Implenia übernimmt Infrastruktursparte der Bilfinger Construction

Implenia übernimmt Infrastruktursparte der Bilfinger Construction

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Implenia expandiert ins europäische Infrastrukturgeschäft: Die Schweizer Bauriesin übernimmt die Infrastruktursparte der deutschen Bilfinger Construction. Laut Implenia-Chef Anton Affentranger ist der Kauf „die logische Weiterentwicklung der Wachstumsstrategie“.

Die Einheit mit einer Produktionsleistung von rund 780 Millionen Franken und 1850 Mitarbeitern biete im deutschsprachigen Europa und in Skandinavien umfassende Dienstleistungen im Bereich Infrastrukturbau, schreibt Implenia in ihrer Medienmitteilung. Der Kauf sei die „logische Weiterentwicklung der Wachstumsstrategie“, sagte Implenia-Chef Anton Affentranger anlässlich einer Telefonkonferenz von heute Montag. Mit der Übernahme könne Implenia nämlich genau in den Märkten zulegen, in denen der Baukonzern auch wachsen wolle. So habe Bilfinger Construction in Deutschland und Schweden eine starke Position. Zusammen deckten beide Unternehmen die Märkte Schweiz, Österreich, Deutschland, Norwegen und Schweden ab. Dies ist laut Affentranger gleich doppelt interessant: Einerseits steigt in diesen Ländern die Nachfrage nach Infrastrukturbauten, nach Tunnels, Brücken, Kraftwerken. Andererseits haben alle diese Staaten eine tiefe Verschuldungsquote. „Wir steigen nicht nur in Märkte ein, die wachsen, sondern auch in solche, in denen die öffentliche Hand auch gesund ist“, sagte er.

Zum Kaufpreis erklärt Finanzchef Beat Fellmann, dass der von Bilfinger genannte Kaufpreis von 230 Millionen Euro auch ein Darlehen enthält. Abzüglich aller mitgekauften Schulden zahle Implenia jedoch netto nur 60 Millionen Euro. Der Kaufpreis fällt laut Affentranger darum so tief aus, weil Implenia mit der Übernahme auch gewisse Projektrisiken übernimmt. Das grösste und darum wohl auch das riskanteste Projekt dabei ist der Bau der Metrolinie U5 in Berlin. Die Transaktion soll zwischen Anfang Februar und Anfang März abgeschlossen werden, ob sie zustande kommt hängt allerdings noch von  der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden ab.

Während der vergangenen 15 Jahre haben Implenia und Bilfinger Construction bereits mehrere Grossprojekte gemeinsam abgewickelt, darunter den Gotthard Basistunnel oder die Durchmesserlinie Zürich. (mai/sda)

Implenia-Aktie nach Übernahme im Plus

Die Aktien des Baukonzerns Implenia sind am Montag im frühen Handel gesucht worden. Nach Bekanntgabe der Übernahme der Sparte Bilfinger Construction vom deutschen Bilfinger-Konzern stieg der Kurs um 3,9 Prozent auf 57,40 Franken. Der Gesamtmarkt, gemessen am Swiss Performance Index, stieg dagegen nur um 0,5 Prozent. Damit kann der Implenia-Titel die diesjährige, eher negative Entwicklung etwas aufbessern. Bis vergangenen Freitag verlor die Bau-Aktie fast 14 Prozent, nachdem sie im Jahr 2013 allerdings um 63 Prozent zugelegt hatte. Der steigende Kurs zeigt an, dass die Anleger den Ausbau des Infrastrukturgeschäfts durch die Übernahme positiv bewerten.

Analysten äusserten sich zuversichtlich: Die Akquisition entspreche der Strategie von Implenia, die Positionierung im internationalen Infrastrukturgeschäft zu verstärken, kommentierte Martin Hüsler von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). „Der Strategie entsprechend“, hiess es bei Christian Arnold von der Bank Vontobel. Von einer „starken technischen Plattform“ in europäischen Märkten, sprach Patrick Appenzeller von Baader Helvea. Der Kaufpreis sei problemlos finanzierbar, dürfte Implenia doch gemäss ZKB- Schätzungen Ende 2014 einen Netto-Cashbestand von etwas über 400 Mio. Fr.

aufweisen, heisst es bei der grössten Kantonalbank weiter. Von einer grossartigen Akquisition zu einem "vernünftigen Preis", schrieb Helvea.