Internationaler Velux-Award 2014: Poesie des Lichts

Internationaler Velux-Award 2014: Poesie des Lichts

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Visualisierung, PD

Licht ins Dunkel von Gassen und schwieriger  Lebensumstände bringen - das und mehr sollen die vor Kurzem mit dem Internationalen Velux-Award für Architekturstudenten prämierten Projekte erreichen.

„Heute ist Peking ein Testlabor für moderne Architektur. In einer Zeit, in der sich die meisten Architekten auf die neuen Möglichkeiten konzentrieren, die eine Stadt heute bietet, wollten wir herausfinden, was sich lohnt, von der Vergangenheit zu übernehmen“, sagt Du Dikang  von der Pekinger Tsinghua Universität, der zusammen mit seinem Team den ersten Preis des internationalen Velux-Award für Architekturstudenten gewonnen hat. Dikang und seine Kollegen wollen das endlose Geflecht der Hutongs – schmale, mit Lamellen überdachte  Gassen – die sich durch Pekings wenige, noch erhaltene historische Quartiere ziehen, auf besondere Weise erleuchten: Sie schlagen vor, die Überdachungen mit kreisförmigen Öffnungen zu versehen, durch die das Licht in die meist dämmerigen Wege fällt. Je nach Sonnenstand oder vielmehr Tagesszeit sind die so entstandenen Lichtkegel entweder rund oder oval. Daran lässt sich einerseits die Tageszeit ablesen, andererseits werden so auf den ersten Blick alltägliche Ecken zu besondere Stilleben, weil so eine Art natürlicher Scheinwerfer auf sie gerichtet ist. - Die Jury überzeugte am Projekt vor allem, weil sie von einem „grossen Verständnis für die Rolle, welche das Tageslichts in einer Stadt spielt“ zeuge. Es sei ein sehr ausgereiftes Projekt, die Studtenten hätten es geschafft, alte Traditionen mit einer völlig modernen Sichtweise miteinander zu verbinden.

 

Ebenfalls aus Asien stammt das zweitplatzierte Projekt,  und zwar von einem Team von Studenten zweier südkoranischer Universitäten, der Hyanyang Universität und der Hongik Universität. Mit ihrem Projekt „Morning Glory Cloud“, mit dem sie auf einen besonderes Wolkenphänomen Bezug nehmen, eine scheinbar rollende Wolke, die oft mehrere hundert Kilomater lang aber bloss ein bis zwei Kilometer breit ist (http://de.wikipedia.org/wiki/Morning_Glory_Cloud). Sie wollen eine Schlange  bestehend aus zahllosen Ballons steigen lassen. Während sie tagsüber Schatten spenden, laden sie sich gleichzeitig mit Sonnenlicht auf. Sobald es dunkelt, wird die Ballongirlande herunter geholt, wird dann als Beleuchtung genutzt. „Wir wollten einen Weg finden, wie Tageslicht Süd- und Nordkorea vereinen könnte“, so Jaebong Jeon, einer der Studenten. Die riesige Schattengirlande wäre immerhin von überall zu sehen. Die Jury erachtete das Projekte als „unglaublich beispielhaft und poetisch“.

 

Besonders eindrücklich ist allerdings das drittplatzierte Projekt. Es zeigt, wie sich mit einer poetischen und gleichzeitig nützlichen Installation Licht ins Dunkel harter Lebensumstände Licht bringen lässt. Zaatari in Jordanien ist eines der weltweit grössten Flüchtlingslager, rund 600‘000 syrische Flüchtlinge leben hier zurzeit. Gewalt ist hier an der Tagesordnung. Studenten der Universität von Sofia wollen die Wege mit einem Netz überspannen das mit einem sogenannten „Foto-Luminising“-Pulver versehen wurde: Dieses lädt sich bei Tageslicht auf und gibt bei Dunkelheit Licht ab.  Die Jury lobte die „starke Idee“ hinter dem Konzept, aber auch gleichzeitig seine Poesie, „die alle berührt“. (mai)