Kein Loch im Chestenberg

Kein Loch im Chestenberg

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Die SBB und das Bundesamt für Verkehr (BAV) lassen die Pläne für den Bau des Chestenberg-Tunnels bei Lenzburg AG fallen. Stattdessen soll die Kapazität des Bahnverkehrs zwischen Zürich und Aarau mit einer direkten Linienführung erhöht werden.

Kernpunkt der neuen Variante ist ein 30 Kilometer langer Tunnel zur Querung des Reusstals. Diese Lösung schneide betrieblich und wirtschaftlich besser ab als der bisher favorisierte Chestenberg-Tunnel, teilen BAV und SBB mit. Zudem hätte man für die Variante mit Chestenberg- und anschliessendem Honeret-Tunnel für den Anschluss im Raum Gruemet ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung queren müssen. Weiter habe sich gezeigt, dass ein Chestenberg-Tunnel den Raum Lenzburg nicht wie erhofft vom Güterverkehr entlasten könnte.

Nun werden die SBB im Auftrag des BAV die genaue Linienführung, die bauliche Machbarkeit und die Kosten für die direkte Verbindung Aarau-Zürich-Altstetten abklären.

Der Zeitpunkt für die Realisierung ist laut Mitteilung noch offen. Der Entscheid werde im Rahmen der ordentlichen Planung des Bahninfrastruktur-Ausbaus gefällt. Das Parlament legt jeweils alle vier bis fünf Jahre die nächsten Ausbauschritte fest.

Vorab will der Bund die Kapazitäten auf der Strecke zwischen Aarau und Zürich mit kleineren Massnahmen ausbauen, wie es im Communiqué weiter heisst. Im Rahmen des bereits beschlossenen Ausbauschritts 2025 würden eine Verbindungslinie zwischen Birr und Mägenwil sowie eine Erweiterung des Bahnhofs Mägenwil realisiert. „Diese Ausbauten erlauben die Einführung des Halbstundentakts für die S-Bahn, ohne dass dabei der Güterverkehr verdrängt wird.“

Die beiden Kantone Zürich und Aargau sind über den Variantenentscheid informiert worden. Letzterer hat ihn „mit Genugtuung“ zur Kenntnis genommen, wie das Baudepartement schreibt. Man wolle die Detailergebnisse prüfen, sobald sie vorlägen. Mit dieser Neubaustrecke dürfe aber nicht nur die Reisezeit zwischen Zürich und Bern verkürzt werden; gleichzeitig müsse auch die Anbindung der Aargauer Städte verbessert werden.

Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) des Kantons Aargau findet es ebenfalls gut, dass die wirtschaftlich bessere Lösung gewählt worden sei – wenn dadurch auch ein Nutzen für den Bahnverkehr im Aargau gesichert sei. Das BVU verlangt ausserdem, dass der Bau der Direktverbindung in den Ausbauschritt 2030 aufgenommen wird, der im Jahr 2018 dem eidgenössischen Parlament vorgelegt wird.

Mit der nun vorgeschlagenen Variante bleibt laut BVU die Frage zur künftigen Führung des Güterverkehrs auf der Ost-West-Achse noch ungelöst. In diesem Bereich müsse aufgezeigt werden, wie die Siedlungsgebiete vom Güterverkehr entlastet werden könnte. (sda/pd/mt)