich zieht argumentativ seine Parallelen zum Eiffelturm in Paris. Viele waren seinerzeit auch dagegen, und „der Turm war ebenfalls nur als temporäres Objekt geplant.“ Heute sei er weltweit der Inbegriff von Paris. Der Hafenkran sei deshalb prädestiniert, ein Wahrzeichen von Zürich zu werden.

Die SVP sieht in der Juso-Petition zwar eine spassige Aktion, betrachtet den Koloss von Züros jedoch keinesfalls als Weltwunder. Ihre Initiative "Hafenkräne-Nein" will sogar verhindern, dass sich solch ein Kunstprojekt in der Altstadt jemals wiederholt. Sie fordert, einen Artikel in der Bau- und Zonenordnung zu verankern, der in allen Kernzonen der Stadt Zürich "keine weitere Hafeninfrastruktur" erlaubt.

Die Stadt kann derzeit keinen Dauerparkplatz für das stählerne Ungetüm in der guten Stube von Zürich gewähren - bei aller aktiver Unterstützung für das temporäre Projekt. Laut Angaben des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements läuft im Januar die Bewilligung aus. Eine allfällige Verlängerung bedürfe dann einer neuen Bewilligung.(tw)