Ingenieurskunst am Gotthard

Ingenieurskunst am Gotthard

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Teaserbild-Quelle: Bilder: Stefan Breitenmoser

Am 1. Juli dürfen die ersten Passagiere durch den Gotthard-Basistunnel fahren. Grund genug für die Swissbau, an ihrer Eröffnungsveranstaltung einen näheren Blick auf das Jahrhundertbauwerk zu werfen.

„Es sind die Brücken, Strassen und Tunnels, welche die Schweiz zusammenhalten“, meinte Bundesrat Ueli Maurer während der Eröffnungsveranstaltung der Swissbau in Basel, welche dem Thema „Ingenieurskunst made in switzerland – der Gotthard-Basistunnel“ gewidmet war. Mehr noch: „Die Ingenieure und Baumeister verkörpern die Schweizer Stärken“, so der neue Finanzminister: „Die Schweiz ist auch in Zukunft auf ihre Leistungen angewiesen.“ Deshalb sei es wichtig, dass die Ausbildung gefördert werde. „Wir haben zu wenig Ingenieure, dafür genug Soziologen und Politologen“, meinte Maurer.

Einer der ganz grossen Ingenieure war Alfred Escher, dem Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, quasi als dessen Nachfolger eine Huldigung darbrachte. Dessen Nachfolger ist Rohner deshalb, weil Escher nebst diverser anderer Projekte auch Gründer der Schweizer Kreditanstalt und somit der Credit Suisse war. „Escher hat die Schweizer Kreditanstalt gegründet, weil er seine Infrastrukturprojekte finanzieren und vorantreiben wollte. Gleichzeitig wollte er aber nicht abhängig von ausländischen Geldgebern sein“, so Rohner. Bereits 1849 hatte Escher nämlich gewarnt: „Von allen Seiten nähern sich die Schienenwege immer mehr der Schweiz. Es tauchen Pläne auf, gemäss denen die Bahnen um die Schweiz herumgeführt werden sollen. Die Schweiz droht somit Gefahr, gänzlich umgangen zu werden und infolgedessen in der Zukunft das traurige Bild einer europäischen Einsiedelei darbieten zu müssen.“ In der Folge widmete sich Escher der Eisenbahn, doch sah er das Problem, dass im Gegensatz zu den Nachbarländern die Schweiz auch nach dem grossen Eisenbahnbau in der 1850er Jahren nach wie vor über keine Nord-Süd-Verbindung verfügte. Also kämpfte er für einen Tunnel in den Süden, und nach der grossen Gotthard-Konferenz von 1869 präsidierte er ab 1871 die Gotthardbahn-Gesellschaft. Diese brachte es dann fertig, den Tunnel bis ins Jahr 1882 fertigzustellen. 

Sicherste SBB-Strecke

 „Das Hauptziel der Neat ist eine Flachbahn durch die Alpen. Und im Gegensatz zur Eisenbahn oder der Nord-Süd-Verbindung sind wir dieses Mal die ersten“, erklärte Renzo Simoni, Vorsitzender der Geschäftsleitung der AlpTransit Gotthard AG (ATG) und somit quasi Gotthard-Basistunnel-Chef. Doch dies sei mit diversen Herausforderungen verbunden. „Das Umsetzungsmodell mit den Partnern Bund, SBB und ATG hat sich als Erfolgsmodell erwiesen, und auch die Finanzierung via FinöV und neuerdings Fabi fand immer eine breite Mehrheit“, so Simoni. Den Kostenrahmen von rund 13 Milliarden Franken habe man bis jetzt nicht überschritten, obwohl es diverse Stolpersteine gab. So sei beispielsweise beim Bohren des Tunnels in der Nähe von Sedrun der Tunnel plötzlich immer wieder kleiner geworden. „Es gab radiale plastische Verformungen von bis zu einem Meter“, so Simoni. Dies habe mit den Zugkräften des Bergs zu tun gehabt. Lange hätte man nicht gewusst, was man tun solle, bis man auf die Idee des deformierbaren Stahlausbaus gekommen sei, welchen man aus Deutschland kennt.

Doch nicht nur die Geologie stellte die Verantwortlichen vor eine Herausforderung. „Wir mussten uns auch gut überlegen, was wir mit den 28 Millionen Tonnen Material machen, das wir herausgebrochen haben“, sagte Simoni. Rund 10 Millionen Tonnen wurden als Beton wiederverwertet. Das restliche Ausbruchmaterial wurde sorgsam renaturiert oder für andere Zwecke wie beispielsweise die Schaffung von Inseln im Rheindelta verwendet. Die nächste Herausforderung, die es nun noch zu bewältigen gebe, sei die ganze Inbetriebsetzung. „Doch ich kann euch jetzt schon versichern, dass die Strecke des Gotthard-Basistunnels, wenn sie nächsten Dezember in Betrieb geht, die sicherste des ganzen SBB-Netzes sein wird“, so Simoni. (Stefan Breitenmoser)