„In der Schweiz ist es schwierig, Fachleute zu finden“

„In der Schweiz ist es schwierig, Fachleute zu finden“

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Teaserbild-Quelle: Thomas Kümin
Seit 1991 werden die Gewinner des Solarpreises in verschiedenen Kategorien für ihr Engagement zugunsten der Solarenergie geehrt. Einen Solarpreis in der Kategorie A „Persönlichkeiten und Institutionen“ haben in diesem Jahr die bekannten Solarflugzeugpioniere Bertrand Piccard und André Borschberg gewonnen. Das „baublatt“ war während der Preisvergabe vor Ort und führte mit Betrand Piccard ein Interview.
Thomas Kümin
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Thomas Kümin
André Borschberg (links) und Bertrand Piccard haben einen Solarpreis 2010 in der Kategorie A „Persönlichkeiten und Institutionen“ gewonnen.
 
Betrand Piccard ist Sohn einer berühmten und weltweit bekannten Forscherfamilie. 1960 tauchte sein Vater Jacques Piccard zum tiefsten Punkt im Ozean und sein Grossvater Auguste Piccard drang 1931/32 als erster Mensch in die Stratosphäre ein. Betrand Piccard umrundete 1999 die Erde nonstop im Luftballon. Er und André Borschberg beabsichtigen nun mit dem Solarflugzeug „Solar Impulse“ die erste solarbetriebene Erdumrundung in mehreren Etappen zu schaffen. Der Start soll 2013 erfolgen.
 
Für das Flugzeug „Solar Impulse“ wurden die beiden Forscher letzten Freitag anlässlich der Schweizer Baumesse „Bauen & Modernisieren“ in der Messe Zürich mit einem Solarpreis 2010 in der Kategorie A „Persönlichkeiten und Institutionen“ ausgezeichnet. Der Jungfernflug des Solarflugzeuges erfolgte bereits am 7. April dieses Jahres. Der Flug in Payerne dauerte etwa eineinhalb Stunden. Am 7. Juli gelang schliesslich der erste solare Tag- und Nachtflug von „Solar Impulse“, der mehr als 26 Stunden dauerte und von André Borschberg pilotiert wurde.
 
Sie haben den Solarpreis für das Solarflugzeug Solar Impulse erhalten. Wie sieht es bei Ihnen in der „Homebase“ aus? Wie versorgen Sie Ihr privates Haus mit Energie, wie beheizen und isolieren Sie es?
Bertrand Piccard: Vor einigen Jahren habe ich ein Haus gekauft, das 1977 gebaut wurde und über eine sehr schlechte Isolierung verfügte. Jetzt wird das Gebäude total renoviert, modernen Isolierungsstandards angepasst und mit einer Wärmepumpe ausgestattet. Ich musste dabei feststellen, dass es unglaublich schwierig ist, in der Schweiz Fachleute in diesem Gebiet zu finden. Die zuerst mit der Planung und Installation der Wärmepumpe beauftragte Firma benötigte vier Monate, bevor sie mir erklärte, dass sie den Auftrag nicht machen könne. Zum Haus gehört ein Schwimmbad, dieses heize ich solarthermisch.
 
In Ihrer Rede haben Sie gesetzliche Vorgaben angesprochen, die notwendig sind, damit in der ganzen Schweiz nur noch energieeffiziente Bauten realisiert werden. Welche Gesetze würden Sie einführen?
Der Menge an Energie, die wir benützen, muss eine Grenze gesteckt werden, und zwar in allen Bereichen. Sei es beim Bau und Betrieb von Wohnhäusern, Bürogebäuden oder Motorfahrzeugen. Industrie und Gewerbe müssen per Gesetz dazu verpflichtet werden, moderne Technologien zu nützen, um einen vorgeschriebenen Energieaufwand nicht zu überschreiten. Welche Technologien das sein sollen, muss der Staat nicht vorschreiben; das wissen die Unternehmen selber am Besten. Beispielsweise in der Automobilindustrie: Ob nun ein Konstrukteur sein Fahrzeug mit einem Solar-, Elektro, Hybrid-, Wasserstoff- oder thermischen Motor ausstattet, sei ihm überlassen. Die Hauptsache ist doch, dass sich mit diesen Anwendungen drei oder vier Liter Benzin pro 100 Kilometer sparen lassen. Hausbauer müssten dazu verpflichtet werden, ihre Neubauten total zu isolieren. Zur Heizung und Stromversorgung ihres Baus können sie die gleichen, vorgängig genannten Optionen nutzen. Schlussendlich würden von einer Energieauflage alle Beteiligten profitieren: Die Kunden wären zufrieden, weil ihnen eine breite Palette effizienter und ressourcenschonender Ware geboten würde, und die Industrie könnte trotz steigenden Erdölpreisen ihre Produkte verkaufen.
 
Kommt die Forschung an „Solar Impulse“ auch in der einen oder anderen Form der Gebäudetechnik zugute?
Die Solar Impulse verfügt in der Luft über keine Heizung. Wir haben dafür das Cockpit sehr gut isoliert. Ein grosses Fenster ermöglicht eine direkte Sonneneinstrahlung, welche das Cockpit aufheizt. Während unseres ersten Nachtflugs im Juli wurde Pilot André Borschberg zudem vom einem Luft-Daunen-Spezialanzug warm gehalten. Unser Ziel mit „Solar Impulse“ ist nicht nur die Promotion neuer Technologien, sondern das Vermitteln einer gewissen Geisteshaltung. Die Leute sollen dazu animiert werden, im täglichen Leben erneuerbare Energien zu nützen.