Kartause Ittingen: Das Ende von 12‘000 kunstvollen Holzscheitern

Kartause Ittingen: Das Ende von 12‘000 kunstvollen Holzscheitern

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Teaserbild-Quelle: Kunstmuseum Thurgau

Für zweieinhalb Jahre war der „Scheiterturm“ Teil der Kartause Ittingen. Doch nun läuft dessen Abbau vor dem Eingangstor des Kunstmuseums Thurgau. Aus der preisgekrönten, extravaganten Scheiterbeige des Künstlers Tadashi Kawamata wird wieder Brennholz.

Er wurde zum Publikumsliebling und erhielt den diesjährigen „Prix Lignum“ in der Kategorie „Laubholz“: der neun Meter hohe „Scheiterturm / Log Tower“ von Tadashi Kawamata bei der Kartause Ittingen. Der japanische Künstler hatte im März 2013 das Kunstprojekt für den Aussenraum des ehemaligen Klosters und heutigen Sitzes des Kunstmuseums Thurgau entwickelt. Die Holzernte des Winters 2012/2013 aus den Wäldern rund um die Kartause Ittingen sollte zu einem Turm gestapelt werden – anstatt wie üblich zu Scheiterbeigen.

Statisch anspruchsvoller Turmbau

Die vermeintlich einfache Idee des in Paris lebenden Künstlers erwies sich in der Umsetzung als komplexes Vorhaben. 170 Ster respektive 100 Tonnen Hartholz mussten so gestapelt werden, dass während der Trocknungsdauer – die beim Holz mit einem Volumenverlust einhergeht – keine statischen Probleme auftraten. Der Basler Architekt und Bauleiter Christophe Scheidegger löste diese planerische Aufgabe zusammen mit Holzbauingenieur Markus Zimmermann aus Rafz. Der Turm sollte eine Neigung nach innen aufweisen und alle zwei Meter eine stabilisierende Stahlplatte erhalten. Im März 2013 realisierte Kawamata seinen „Scheiterturm“ in zwei Wochen gemeinsam mit 14 Studierenden der Pariser „Ecole des Beaux-Arts“ und Mitarbeitern des Kunstmuseums Thurgau, des Ittinger Museums sowie des Heim- und Werkbetriebs in der Kartause.

Was bleibt, ist Wärme

In diesen Tagen wird der wohl einzigartige „Scheiterturm“ abgebaut, der aus 12‘000 Holzscheitern besteht. Tadashi Kawamata liess es sich am 17. Oktober nicht nehmen, dass erste Scheit höchstpersönlich von der Spitze des Turms hinunter zu werfen. Eine Hebebühne hatte den Künstler hierfür extra in Position gehievt. Aus Kunst wird beim Abbau wieder Brennholz – und zwar Scheit um Scheit, wie dies das künstlerische Konzept von Anfang an vorsah. Der „Scheiterturm“ sollte gemäss Kawamata kein Monument mit Ewigkeitsanspruch sein, sondern sich als vorübergehendes Ereignis dem Verwertungskreislauf unterordnen. Den japanischen Pragmatiker freut es, dass sein Kunstprojekt als Brennholz noch an vielen Orten für Wärme sorgen wird. (gd)