Ist die Ikone noch zu retten?

Ist die Ikone noch zu retten?

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Der grösste Backsteinbau Europas ist weltberühmt und eines der Wahrzeichen Londons. Das Kraftwerk mit seinen vier weissen Kaminen ist seit 1983 nicht mehr in Betrieb. Für die Entfernung der Turbinen und Dampfkessel wurde das Dach des riesigen Innenraums abgetragen und nicht mehr ersetzt. Nach zahlreichen Plänen, verschiedenen Besitzern und vielen in den Sand gesetzten Millionen gibt es wieder neue Ideen für den baufälligen Koloss.
 
Der Entwurf für die Battersea Power Station stammt vom Architekten Sir Giles Gilbert Scott. Er ist auch der Erbauer der Waterloo Bridge, der Liverpooler Kathedrale, der Bankside Power Station, die zum Kunstmuseum Tate Modern umgebaut wurde und er ist der Schöpfer der roten Telefon-Kabinen. Die Battersea Power Station wurde nach vier Jahren Bauzeit 1933 als Teil der zentralen Energieversorgung Londons in Betrieb genommen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Bau mit seinen zwei hundert Meter hohen weissen Kaminen um einen identischen Bau ergänzt. Über eine Million Tonnen Kohle wurde mitten in London Jahr für Jahr verbrannt, um eine Leistung von 500 Megawatt zu erzeugen.
 
Die Battersea Power Station war ein ästhetischer Bau mit einem in Marmor ausgekleideten Turbinenraum, mit Kontrollzentrum im Art-Deco-Stil und geschmiedeten Eisentreppen.

Kinos und Theater

Nach 50 Betriebsjahren wurde die Stromproduktion 1983 eingestellt. Für die Demontage von Turbinen, Kesseln, Maschinen wurde das Dach entfernt und seither ist der Innenraum Wind und Wetter ausgesetzt. Das Gebäude gilt heute als höchst baufällig. Seither gab und gibt es immer wieder Investoren und Pläne für die Nutzung des attraktiv an der Themse gelegenen Komplexes. Allen gemeinsam ist, dass die charakteristischen Elemente des Komplexes mit den vier weissen Kaminen erhalten bleiben müssen. Der Umbau in einen Freizeit- oder einen Themenpark scheiterte schon früh daran, dass der zu erwartende Verkehr von der Umgebung nicht bewältigt werden könne. Anschliessend konkretisierte sich eine mögliche Mischnutzung mit Hotels, Wohnungen, Kinos, Theater und Restaurants. Der Besitzer wollte 750 Millionen Pfund investieren. Allerdings ergaben damals erste Expertisen, dass die vier über 100 Meter hohen Kamine nicht zu reparieren sind und eigentlich abgebrochen und neu gebaut werden müssten.
 
Ende 2006 erwarb schliesslich die Real Estate Opportunities (REO) den Komplex; bald drauf wurde ein Vier-Milliarden-Pfund-Projekt vorgestellt. Dieses sah eine Renovation des alten Gebäudes mit einer teilweisen Neunutzung als Kraftwerk vor in dem Müll und Biomasse verstromt werden könnten. Dazu sollten 3,5 Millionen Quadratmeter Büros und 3400 Wohnungen kommen, zudem sollte es mit der U-Bahn erschlossen werden. Das Projekt stiess auf eine hohe Akzeptanz bei Behörden und Bevölkerung. Der Baubeginn für das Riesen-Projekt wurde von 2011 auf 2012 verschoben. Ende 2011 lösten sich die hochfliegenden Pläne in Luft auf weil die REO Insolvenz anmelden musste.
 
Aktuelle Vorschläge laufen nun wieder auf einen Abriss oder Teilabriss hinaus.

Gratispläne für künftige Besitzer ...

Einen Abriss will der Architekt Terry Farrell verhindern: Er schlägt vor, die Battersea Power Station in eine gesicherte Ruine umzubauen, indem die markantestem Teile wie Kamine und Schaltwarten erhalten werden und der Rest abgerissen wird. Kosten soll das Unterfangen laut Farrell 25 Millionen Pfund. Findet sich ein Käufer, will der Architekt diesem seine Pläne schenken um so einen Totalabbruch verhindern.
 
Zurzeit läuft eine Verkaufskampagne des internationalen Immobilienunternehmens Knight Frank. Weil die Battersea Power Station direkt ans neue geplante Stadtviertel Nine Elms grenzt, ist man bei Knight Frank zuversichtlich, einen Käufer zu finden. Obwohl die Auflagen hoch sind: Neben anderem ist der neue Besitzer verpflichtet, die Erweiterung der Londoner U-Bahnlinie Northern Line von Kennington nach Nine Elms mit 200 Millionen Pfund zu unterstützen.

Star in Filmen und auf Musikalben

Schon früh wurde die bizarre Schönheit des Baus erkannt und genutzt. Zum Beispiel war das Kraftwerk im Jahre 1936 der Hintergrund für den Film "Sabotage" von Alfred Hitchcock. Es war auch im Film „The Meaning of Life“ der Monty Python zu sehen. Und im der Verfilm von „1984“, der Zukunfts-Vision nach dem gleichnamigen Roman Orson Wells war es das Wahrheits-Ministerium. Zudem erscheint die Battersea Power-Station auch auf Musikalben zahlreicher Bands. Am bekanntesten ist wohl das Cover des Albums "Animals" von Pink Floyd, das die Power Station mit einem grossen Schwein, schwebend zwischen den riesigen Kaminen zeigt.
 
Sicher ist: der über achtzigjährige Bau wird auch weiterhin Stoff für Stories, grosse Pläne oder auch Enttäuschungen bieten. (mai)