Info-Lücken zumauern

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Teaserbild-Quelle: zvg
Das Image des Bauarbeiters und des Bauhauptgewerbes soll aufpoliert werden. Der Schweizerische Baumeistervarband lanciert eine grossangelegte Inseratekampagne in den regionalen Zeitungen, um der breiten Bevölkerung, aber auch Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Verwaltung wenig bekannte Fakten nahe zu bringen.
 
 
Er trägt einen Schutzhelm und ein kariertes Holzfällerhemd, stützt sich lässig auf die Fensterbrüstung eines Rohbaus, blickt einem mit Kennermiene entgegen und sagt: «Auf dem Bau verdiene ich mehr als in anderen Branchen.» Diesem Bauarbeiter und weiteren seiner Kollegen werden die Zeitungsleser in der Deutschschweiz und Romandie in den nächsten Wochen öfters begegnen. Sie sind Teil einer grossangelegten Imagekampagne des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV), die bis nächsten Frühling dauern wird und nach Angaben von SBV-Zentralpräsident Werner Messmer 1,5 Millionen Franken kosten wird.
 

Verkannte Fakten

Mit der Lancierung einer Imagekampagne werde einem dringenden Wunsch der Verbandsmitglieder entsprochen, führte SBV-Vizedirektor Martin Fehle anlässlich der Präsentation der Kampagne in Zürich aus. Die Delegiertenversammlung habe die dafür notwendigen Mittel gutgeheissen. Der Auftrag laute «etwas Tapferes für das Image des Bauhauptgewerbes» zu unternehmen, betonte Fehle.
 
Ziel dieser Kampagne ist laut SBV-Direktor Daniel Lehmann (siehe Infobox Nachgefragt), einige verkannte Fakten über das Bauhauptgewerbe in der breiten Bevölkerung, aber auch bei Meinungsführern in Politik, Wirtschaft und Verwaltung besser bekannt zu machen. Eine vom SBV letztes Jahr beim Meinungsforschungsinstitut Publitest in Auftrag gegebene, repräsentative Umfrage hat nämlich ergeben, dass das Bauhauptgewerbe zwar über ein gutes Ansehen verfügt, aber gleichzeitig mit niedrigen Löhnen und langen Arbeitszeiten in Verbindung gebracht wird. «Die Öffentlichkeit weiss sehr wenig Bescheid über die Arbeitsbedingungen im Bauhauptgewerbe», stellte Lehmann fest.
 

Gute Löhne

«Die Arbeit auf der Baustelle ist harte Arbeit, dafür ist sie aber überdurchschnittlich gut bezahlt», hob Lehmann hervor. Wenig bekannt ist jedoch, dass das Bauhauptgewerbe die höchsten Löhne aller Branchen zahlt, die einem Gesamtarbeitsvertrag unterstehen. Am anderen Ende der Skala stehen das Gastgewerbe und der Detailhandel. Ein gelernter Maurer verdient nach zwei Jahren im Durchschnitt 5736 Franken im Monat, ein ungelernter Bauarbeiter immernoch 4393 Franken, betonte Lehmann. Die effektiv ausbezahlten Löhne liegen zwischen 5,3 und 7,5 Prozent höher als die im Landesmantelvertrag festgelegten Mindestlöhne. Dies hat der SBV anhand seiner regelmässig durchgeführten, verbandsinternen Lohnumfrage erhoben.
 
Abenteuerliche Vorstellungen bestehen laut Umfrage hinsichtlich der durchschnittlichen Arbeitszeiten im Bauhauptgewerbe: Fast 60 Prozent der Befragten waren der Auffassung, dass Bauarbeiter 44 bis 48 Stunden in der Woche arbeiten. Zwar wird wetterbedingt im Sommer länger gearbeitet als im Winter, doch dass die wöchentliche Arbeitszeit auf dem Bau im Jahresdurchschnitt bei 40,5 Stunden liegt, ist der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 41,6 Wochenstunden. Ebensowenig bekannt ist, dass das Bauhauptgewerbe als erste gewerbliche Branche überhaupt vor acht Jahren den Flexiblen Altersrücktritt (FAR) eingeführt hat, der eine Frühpensionierung ab dem 60. Altersjahr erlaubt. Der FAR wird ausschliesslich aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen finanziert: Vier Prozent des Monatslohns steuert der Arbeitgeber bei, 1,3 Prozent der Arbeitnehmer. So kommen jährlich 280 Millionen Franken zusammen. Zur Zeit profitieren 4500 «Frührentner» von dieser Branchenlösung.
 
Grosse Anstrengungen, so Lehmann, unternimmt der SBV zudem im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Das Engagement zeigt Wirkung: Die Unfallzahlen sind in den letzten zehn Jahren konstant gesunken: Diese konnten von 250 Unfällen pro Tausend Mitarbeiter auf 195 verringert werden. In Zusammenarbeit mit der Suva beteiligt sich der SBV am Präventionsprogramm «Vision 250 Leben», das zum Ziel hat, die Todesfälle am Arbeitsplatz innert zehn Jahren zu halbieren. Ausserdem betreiben die Baumeister ihre eigene Beratungsstelle für Arbeitssicherheit, wobei sich die SBV-Mitgliederfirmen verpflichten müssen, die Sicherheitsorganisation «Sicuro» zu betreiben. Massimo Diana
 
 

NACHGEFRAGT BEI DANIEL LEHMANN

«baublatt»: Der Schweizerische Baumeisterverband startet mit einer Imagekampagne in Zeitungen und Zeitschriften. An wen richtet sie sich?
 
Daniel Lehmann: Sie richtet sich an die breite Öffentlichkeit. Wir wollen Fakten über die wirklichen Arbeitsbedingungen im Bauhauptgewerbe vermitteln. Ein besonderes Augenmerk gilt zudem politisch engagierten Personen, Vertretern der Verwaltung und Schlüsselpersonen der Wirtschaft.
 
Warum gerade diese Zielgruppen?
 
Gerade Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung müssen sich für unsere Themen interessieren und können deshalb als Multiplikatoren für unsere Informationen über die tatsächlichen Arbeitsbedingungen wirken.
 
In welchen Printmedien werden die Inserate des Baumeisterverbands erscheinen?
 
Wir haben zwischen 15 und 20 Zeitungen aus der ganzen Schweiz ausgewählt, dank denen wir sowohl die breite Bevölkerung, als auch unsere besonderen Zielgruppen erreichen können. Flankierend werden wir zu den Themen Lohn, Arbeitszeit und Gesundheitsschutz vertiefende Informationen oder Kommentare im Internet anbieten. Gleichzeitig lancieren wir den neuen Newsletter «Bauwerk», den wir ausgewählten Vertretern von Politik und Wirtschaft zustellen werden.
 
Wie oft erscheint der neue Newsletter?
 
Im Regelfall drei bis viermal im Jahr, wenn möglich abgestimmt auf aktuelle politische Themen.
 
Was versprechen Sie sich von dieser Kampagne?
 
Wir möchten, dass die Informationslücken hinsichtlich der guten Arbeitsbedingungen im Bauhauptgewerbe geschlossen werden.
 
Interview: Massimo Diana