Kleininvestoren zahlen Kolumbiens höchstes Haus

Kleininvestoren zahlen Kolumbiens höchstes Haus

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Teaserbild-Quelle: zvg
Der höchste Wolkenkratzer ihres Landes wird von den Kolumbianern über Crowdfunding finanziert und kommt in Bogotà zu stehen. Seine Kosten belaufen sich auf umgerechnet rund 240 Millionen Dollar. BD Bacatà wird 260 Meter hoch und soll 2014 bezugsbereit sein.
 
 
 
Der 66 Stockwerke hohe BD Bacatà in Bogotà soll beispielhaft für eine neue Art der Stadtplanung sein, bei der sich die breite Bevölkerung an der Gestaltung beteiligt. Denn normalerweise werden Grossprojekte wie dieses von mächtigen Investoren geschultert, weil die benötigten Summen entsprechend sind. Von den 240 Millionen Dollar – oder vielmehr den umgerechnet 233 Millionen Franken – die BD Bacatà kosten wird, stehen noch 100 Millionen Dollar aus. Sie sollen in den kommenden zwei Jahren gesammelt werden.
 
Zur Finanzierung wurden sogenannte FiDi-Papiere aufgelegt, die den Käufern einen Anteil am Gebäude und den damit erwirtschafteten Gewinnen garantieren. Über 3’000 Kleinanleger sind schon dabei und haben insgesamt 145 Millionen Dollar an Kapital zur Verfügung gestellt. „Über viele Kleininvestoren können enorme Summen zusammenkommen. Würde jeder Kolumbianer zehn Euro zahlen, wären schon 460 Millionen Euro verfügbar“, erläutert Unternehmensberater Gerhard A. Kluge gegenüber dem Newsservice Pressetext. Allerdings sei es schwierig, die Menschen zum Mitmachen zu motivieren. Investoren wollten belohnt werden. In diesem Fall sei aber der Stolz ein wichtiger Faktor. Mit einem Prestige-Objekt könne gezeigt werden, wozu Kolumbien fähig ist. Zudem werde Bogotà aufgewertet, was ein direkter Anreiz sei. „Profit spielt sicher auch eine Rolle, allerdings sollten die Initiatoren hier vorsichtig sein und keine unrealistischen Erwartungen befördern“, sagt Kluge.
 
Die FiDi-Papiere wurden den potenziellen Investoren mit einer gross angelegten Medien- und Informationskampagne schmackhaft gemacht. Immer wird betont, dass Käufer tatsächlich ein Stück des Gebäudes erstehen und nicht irgendein abstraktes Papier. So sollen die vielzitierten „99 Prozent“ ein Mitspracherecht in der Gestaltung ihrer Städte erhalten und selbst Verantwortung für eine bessere Zukunft übernehmen. Gleichzeitig locken die möglichen Renditen neue Käufer an. Der grosse Zuspruch für das Projekt hat bereits dazu geführt, dass weitere Grossprojekte, die nach demselben Schema finanziert werden sollen, in Planung sind. (mai/mgt)