Kein Klanghaus fürs Toggenburg

Kein Klanghaus fürs Toggenburg

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Teaserbild-Quelle: zvg

Das Projekt für ein Klanghaus Toggenburg ist am Dienstag im St. Galler Kantonsrat in der Schlussabstimmung gescheitert. Das für einen Kantonsbeitrag von 19 Millionen Franken notwendige qualifizierte Mehr von 61 Stimmen wurde nicht erreicht.

Der Beratung im Kantonsrat ging eine längere Planungsphase voraus. Nach den Entscheiden im Parlament war bereits eine Volksabstimmung geplant. Dazu kommt es nun nicht mehr.

In der ersten Lesung in der Novembersession war der Kantonsrat auf den Baubeitrag von 19 Millionen Franken mit 77 Ja zu 30 Nein bei vier Enthaltungen eingetreten. Ähnlich deutlich war die Zustimmung in der zweiten Lesung am Montagnachmittag in der Februarsession.

Voten vor der Schlussabstimmung

Vor der Schlussabstimmung am gestrigen Abend hatte ein Sprecher der SVP erklärt, dass die Fraktion grossmehrheitlich aus finanziellen Gründen gegen das Projekt sei. Mit dem gleichen Argument sprach sich danach auch der Sprecher der BDP/GLP- Fraktion gegen den Kantonsbeitrag aus, gefolgt vom Sprecher einer Minderheit der CVP-EVP-Fraktion.

Regierungsrat Martin Klöti betonte, dass das Projekt eine 20 Jahre lange Vorgeschichte habe und dass dem Beitrag in erster und zweiter Lesung deutlich zugestimmt worden sei. Eine Ablehnung in der Schlussabstimmung bedeute "einen Affront" für das Toggenburg, für den Kanton und für die Kulturpolitik, erklärte er.

Notwendiges Mehr nicht erreicht

Für die Zustimmung wäre eine qualifizierte Mehrheit von 61 der 120 möglichen Stimmen nötig gewesen. Erreicht wurden aber nur 56 Ja-Stimmen. 43 Kantonsräte sprachen sich dagegen aus, sechs enthielten sich der Stimme. Mit diesem Abstimmungsresultat ist das Projekt für ein Klanghaus im Toggenburg vorläufig gescheitert. Eine im Herbst 2016 vorgesehene Volksabstimmung findet nun nicht mehr statt.

Schockierte IG

Die Befürworter des Projekts – namentlich die extra zu diesem Zweck im Juli 2013 gegründete IG Klanghaus mit inzwischen über 1200 Mitgliedern – sind „schockiert und überrascht“ über das Scheitern des Klanghauses, wie sie auf ihrer Website schreiben. Bitter erscheine vor allem, dass nach einer deutlichen Zustimmung in der ersten und zweiten Lesung bei der Schlussabstimmung 15 Kantonsratsmitglieder abwesend gewesen seien.

Das Klanghaus am Schwendiseee oberhalb von Unterwasser SG sollte mit einer einzigartigen Akustik zum musikalischen und architektonischen Zentrum für Naturtonmusik werden. Geplant war eine integrale Holzkonstruktion auf einem massiven Untergeschoss aus Beton. Die Fassade des zweigeschossigen Gebäudes wäre vollständig mit Holzschindeln aus heimischer Fichte und Lärche eingekleidet worden. Die Geometrie der Räume hätte mittels Krümmungen und Schrägstellungen die Präferierung einzelner Tonhöhen durch gleiche Resonanzen verhindern sollen. Das Projekt stammt aus der Feder der Meili & Peter Architekten AG aus Zürich. (sda/mt)