KOF-Baublatt-Indikator: Markante Schrumpfung Anfang 2010

KOF-Baublatt-Indikator: Markante Schrumpfung Anfang 2010

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: baublatt/KOF
Die jüngsten Werte des KOF-«baublatt»-Indikators deuten auf einen Rückgang in der Baubranche hin. Der Wohnbau wird bis zum Ende des laufenden Jahres ein positives nominelles Vorjahreswachstum aufweisen.
 
Im ersten Quartal 2010 muss jedoch mit einem deutlichen Rückgang gerechnet werden. Die gesamten Bauinvestitionen stagnieren bis zum Jahresende. Im ersten Quartal 2010 ist eine markante Schrumpfung zu erwarten, der entsprechende Indikator fällt auf das Niveau von Ende 2004 zurück. Die gesamten Bauinvestitionen sinken saisonbereinigt auf unter elf Milliarden Franken, wovon der Wohnbau nach wie vor mehr als
die Hälfte beiträgt. Der Abschwung ist im Wirtschaftsbau am ausgeprägtesten, was angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftslage keine Überraschung darstellt.
 
Da sich die beiden KOF-«baublatt»-Indikatoren auf die nominellen Bauinvestitionen beziehen, muss die Preisentwicklung mitberücksichtigt werden, um das damit verbundene Bauvolumen abzuschätzen. In der Grafik «Baupreise» ist daher die vom Bundesamt für Statistik (BfS) halbjährlich erhobene Preisentwicklung für Hochbauinvestitionen im Vergleich zum Vorjahr sowie der von der KOF im Rahmen ihrer regelmässigen Umfrage
in der Bauwirtschaft erhobene Saldo der Preiserwartungen für das laufende Quartal im Hochbau abgetragen. Mit Hilfe dieser Zusatzinformationen lässt sich das zu erwartende Bauinvestitionsvolumen für den Wohnbau beziehungsweise für die gesamten Hochbauinvestitionen ableiten.
 
Aus den aktuellsten Zahlen des BfS für die erste Jahreshälfte ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang der Baupreise von 5,6 Prozent. Aus den KOF-Umfragen im Bausektor geht hervor, dass die Mehrheit der Firmen in den kommenden Monaten von weiter sinkenden Preisen ausgeht. Diese Entwicklung hat sich im letzten Quartal
noch verstärkt.
 
[[Infobox]] 

Hintergrund

Obwohl die Bauwirtschaft nur gut fünf Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung beiträgt, machen die Bauinvestitionen etwa zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts aus. Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass auch die Vorleistungen zu einem erheblichen Teil aus dem Inland bezogen werden. Der Importanteil an den Bauinvestitionen ist somit vergleichsweise gering. Entsprechend dürften sich Änderungen in den Bauinvestitionen in höherem Ausmass als Schwankungen in anderen konjunkturreagiblen Branchen auf die restliche Wirtschaft übertragen. Voraussagen für die Bauinvestitionen sind darum nicht nur von Akteuren in der Baubranche und in den Zulieferbranchen, sondern auch allgemein von grossem Interesse.
 
 
Durch den Umstand, dass die meisten Bauvorhaben von einer staatlichen Bewilligung abhängen, liegt es nahe, Informationen über eingereichte Baugesuche und erteilte Baubewilligungen für die Vorhersage der zu erwartenden Bauinvestitionen zu nutzen. Die KOF hat daher die vom «baublatt» erhobenen Informationen über die Baugesuche und -bewilligungen ausgewertet und im Hinblick auf ihre Prognoseeigenschaften für die Bauinvestitionen untersucht. Auf Basis der Baubewilligungen hat die KOF zwei Indikatoren entwickelt, welche eine Voraussage über die zu erwartenden nominellen Investitionen im Wohnbau sowie für die Hochbauinvestitionen insgesamt in den nachfolgenden acht Monaten erlauben.
 
 
Diese beiden KOF-«baublatt»-Indikatoren werden viermal im Jahr publiziert und zeigen die zu erwartenden Investitionsausgaben in Millionen Franken sowie die Vorjahresveränderungsraten an. Die Indikatoren beziehen sich auf die nominalen Bauinvestitionen, weil die Angaben in den Gesuchen und Bewilligungen zu den geplanten Baukosten zu laufenden Preisen gemacht werden. Wegen der unterschiedlichen Saisonalität der Baubewilligungen und der Bautätigkeit werden die Niveauangaben einer Saisonbereinigung unterzogen. Zu beachten ist, dass die hier vorliegenden Indikatoren implizit eine konstante Realisierungsquote der bewilligten Bauinvestitionsvorhaben unterstellen. Diese Annahme wird künftig zu überprüfen sein.