Kanton Genf durchleuchtet für Geothermie den Boden

Kanton Genf durchleuchtet für Geothermie den Boden

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Auch der Kanton Genf will Geothermie nutzen. In einer ersten Etappe werden bis 2017 die Genfer Böden mittels Schallwellen abgetastet, um Wasservorkommen im Untergrund ausfindig zu machen. Danach könnte es zu Erkundungsbohrungen kommen.

Die Schallwellen werden mit auf Vibrationen spezialisierten Lastwagen bis zu 1500 Meter in den Boden geschickt und danach von Empfängern aufgenommen und analysiert. Der Vorgang ist mit dem Sonargerät eines Schiffes zu vergleichen. Genf will sein gesamtes Kantonsgebiet durchleuchten und danach in einer Karte festhalten, wo genügend heisses Wasser vorhanden ist. Die Karte soll später präzise Erkundungsbohrungen ermöglichen. Das Abtasten des Bodens wird von den Industriellen Betrieben Genf (SIG) vorgenommen, die 20 Millionen Franken investieren. Die Daten werden von der Universität Genf (UNIGE) ausgewertet. Der Kanton Genf erhofft sich von der Geothermie grosse Einsparungen bei der fossilen Energie. Durch Geothermie könnten zwei Drittel des Genfer Wärmebedarfs gedeckt werden. Dadurch könnte die Abhängigkeit von Heizöl und Gas reduziert werden, sagte am Montag der für Energie zuständige Genfer Staatsrat Antonio Hodgers (Grüne).  Die Gesamtkosten für das Genfer Geothermieprojekt werden auf 100 Millionen Franken geschätzt. Im besten Fall wäre die Nutzung des heissen Wassers im Untergrund ab 2020 möglich.

Misserfolge in drei Kantonen

In der Schweiz kam es bisher in drei Kantonen zu Misserfolgen in der Geothermie. Zuletzt mussten Bohrungen in St. Gallen nach einem Erdbeben der Stärke 3,5 gestoppt werden. In der Tiefe wurde auch zu wenig Heisswasser gefunden. Stattdessen drang Erdgas nach oben. In Zürich waren zuvor bei Erkundungsbohrungen zwar 100 Grad heisses Gestein gefunden worden, aber kein Wasser. In Basel wurde nach einem Erdbeben der Stärke 3,4 vom 8. März 2006 ein Geothermie-Projekt beendet. Dort hätte unter Druck Kaltwasser in ein Bohrloch in heisses Trockengestein in der Tiefe gepresst und erwärmt über ein zweites Loch wieder nach oben gepumpt werden sollen. Obwohl das Einpressen von Wasser nach dem Erdbeben sofort eingestellt wurde, kam es noch bis in den Februar 2007 zu Nachbeben. (sda)