Karl der Grosse, Baumeister Europas

Karl der Grosse, Baumeister Europas

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Karl der Grosse (748 bis 814) war der erste europäische Kaiser nach der Römerzeit und hat Europa erstmals geeint, in vielen Lebensbereichen reformiert und auf Jahrhunderte hinaus beeinflusst. Mit den Pfalzanlagen liess er die ersten monumentalen Steinbauten nördlich der Alpen errichten, als Herrensitze eines Herrschers, der immer auf Reisen war. Ihm widmet das Landesmuseum eine spannende Ausstellung.
 
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Das Benediktinerkloster in Müstair geht auf Karl den Grossen zurück.
 
Anlass für die Ausstellung „Karl der Grosse und die Schweiz“ ist der 1200ste Todestag Karls des Grossen, im 2014. Gegen 200 Exponate aus dem In- und Ausland, Medienstationen, Filmsequenzen und Hörstationen vermitteln ein facettenreiches Bild vom ersten Kaiser und seiner Zeit, vom damaligen Europa und der Schweiz.

Förderer der Wissenschaften

Karl pflegte intensive Kontakte zur intellektuellen Elite seiner Zeit. Er berief Gelehrte aus ganz Europa an seine Residenz in Aachen – Theologen Wissenschaftler, Schriftgelehrte und Baumeister. Dazu stellt die Ausstellung die einflussreichsten Gelehrten und Berater des Kaisers vor und präsentiert von Alkuin, einem der Einflussreichsten, über 1200 Jahre alte Briefe, die dieser an den Kaiser richtete. Auch eine erste Biografie über Karl den Grossen vom St.Galler Mönch Notker aus dem Jahr 883 ist zu sehen.
 
Aus dem Kreis seiner Gelehrten ging damals eine eigentliche Bildungsreform hervor, vor allem in Form der Erneuerung der Schriftlichkeit, von Lesen und Schreiben der lateinischen Sprache als verbindende Sprache in seinem grossen Reich. Wertvolle 1200 jährige Handschriften aus der Stiftsbibliothek St. Gallen, der Zürcher Zentralbibliothek und der Burgerbibliothek Bern zeigen den Wechsel zu der unter Karl dem Grossen neu eingeführten Schrift, deren Gestaltung heute noch in den Druckschriften Times oder Antiqua nachwirkt.  Die über das ganze Reich verteilten Klöster und ihre Schulen waren die eigentlichen Bildungsstätten. In ihnen entstanden gelehrte Bücher und reich verzierte Handschriften. Letztendlich ist es Karl dem Grossen zu verdanken, dass Texte antiker Autoren und damit antikes Wissen bis heute überliefert sind.
 
Das unter Karl dem Grossen eingeführte Münzsystem vereinheitlichte sozusagen den Zahlungsverkehr in seinem Reich. Der silberne Denar setzte sich als alleiniger Münzwert durch und ist historisch gesehen eigentlich eine Art Vorläufer des Euro.

Karl der Grosse als Bauherr

Als christlicher Kaiser stand er in der Verantwortung für die Verbreitung des Christentums. In seine Regierungszeit fielen über 230 Klostergründungen in ganz Europa. Im Gebiet der heutigen Schweiz entstanden grosse wie auch kleinere Männer- und Frauenklöster. Die karolingische Klosterlandschaft der Schweiz kann in der Ausstellung über einen Touchscreen erkundet werden. Und ein 1877 gebautes Modell nach dem berühmten St.Galler Klosterplan aus dem achten Jahrhundert zeigt, wie sich Theologen unter Karl dem Grossen eine ideale Klosterstadt vorgestellt haben. Ein virtueller Gang durch die bis ins Detail rekonstruierten Räumlichkeiten der Klosteranlage ergänzt das Modell. Neben dem Kloster St.Gallen werden das unter Karls Vater Pippin gegründete Kloster Disentis und das von Karl gegründete Kloster St. Johann in Müstair vorgestellt.
 
Karl der Grosse war in Genf und hat mehrmals die Alpen überquert. Unter seiner Herrschaft gewannen die Alpenübergänge an Bedeutung. Die an den Verkehrsachsen gelegenen Klöster dienten Karl dem Grossen und seinem Gefolge als Unterkünfte und waren wichtige Stützpunkte. Das an der Nord-Südachse gelegene Kloster St.Johann in Müstair soll Karl der Grosse gegründet haben. Heute zählt es mit den noch erhaltenen karolingischen Wandmalereien zum UNESCO-Weltkulturerbe. 
 
In der Schweiz haben sich aus karolingischer Zeit zwischen 750 und 900 Bauten und erstaunlich viele Kunstwerke erhalten oder sind archäologisch nachweisbar: Klöster, Kirchen und eine Pfalz auf dem Lindenhof in Zürich.
Karl der Grosse hat die Architektur verändert .
 
Mit den Pfalzanlagen liess er nördlich der Alpen die ersten monumentalen Steinbauten seit der Römerzeit erstellen. Es sind Herrschersitze, verteilt im ganzen Reich, Machtsymbole auf Zeit für einen Herrscher, der immerfort auf Reisen war. Architektur und Funktion orientieren sich dabei an römischen Kaiserpalästen, ein sichtbares Zeichen von Karls Rückgriff auf die Spätantike und das frühe Christentum. Seine Lieblingsresidenz war Aachen. Auch seine Königspfalz auf dem Lindenhof in Zürich wird in der Ausstellung thematisiert und gibt gleichzeitig einen Einblick in das Zürich des 8. und 9. Jahrhunderts. Präsentiert wird in diesem Zusammenhang eine karolingische Urkunde aus dem Jahr 807, in der zum ersten Mal die Siedlung an der Limmat erwähnt wird. 

Was geblieben ist

Nach seinem Tod zerfiel das Reich Karls des Grossen im Jahre 814 bis zum Ende der Dynastie der Karolinger im Jahr 888 in Einzelgebiete. Die Erinnerung an jene grosse Zeit hat sich über die Jahrhunderte aber gehalten und immer wieder in Darstellungen und Kunstwerken ausgedrückt, die sich auf Karl den Grossen beziehen und ihn als vermeintlichen Gründer oder Stifter oder gar als Heiligen verehren. So soll auch das Grossmünster in Zürich auf Karl den Grossen als Gründer zurückgehen. (mai/mgt)