Kaba und Dorma wollen weltweite Nummer Drei sein

Kaba und Dorma wollen weltweite Nummer Drei sein

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Der Schweizer Schliesstechniker Kaba und die deutsche Dorma wollen sich zusammentun. Damit entsteht weltweit das drittgrösste Unternehmen der Branche. Vor Analysten und Medien stellten die Verantwortlichen klar: Ein zweiter Fall Sika werde das nicht.Zudem betonten sie "die industrielle Logik" ihres Plans.

Zwar sind auch bei Kaba und Dorma Familienaktionäre an Bord, aber anders als bei Sika, wo sich Familienerben und Unternehmensführung über einen Verkauf nach Frankreich streiten, sind sich bei Kaba und Dorma alle einig. Noch dieses Jahr wollen wollen sie zur "dorma+kaba" fusionieren. Erte Fusionsgedanken hegten sie bereits vor zwei Jahren.

"Es gibt keine andere Motivation für diesen Zusammenschluss als die industrielle Logik", sagte Kaba-Verwaltungsratspräsident Ulrich Graf vor Journalisten und Analysten. Die Unternehmen sind in ähnlichen Geschäftsfeldern tätig, mit den meisten Produkten ergänzen sie sich aber. So liefert etwa Dorma ganze Schiebetürsysteme und Notausgänge, während Kaba Hochsicherheits- und Tresorschlüssel anbietet. Kunden sparen sich für Tür- und Schliesssysteme darum den Gang zu verschiedenen Unternehmen. Kaba-Chef Riet Cadonau sprach darum auch vom "One-stop-shop"-Vorteil,  oder vielmehr vom Abbau bürokratischer Hürden. Gerade für Kunden in Asien sei es wichtig, dass ein Anbieter alles aus einer Hand liefern könne.

Dorma ist bisher stärker in Asien und im Pazifikraum tätig, Kaba umgekehrt in den USA. Auch geografisch ergänzen sich die Unternehmen. Der Markt in der Schlüssel- und Sicherheitsbranche sei zudem stark fragmentiert, sagten die Unternehmensverantwortlichen. Die beiden Unternehmen wollen gemeinsam zur Nummer drei werden mit einem Umsatz (auf heutiger Basis) von etwa zwei Milliarden Franken.

Die Kostensynergien beziffern sie auf 60 bis 70 Millionen Franken jährlich. Ab dem vierten Jahr sollen diese Einsparungen ihre Wirkung zeigen. Auch Arbeitsplätze sind bei den Synergien mitgemeint. In den nächsten vier Jahren werden etwa 800 Jobs abgebaut. Das entspricht fünf Prozent der gesamten Belegschaft beider Unternehmen. Kaba beschäftigt heute etwa 9000 Mitarbeiter, Dorma etwa 7200. Wo und welche Arbeitsplätze betroffen sind, steht noch nicht fest.

"Zusammenschluss umsichtig umsetzen"

"Wir werden diesen Zusammenschluss umsichtig und zusammen umsetzen", sagte Cadonau an die Adresse der Mitarbeiter, die die Konferenz über das Internet mitverfolgen konnten. Der Abbau werde sozialverträglich gestaltet. Ihm sei wichtig, dass ein Abbau mit den Werten von Kaba einhergehe, sagte Cadonau am Rande der Konferenz gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Beide Unternehmen, Dorma und Kaba, passten gerade wegen ihrer vergleichbaren Unternehmenskulturen gut zueinander. Als nächstes müssen die Aktionäre von Kaba den Zusammenschluss noch genehmigen. "Es wird nichts an den Aktionären vorbeigeschleust. Den abschliessenden Entscheid haben sie", sagte Kaba-Präsident Ulrich Graf. Mit Widerstand rechnet er nicht. Die Aktionäre sollen mit einer Sonderdividende belohnt werden.

Nach der ausserordentlichen Generalversammlung am 22. Mai wird dann ein sogenannter "Integration Officer" eingesetzt, also eine Person, die mit der Umsetzung der Integration beauftragt wird. Dann werden auch die Verantwortlichkeiten an den Spitzen der neuen fünf Divisionen besetzt. Unternehmenschef (CEO) wird Kaba-Chef Riet Cadonau, Präsident wird Ulrich Graf. Das Amt des Finanzchefs übernimmt Bernd Brinker, der diese Funktion bereits jetzt bei Dorma inne hat. Firmensitz soll Rümlang ZH sein.

Mehrheit der Aktien im Publikum

Am kombinierten Geschäft soll die börsenkotierte Kaba 52,5 Prozent halten, die Dorma-Besitzerfamilie den Rest. Zwar schiesst die Dorma-Besitzerfamilie 178 Millionen Franken in Kaba ein und hält künftig einen Minderheitsanteil an der Holding. Alleine bestimmen kann sie aber nicht. Die Mehrheit der Aktien werden im Publikum sein.

Die Familienaktionäre von Dorma wie auch von Kaba bezeichnen sich als Ankeraktionäre der Holding, die sich gegenseitig ein Vorkaufsrecht einräumen. An Dritte können sie ihre Aktien nur verkaufen, wenn allen anderen Aktionären ein öffentlichen Übernahmeangebot zum gleichen Preis gemacht wird. "Es ist in der Schweiz etwas passiert, was wir in Deutschland nicht kennen. Es heisst Sika", begründete Hans Gummert, Präsident von Dorma und designiertes Verwaltungsratsmitglied des neuen Unternehmens. Beim Bauzulieferer Sika besteht in den Statuten eine Klausel, die einen privilegierten Verkauf ermöglichen soll. Der Fall beschäftigt inzwischen die Gerichte.

Bei der künftigen "dorma+kaba" hingegen wird die Transaktion, für die zwar keine Angebotspflicht entsteht, friedlich und strukturiert ablaufen, sind die Verantwortlichen beider Unternehmen überzeugt. Man teile schliesslich mehr als die gemeinsame Leidenschaft für den gleichen deutschen Fussballclub. (sda/mai)