Kein Provisorium für Berner Frauenklinik

Kein Provisorium für Berner Frauenklinik

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Nun steht fest, wie die Instandsetzung der Frauenklinik des Berner Inselspitals von statten gehen soll: Das ursprünglich geplante, temporäre Ersatzgebäude, in welches die Frauenklinik während der Sanierungsarbeiten hätte zügeln sollen, wird nicht gebaut. Stattdessen zieht man den Bau des neuen Organzentrums vor.

Im Jahr 2002 war die neue Berner Frauenklinik in Betrieb gegangen. Fünf Jahre später entdeckte man an ihrer Tragkonstruktion Schäden: Der Hauptträger der Südfassade hatte sich um fünf Prozent verdreht. „Die Fassade hätte man so nicht bauen dürfen“, sagte damals Bernhard Leu, der als Direktor Betrieb am Inselspital amtete, vor den Medien.  2009 stoppte man die Verformungen mit „Sofortmassnahmen“. Seither wird das mit Baumängeln behaftete Gebäude laufend überwacht. Der Grund für diese Probleme lag wohl darin, dass man beim Bau der Klinik neue Wege beschritten hatte: Als Haupttragelemente der Geschossdecken dienen die Fassaden sowie die Treppenhäuser und Liftschächte. Hinzu kommt noch, dass die Frauenklinik auch nicht erdbebensicher ist.

Gekostet hat der Bau rund 125 Millionen Franken. Für seine Sanierung müssen noch einmal 36 Millionen Franken aufgeworfen werden, davon werden 13,5 Millionen in die mangelhafte Südfassade investiert. Fast der ganze restliche Betrag fliesst in die Finanzierung der Übergangslösung. Das heisst: Während der Sanierung des Gebäudes wird die Frauenklinik ausgelagert. Möglich macht dies nicht wie ursprünglich vorgesehen ein Provisorium, das aus Landschaftsschutzgründen wieder hätte abgerissen werden müssen, sondern das neue Organzentrum, dessen Bau vorgezogen und bereits kommenden Frühling aufgenommen wird. Dieses soll 2018 bezugsbereit sein.

Der Zeitgewinn im Vergleich zum Provisoriumsprojekt wäre laut Mitteilung des Inselspitals gering gewesen. Hinzu käme, dass während der Reparaturarbeiten nur die Funktionsräume im Ersatzgebäude hätten untergebracht werden können, heisst es weiter. Damit hätte die Mehrheit der Patientinnen weiterhin in der sanierungsbedürftigen Frauenklinik bleiben müssen. Überdies hat sich die Statik des Klinik seit 2009 nicht mehr verändert. Der Vortrieb am neuen unterirdischen Logistikkanal wird während der Sanierung ausgesetzt, spätestens bis die Arbeiten an der Südfassade beendet sind. Damit werde das Risiko vermindert, dass im Extremfall äussere Faktoren die Statik der Klinik beeinträchtigten, teilt das Spital mit. 

Wer genau für die Finanzierung aufkommt ist noch nicht ganz klar. Dies berichtete die Berner Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe. Werde der Bauherr, der seinerzeit immerhin als Bauherr für die Frauenklinik verantwortlich gewesen sei, eine Teil der Kosten übernehmen, fragt die BZ. Wie der VR-Präsident des Inselspitals, Joseph Rohrer, gegenüber der Zeitung erklärt, ist der Kanton dazu rechtlich nicht verpflichtet. Aber eine gewisse moralische Verpflichtung bestünde durchaus. Das Inselspital werde in diesem Zusammenhang ein formelles Gesuch einreichen, sobald die Kosten feststünden. (mai)