Info-Flut für Laien und Profis

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Teaserbild-Quelle: Thomas Kümin
Gesonderte Ausstellungen und Veranstaltungen an der Swissbau befassten sich zum grössten Teil mit den Themen «Nachhaltiges Bauen», Energie und Umwelt. Das «baublatt» wählte aus einem reichhaltigen Buffet – an jedem Ausstellungstag konnten über ein Dutzend Anlässe besucht werden – einige Leckerbissen aus.


Wenn trotz tiefer Temperaturen und Bise Passanten innehalten, um sich die ungewohnten Bauobjekte auf dem Messeplatz in Basel näher anzuschauen, dann ist das schon ein halber Erfolg. Tatsächlich lockten die diversen in die Swissbau integrierten Ausstellungen, auch jene in den Messehallen, zahlreiche Besucher an. Wie von einem Buffet konnte je nach Lust und Laune vom Angebot genascht werden.

Ein sinnliches Erlebnis und laut Messedirektor Rudolf Pfander ein voller Erfolg war die «Trendwelt Bad», eine integrierte Ausstellung rund ums Badezimmer oder den Whirlpool. Klar, dass auf der 6000 Quadratmeter grossen Welt des Privat-Spa die Sinne angeregt wurden, schliesslich ist Baden und die Körperpflege eine intime Angelegenheit. Die Branchenleader stellten Neuentwicklungen, Einrichtungen und Ausstattungen, Technologien und Design, Konzepte und futuristische Projekte vor.

Auf dem Messeplatz für Aufsehen sorgte die autarke Raumzelle «Self», ein Container, der sich selber mit Energie und Wasser versorgt und als Wohn- und Arbeitsort für zwei Personen dient. Die beiden Designer Sandro Macchi und Björn Olsson von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa entwickelten den Prototyp, um verschiedene neue Technologien zu zeigen, zu kombinieren und in ansprechendem Design zu verarbeiten – so wie es Autohersteller mit Konzept-Sportwagen am Genfer Autosalon tun. Interessierten Besuchern wurde unter anderem die Isolation der Raumzelle mit Aerogel gezeigt. Aerogele sind hochporöse Festkörper, bei denen bis zu 95 Prozent des Volumens aus Poren bestehen. Gewisse Komponenten von «Self», zum Beispiel die Fotovoltaik, sind bereits in modernen Gebäuden anzutreffen, während andere, wie etwa ein leistungsstarker Spezial-Akku, noch Zeit brauchen, um Marktreife zu erlangen. Neben «Self» stand ein Container, in dem über den Bau der von der ETH Zürich realisierten Monte-Rosa-Hütte berichtet wurde.

Um Architektur, Minergie und Holzbau ging es bei der Sonderschau «Woodstock». Es handelt sich dabei um ein dreistöckiges Gebäude im Minergie Plus-Standard: Es generiert damit mehr Energie, als es für den Betrieb braucht. Woodstock verfügt über eine Struktur aus einheimischem Laub- respektive Buchenholz und einer Gebäudehülle aus vorfabrizierten Fassadenelementen mit optimierter Wärmedämmung und integrierter Fotovoltaik. Für die «Swissbau» richteten sich im Gebäudeinnern Aussteller von KMU und Hochschulen ein, die im Bereich «Nachhaltiges Bauen» forschen und produzieren. Architekt Felix Knobel und Gestalter Ruedi Tobler, die Woodstock initiiert und realisiert haben, zeigten sich an der Swissbau in aufgeräumter Stimmung und zufrieden mit den Rückmeldungen, die sie von Messebesuchern erhielten. «Besonders vonseiten der Holzbranche erhielten wir Lob. Man sagte uns, dass endlich ein Gebäude geschaffen wurde, das nicht schon von Aussen wie ein Holzhaus aussieht, das nicht wie eine Kiste wirkt», so Felix Knobel. Auch die Resonanz in den Medien ist laut dem Duo überwältigend. Nach der Messe soll Woodstock einer Nachnutzung zugeführt werden: «Infrage kommen verschiedene Optionen: von einer Drogenberatungsstelle über ein Museum bis zu Wohnungen.»

Die Sonderschau Global Building befasste sich mit nachhaltigem Bauen. Dass das Prädikat «nachhaltig» spätestens seit der Energiekrise inflationär verwendet wird, waren sich die Macher der Sonderschau bewusst. Sie rückten darum die Verknüpfung der einzelnen Planungs-, Bau- und Betriebsabschnitte eines Gebäudes in den Vordergrund. Hans Jörg Luchsinger, Fabian Cortesi vom Kommunikationsbüro IEU sowie Videokünstler Christof Oertli wollten zeigen, dass es besonders in der Baubranche einen Dialog aller Beteiligten braucht, damit etwas Nachhaltiges geschaffen werden kann. «Ein Architekt sollte heute ein Gebäude nicht mehr im Alleingang planen, sondern Experten einbeziehen, die über den ganzen Lifecycle eines Gebäudes Bescheid wissen», erklärte Fabian Cortesi. Besucher der «Global Building» konnten sich darum Interviews mit Experten anschauen, die sich über die Projektentwicklung bis zum Abriss und die Wiederverwertung eines Gebäudes äusserten. Zur Sprache kamen unter anderem Reto Miloni, Holger Wallbaum, Susanne Fischer, Dietmar Eberle, Ursula Wyss und Andreas Ammann.

Die IEU schuf sechs Stationen, sogenannte Themeninseln, auf denen Tische mit eingebauten RFID-Sensoren zu finden waren. Diese Sensoren reagierten auf handtellergrosse Tafeln, auf denen einzelne Interview-Abschnitte gespeichert waren. Interessierte sich jemand beispielsweise für «Standortsuche», nahm er die entsprechend beschriftete Tafel zur Hand, hielt sie über den Sensor, und auf einem Bildschirm erschien ein Interview zum gewünschten Thema. Komplementär wurden an der Sonderschau Global Building verschiedene Fachvorträge gehalten, in denen die Referenten in persona vor Publikum ihr Fachwissen weitergaben. Die Sonderschau wurde mit einer Trägerschaft, Partnerorganisationen und Medien durchgeführt, so beispielsweise dem Stahlbau Zentrum Schweiz, dem Fenster und Fassadenverband SZFF, der SIA Fachgesellschaft für Haustechnik und Energie im Bauwesen, dem Fachverband Minergie und dem Bundesamt für Raumentwicklung. Diese Partner waren mit Ständen an der Sonderschau präsent und konnten Interessenten konkrete Lösungen bieten, um die an der Messe gewonnenen Inspirationen in die Tat umzusetzen. (Thomas Kümin)