In Verona sollen Tote gestapelt werden

In Verona sollen Tote gestapelt werden

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Teaserbild-Quelle: zvg

„Cielo infinito“, der unendliche Himmel, so heisst das Projekt des Mailänder Architekten Riccardo Manfrin. Er hat einen Wolkenkratzer entworfen – aber nicht für die Lebenden, sondern für die Toten. Der Friedhofsturm soll die neuste Attraktion der italienischen Stadt Verona werden.

In Grossstädten herrscht Platzmangel. Man weiss kaum noch wohin mit den Toten. Verdichten heisst also auch hier die Devise. Und das wiederum bedeutet, in die Höhe zu bauen. Genauer gesagt 130 Meter in die Höhe. So gross soll nämlich der Friedhofsturm werden. Und hier sollen tausende Verstorbene ihre letzte Ruhe finden, wie die Tageswoche berichtet. In dem 35-stöckigen Gebäude, das von einer Glaskuppel gekrönt und von sechs Seitenarmen umgriffen wird, sind 23‘500 Grabnischen vorgesehen, der Grossteil davon in knapp 3000 Familienkapellen. Es seien aber auch Einzelnischen geplant, die jeweils bis zu 10‘000 Euro kosten könnten.

Unter der Glaskuppel befindet sich eine Kirche. Ausserdem sollen Blumenläden, Bestattungsinstitute und ein Kunstmuseum im Friedhofsturm untergebracht werden. „Ein bisher oft als makaber empfundener Ort wie der Friedhof wird so zum Ort des Lebens“, sagt der Architekt. „Stellen Sie sich vor: Man fahre in die Tiefgarage, ziehe eine Magnetkarte aus der Tasche. Mit dem Lift ginge es hoch in den 28. Stock. Sonne, Licht, Glas. Die Tür der Familienkapelle öffnete sich automatisch, man trete ein, das Glas werde von selbst opak. Man lasse sich auf die Ledercouch fallen, ziehe ein Buch aus der Tasche und verbringe ruhige Stunden mit seinen Lieben, deren Urnen hinter den Grabplatten ruhen.“

Für das Projekt kalkuliert Riccardo Manfrin 200 Millionen Euro. Das Grundstück im Viertel San Michele haben sich die Konstrukteure um den Architekten und den Mailänder Unternehmer Pier Giulio Lanza bereits für elf Millionen Franken gesichert. Auch Veronas Bürgermeister Flavio Tosi ist vom Turm für die Toten offenbar angetan, hat er doch bereits grünes Licht gegeben. Jetzt muss noch der Stadtrat zustimmen.

Die Hauptstadt der Toten?

Doch es gibt auch Widerstand. Wie die Tageswoche schreibt, haben zwei Bürgerinitiativen bislang 3000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Der Anwaolt und Aktivist Michele Croce vom Verein Verona Pulita ist entsetzt. „So etwas hat es noch nie gegeben. Wir sind bekannt für unsere Schönheit, aber so werden wir die Hauptstadt der Toten.“ Verona brauche kein Hochhaus, und schon gar keines mit Gräbern. Ausserdem dürfe der Bürgermeister nicht seine Bilanz retten, indem er „das Erbe der Stadt zerstört“. Tosi hatte nämlich argumentiert, mit den elf Millionen Euro für das Grundstück, Löcher im Budget stopfen zu wollen. (pd/mt)