Jetzt reden die Gemeinden mit

Jetzt reden die Gemeinden mit

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Für die Lagerung radioaktiver Abfälle kommen weiterhin alle sechs zur Diskussion stehenden Standorte in Frage. Diesen Schluss ziehen die Behörden aus den Sicherheitsgutachten. Ab September laufen die ersten Informationsveranstaltungen in den betroffenen Regionen.
 
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Die Gemeinden einer Standortregion sollen künftig mittels „regionaler Partizipation“ mitreden können
 
„Die Schweiz hat radioaktive Abfälle und muss diese im eigenen Land entsorgen“", erklärte Michael Aebersold vom Bundesamt für Energie (BFE) vor den Medien in Bern. Verschiedene Gremien hatten in den vergangenen Monaten ihre Gutachten zu den möglichen Standorten vorgelegt. Nun präsentierte das BFE die gesammelten Ergebnisse. Und nun können auch die betroffenen Regionen offiziell Stellung nehmen: Bis Ende November gehen die Unterlagen in die Anhörung.
 
Ab September führt der Bund für die Bevölkerung in den Regionen Informationsveranstaltungen durch. Zur Diskussion stehen die Regionen Bözberg (AG), Jura-Südfuss (AG), Nördlich Lägeren (AG und ZH), Südranden (SH), Wellenberg (NW und OW) und Zürcher Weinland (ZH und TG). Welche Standortgebiete im Auswahlverfahren verbleiben entscheidet der Bundesrat dann Mitte 2011. Das Bundesamt für Energie empfiehlt, vorläufig keine Regionen auszuschliessen. Sowohl das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) als auch die Kommission für Nukleare Sicherheit (KNS) waren zum Schluss gekommen, dass alle Standorte die Kriterien erfüllen.
 
Gemäss den Gutachten eignen sich allerdings nicht alle gleich gut: Der Wellenberg ist wegen des Gesteins deutlich weniger geeignet, und auch der Jura-Südfuss schnitt etwas schlechter ab. In der nächsten Phase geht es nicht mehr nur um das Gestein. Berücksichtigt werden dann auch wirtschaftliche, ökologische, raumplanerische und gesellschaftliche Aspekte. Das BFE hat die Grundlagen dafür erarbeitet. Unter anderem legte es fest, welche Gemeinden besonders betroffen sind. Insgesamt sind dies 202 Gemeinden, davon zwölf in Deutschland. Die Gemeinden einer Standortregion sollen ihre Interessen künftig mittels „regionaler Partizipation“ ins Verfahren einbringen können. Zu diesem Zweck seien bereits Arbeitsgruppen gebildet worden, hält das BFE in seiner Medienmitteilung fest.

Probebohrungen möglich

Ob es in nächster Zeit auch zu Bohrungen kommt, steht noch nicht fest. Allenfalls seien Probebohrungen schon in der zweiten Etappe nötig, sicher aber in der dritten, erklärt dazu das BFE. Die Nagra müsse aufzeigen, welche Untersuchungen notwendig seien. Das Auswahlverfahren für einen Standort hatte vor rund zwei Jahren begonnen. Es gliedert sich in drei Etappen. Bis 2020 soll es zu einem Ergebnis führen. Ziel ist ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle sowie eines für hochradioaktive Abfälle oder ein Kombilager für beide Abfalltypen. (mai/sda)