Klosterkirche: Der schützende Mantel der Madonna leuchtet wieder

Klosterkirche: Der schützende Mantel der Madonna leuchtet wieder

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Teaserbild-Quelle: Kloster Disentis

In Disentis haben die Fachleute die erste Etappe der Restaurierung der Klosterkirche St. Martin bald abgeschlossen. Die Arbeiten an der stark beschädigten Südfassade mussten notfallmässig um ein Jahr vorgezogen werden. Das 300-jährige «Schutzmantelmadonna-Fresko» präsentiert sich nun in neuem Glanz – inklusive Porträt des aktuellen Abts.

Das zehn Meter breite und vier Meter hohe Fresko der Schutzmantelmadonna am Giebel der barocken Martinskirche des Klosters Disentis war das grösste Sorgenkind von Architekt Matthias Schmid und der zuständigen Restauratorin Sylvia Fontana. Hinter dem über 300-jährigen Bild hatten sich Hohlstellen gebildet, Teile des Freskos hatten sich von der Fassade gelöst. «Aufgrund der starken Verwitterung war die beschützte Menschengruppe zudem fast nicht mehr erkennbar gewesen», erzählt Fontana.

Im Laufe der Restaurierungsarbeiten entschieden sich die Verantwortlichen, das Bild der Schutzmantelmadonna dort zu restaurieren, wo noch genügend Details sichtbar waren und dort zu rekonstruieren, wo «Leerstellen» auftraten. So seien beispielsweise die Gesichter des Abtes und sechs weiterer Geistlicher nicht mehr erkennbar gewesen. «Unsere Lösung war es, Abt Vigeli und sechs seiner Mitbrüder für die Neu-Zeichnung der Gesichter zu porträtieren», erläutert Fontana. Und so finden sich nun der aktuelle Abt und seine Benediktiner für hoffentlich weitere 300 Jahre im Schutzmantel-Fresko …

Nach der Restaurierung zeigt sich das Fresko wieder in neuem Glanz: Wer genau hinschaut, entdeckt den aktuellen Abt Vigeli Monn (Dritter von links), der ergänzt wurden.
Quelle: 
Kloster Disentis

Lange Vorgeschichte

Bereits im Jahr 2007 fanden erste Vorstudien zur damals schon notwendigen Restaurierung der Disentiser Klosterkirche statt. «Doch dann kam ein Moratorium vom Bund, dass keine Gebäude mehr finanziell unterstützt werden. Daraufhin haben wir das Projekt stoppen müssen, weil die Finanzierung nicht möglich gewesen wäre», sagt Abt Vigeli Monn.

Vor zwei Jahren wurde das Restaurierungsprojekt dann zur Notmassnahme. Putzteile fielen von der Südfassade herab – ein Sicherungsgerüst war zu stellen, um Mönche und Besucher zu schützen. «Es war klar, jetzt müssen wir es wieder in Angriff nehmen, sonst gibt es unwiederbringliche Schäden», erzählt der Abt. Es war der Startschuss für intensive Bemühungen, die benötigen 15 Millionen Franken für die Restaurierung der Klosterkirche zusammenzubringen. Mit Hilfe eines breit abgestützten Patronatskomitees, und dank tatkräftiger Unterstützung der Denkmalpflege Graubünden gelang es, in nur zwei Jahren 11,8 Millionen für die Finanzierung der Restaurierung zu sichern.

Von den Behörden als Notmassnahme eingestuft, empfahl der Kanton Graubünden, die Restaurierung der Südfassade ein Jahr vorzuziehen. Kanton und Bund beteiligten sich gemeinsam mit 0,8 am insgesamt 3,2 Millionen Franken teuren Projekt «Südfassade». Im Frühjahr 2016 starteten die Arbeiten an der Südfassade der Klosterkirche mit der Ergänzung des Schutzgerüsts. Die Arbeiten umfassten die Ausbesserung des Verputzes sowie die Restaurierung und teilweise Rekonstruktion der Fresken. (pd/gd)

Filmtipp: Auf dem Youtube-Kanal des Baublatts finden Sie spannende Impressionen zu den Restaurierungsarbeiten im Kloster Disentis.