Kampf um alte Kantine

Kampf um alte Kantine

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Hunderte von Axa-Mitarbeitern essen täglich im Glasbau. Das elegante, Ende 60er-Jahre errichtete Gebäude soll einer neuen Kantine weichen. So will es zumindest die Versicherung Axa Winterthur, die im Mai diesen Jahres ein Abbruchgesuch eingereicht hatte. Die Stadt Winterhtur hat den Abbruch bewilligt. Doch dagegen regt sich Widerstand.
 
Über ein Dutzend lokaler Architekten und Künstler wehren sich gegen das Ansinnen der Versicherung. Mit von der Partie ist auch Winterthurer Stadtbaumeister Ueli Scheibler. Dies berichtet die aktuelle Ausgabe des „Landboten“. Wenig angetan scheint laut der Zeitung ebenso Architekt und Vizepräsident des Hauseigentümerverbandes Walter Hollenstein von den Plänen der Axa zu sein. Der Bau im Park zwischen der Römer- und der Museumsstrasse steht für Hollenstein „sozialpolitisch für eine Zeit, in der die grossen Winterthurer Arbeitgeber ihren Angestellten etwas gönnen wollten“. Mit dem Abbruch gehe nach dem Wahlfahrtshaus von Sulzer einer der letzten entsprechenden Zeugen verloren, wird Hollenstein im „Landboten“ zitiert. Die Axa-Leute hätten vergessen, dass der Bau 1970 von der „Winterthur“ als Grosserfolg gefeiert worden sei und dass er bis heute gut funktioniere, sagt der Schöpfer des Baus, der Architekt Hans Weishaupt. Klar ist allerdings sowohl Weishaupt als auch Hollenstein, dass der Bau eine Sanierung und eine Anpassung an heutige Bedürfnisse braucht. Ähnlich tönt es beim Winterthurer Heimatschutzgesellschaft. Ein Neubau mache energietechnisch bedeutend weniger Sinn als die Sanierung, sagt Präsident Beat Schwengeler. Kommt es zum Projekt, will man laut Schwengeler eingreifen. Anders sieht man es bei der Axa: Laut dem Abbruchgesuch ist eine Sanierung „nicht umsetzbar“ und steht dem heutigen Umgang mit den Ressourcen „diametral entgegen“. Zudem ist man laut dem „Landboten“ der Ansicht, dass es sich um einen „in allen Belangen mittelmässigen Bau“ handelt.
 
Den Vorwurf, dass die Stadt grünes Licht für den Abbruch gegeben hat, weil sie sich von der Axa demnächst ein Verwaltungsgebäude bauen lässt, weist man bei der Stadt zurück. Das gemeinsame Grossprojekt mit der Axa im Superblock habe bei der Beurteilung des Abbruchgesuchs für die Axa-Kantine keine Rolle gespielt, erklärt Baustadträtin Pearl Pedergnana. In der Fachgruppe Denkmalpflege hätten sich auch völlig unabhängige Fachleute befunden, die in Winterthur keinerlei Geschäftsbeziehungen pflegten, so Pedergnana gegenüber dem „Landboten“. Der Bau sei nicht so gut genug konstruiert, um ihn schützen zu müssen. (mai)