Italienischer Erfinder: Zementanstrich als Luftreiniger

Italienischer Erfinder: Zementanstrich als Luftreiniger

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Die Kirche ‚Dives in Misericordia‘ in Rom mit ihren großen „Segeln“ aus Sichtbeton war 1996 ein erstes Zeugnis der Wirksamkeit von Cassars Erfindung. (Bild: Antonio Passaseo))
Feinstaubpartikel gefährden Umwelt sowie Gesundheit und verschmutzen Gebäudehüllen in Städten. Luigi Cassar hat nun einen Zementanstrich entwickelt, der Gebäude länger sauber halten und die Qualität der umgebenden Luft verbessern hilft.

Ein dünner Überzug eines innovativen Zementputzes oder -anstrichs und die Einstrahlung von Sonnenlicht genügen, um einen Selbstreinigungsprozess sowohl für die Gebäudefassade als auch für die umgebende Luft dauerhaft in Gang zu setzen. Für diese wegweisende Erfindung wurden Luigi Cassar und sein Team beim italienischen Zementhersteller Italcementi S.p.A. für den Europäischen Erfinderpreis 2014 in der Kategorie „Industrie“ nominiert. Europas „Oscar“ für technische Innovation wird vom Europäischen Patentamt (EPA) am 17. Juni in Berlin verliehen.

Der größte Feind des Sichtbetons sind Abgase und Schmutzpartikel in der Luft. Sie hinterlassen unansehnliche, dunkle Verfärbungen, die mit teuren, aggressiven chemischen Reinigungsmitteln aufwändig beseitigt werden müssen. Um diesem Prozess vorzubeugen, wurden bislang verschiedene Technologien wie schützende, wasserabweisende Beschichtungen auf Silikonbasis aufgebracht. Diese sind teilweise teuer und verlieren mit der Zeit ihre Wirkung. Cassar und sein Team setzen auf die Kraft der Sonne, um Schadstoffe aufzuspalten, bevor diese sich an der Oberfläche als hässliche Verfärbungen ansammeln. Dazu mischten sie dem Zement sogenannte Photokatalysatoren bei. Diese spalten mit Hilfe von Sonnenlicht Schadstoffe in weniger schädliche Elemente auf. Regenwasser „wäscht“ sie dann problemlos ab. So kann zumindest in Klimazonen mit regelmässigem Niederschlag nicht nur der Beton gereinigt werden, sondern auch die ihn umgebende Luft. „Diese Doppelwirkung macht den Zement von Luigi Cassar zu einer wegweisenden Errungenschaft für die städtische Lebensqualität und zu einem attraktiven Produkt für Bau- sowie Sanierungsprojekte der Zukunft", lobte EPA-Präsident Benoît Battistelli bei der Bekanntgabe der Nominierungen für den Europäischen Erfinderpreis.

Cassar kam 1991 zu Italcementi und konzentrierte seine Entwicklungsarbeit fortan auf die selbstreinigenden Eigenschaften des Zements. Der Durchbruch gelang ihm durch die Anreicherung des Baustoffs mit Titanoxid-Mineralien. Das Bauprojekt der Kirche ‚Dives in Misericordia‘ in Rom mit seinen großen, dauerhaft reinweißen „Segeln“ aus Beton war 1996 ein erstes Zeugnis der Wirksamkeit von Cassars Erfindung, die seit 2006 unter dem Produktnamen TX Active vermarktet wird.

„Unsere Messungen ergaben, dass – wenn man die Häuser einer Großstadt mit unserem Spezialzement versehen würde – die Luftverschmutzung um bis zu 50 Prozent gesenkt werden könnte“, behauptet Cassar. Auch beim Erneuern von Fahrbahndecken kommt das Produkt bereits zum Einsatz. Grosses Martpotenzial für die Symptombekämpfung von Smog sieht Cassar deshalb in Schwellenländern wie China, ein Land, das stellvertretend für das Smogproblem aufgrund einer ungebremsten Immobilienwirtschaft steht.