Impulse für die Wüste

Impulse für die Wüste

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Courtesy of Ai Weiwei
Obwohl er kein ausgebildeter Architekt ist, beschäftigt sich Ai Weiwei intensiv mit der Architektur. Das Kunsthaus  Bregenz widmet diesem Aspekt des Schaffens des chinesischen Künstlers eine ganze Ausstellung.
 
 
"Free Ai Weiwei"  leuchtet es auf dem Dach des Kunsthauses Bregenz in roten Lettern. Der chinesische Künstler war Anfang April am Pekinger Flughafen verhaftet worden, Ende Juni liess man den Regimekritiker gegen Kaution wieder frei. Allerdings erlegte man ein Rede- und Ausreiseverbot auf. Der offizielle Grund für diese Aktion: der chinesische Staat wirft ihm Steuerhinterziehung vor.
 
Parallel zu seiner Aktion zeigt das Museum eine Schau über das Werk Ai Weiweis. Dass Besondere daran ist, dass man sie nicht als Reaktion auf die aktuellen Ereignisse sondern lange im Voraus geplant hatte. Deshalb konnten die Ausstellungsmacher eng mit Weiwei zusammen arbeiten: der Künstler bestimmte Konzept und Werkauswahl selbst. Obwohl er kein ausgebildeter Architekt ist, liegt der Fokus der Ausstellung auf seinem architektonischen Schaffen. Deshalb sind vor allem Modelle und Videos zu sehen.
 
Auslöser für Weiweis Beschäftigung mit der Baukunst mag der Umstand sein, dass er für sich ausserhalb Pekings ein Atelier errichtete. Seither entwirft er nicht nur, sondern arbeitet auch mit Architekten zusammen. Etwa mit Herzog & de Meuron, die er beim Bau des olympischen Stadions in Peking beriet. Ein weiteres Schweizer Architekturbüro hat ebenfalls mit dem Chinesen zusammen gearbeitet: Mit den Basler HHF Architects konzipierte er unter anderem das Projekt „Five Houses“ bei dem es um Häuser im Modulsystem geht. Eines von Weiweis grössten Projekten ist allerdings die Planung eines Villenquartiers für die mongolische Wüstenstadt Ordos. Dazu lud er hundert ausländische Architekturbüros ein, Entwürfe einzuschicken. Für Weiwei geht es bei solchen Projekten um weitaus mehr als „nur“ ums Bauen. Er will zum Nachdenken anregen: Im Westen werde mehr über Architektur nachgedacht als gebaut. In China sei es umgekehrt. Solche Aktionen oder Ansichten mögen eine der Ursachen sein, deretwegen ihn die chinesische Regierung immer wieder mit Repressionen belegt. So wurde Weiwei vor rund zwei Jahren eine schwere Kopfverletzung zugefügt, als er sich für die Aufklärung der Einstürze von Schulgebäuden im Zusammenhang mit dem Erdbeben von Sichuan engagierte, bei denen Kinder ums Leben gekommen waren. Denn dass die Häuser zusammenkrachten lag an Baumängeln, die sich auf Korruption zurückgeführt werden konnten.
 
Ein weiteres Druckmittel von staatlicher Seite mag der Abriss seines für Shanghai gebauten Atelierkomplexes gewesen sein. Kaum war es fertig gestellt, wurde es abgebrochen. Kurzerhand zeichnete Ai Weiwei das Spektakel mit der Kamera auf. Das Video ist in der Ausstellung zu sehen. (mai)
 
Adresse: Kunsthaus Bregenz, Karl-Tizian-Platz, A-6900 Bregenz
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr; Donnerstag 10 bis 21 Uhr / Vom 20.7. bis 21.8. erweiterte Öffnungszeiten: täglich 10 bis 20 Uhr.
 

Ausstellung im Fotomuseum Winterthur: Ai Weiwei - Interlacing

Bild entfernt.
Perspektivische Studie – Tiananmen, Ai Weiwei
 
Die Schau ist die erste grosse Ausstellung mit Fotografien und Videos von Ai Weiwei. Sie stellt den Kommunikator Ai Weiwei in Zentrum, den dokumentierenden, analysierenden, verflechtenden und über viele Kanäle kommunizierenden Künstler. 
 
Bereits während seiner New Yorker Zeit hat Ai Weiwei fotografiert, noch wichtiger wurde für ihn dieses Medium nach seiner Rückkehr nach Peking. Unablässig dokumentierte er die alltäglichen, städtebaulichen und gesellschaftlichen Realitäten in China und diskutierte sie mittels Blogs und Twitter. Die Fotografien des radikalen städtebaulichen Wandels, der Suche nach Erdbeben-Opfern, der Zerstörung seines Shanghai-Studios werden zusammen mit den kunstfotografischen Projektenden sowie unzähligen Blog- und Handy-Fotografien vorgestellt. - Ein umfangreiches Material- und Archivbuch begleitet diese Ausstellung. (mgt)
 
Ai Weiwei – Interlacing bis 21. August
Adresse: Fotomuseum Winterthur, Grüzenstrasse 44 und 45, 8400 Winterthur
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr, Montag jeweils geschlossen