Implenia: Mit Schweizer Kompetenz neue Märkte erobern

Implenia: Mit Schweizer Kompetenz neue Märkte erobern

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Der Baukonzern Impenia ist daran, den wegfallenden Gotthard-Grossauftrag zu kompensieren. Dafür musste sich die Nummer 7 im Markt der europäischen Infrastrukturbauer hinsichtlich der Digitalisierung einer Fitnesskur unterziehen. Der europäische Auftragsbestand ist Mitte 2016 auf 41 Prozent gestiegen.

«Wirgehören zumindest in Nordeuropa zu den führenden Experten des Infrastrukturbaus», sagt Anton Affentranger, der CEO von Implenia. Der Baukonzern erzielt mit 8100 Mitarbeitern und Vertretungen in 14 Ländern jährlich rund 3,3 Milliarden Franken Umsatz. Implenia entstand 2006 aus der Fusion von der Zschokke Holding AG mit der Batigroup Holding AG. Der Bau des Gotthard-Basistunnels veranlasste damals gemäss Affentranger zu diesem Schritt: «Wir fragten uns: Was passiert mit den Kapazitäten, wenn dieses Grossprojekt fertiggestellt ist? Dieses Projekt hat über 15 Jahre 30 bis 40 Prozent des gesamten Infrastruktur-Marktes in der Schweiz absorbiert», sagte Affenftranger anlässlich des Europa Forums in Luzern. Diesen Megaauftrag wollten die Geschäftsleitungen von Zschokke und Batigroup weit vorausschauend kompensieren. Die beiden Bauunternehmen schlossen sich 2006 zu einer geeigneten Grösse zusammen, um eine Expansion in den internationalen Markt voranzutreiben.

«Der Infrastrukturbau ist die Basis für unseren Erfolg in Europa», ist der Implenia-CEO überzeugt. Die Werke in der Schweiz waren dazu die Voraussetzung: «In unserem Land bauen wir eine erstklassige Infrastruktur. Für die Aufträge in Europa nutzten wir den Gotthardtunnel als Re ferenz.» Dabei ist für ihn klar, dass der gigantische Neat-Tunnel, dessen Eröffnung im Juni 2016 die ganzen Welt mitverfolgt hatte, ohne die offenen Grenzen und der Mitarbeit zahlreicher ausländischer Firmen nie hätte erstellt werden können. «Demgegenüber beschäftigen wir an keinem von unseren ausländischen Tunnelprojekten Schweizer Ingenieure und Projektleiter», bedauert Affentranger. «Implenia hat zwar die Schweizer Kompetenz und Referenz im Ausland verkauft. Doch Schweizer Kaderleute konnten wir für keine unserer grossen Baustellen in Europa mobilisieren.»

Europa aus der Sicht von Implenia

Im Infrastrukturbau Europas muss sich Implenia mit Konkurrenten messen wie die französische Vinci mit einem Umsatz von 39 Milliarden Euro und Bouygues mit 32 Milliarden, die spanische ACS mit 35 Milliarde, die schwedische Skanska mit 16 Milliarden und die österreichische Strabag mit 13 Milliarden. Mit seinen Umsatz von 3,3 Milliarden Schweizer Franken belegt Implenia den Rang 7 der grössten europäischen Infrastrukturbauer.

Für Implenia hat der europäische Markt bereits stark an Gewicht gewonnen. Mitte 2016 lag der europäische Auftragsbestand bei 41 Prozent. Verlockend ist das Investitionsvolumen in europäischen Staaten. Während in der Schweiz das Gesamtvolumen des Baus bei 62 Milliarden Franken liegt, sind es beispielsweise in Deutschland 297 Milliarden Euro, in Grossbritannien 222 Milliarden Pfund, in Italien 160 Milliarden Euro und in Spanien 84 Milliarden Euro. «Wenn unser Unternehmen sich weiterentwickeln will, müssen wir neue Märkte suchen. Diese sind für uns aber nicht mehr in der Schweiz», so Affentranger. In Europa hat Implenia seiner Ansicht nach bereits Fuss gefasst. «Es war für mich sensationell, als die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer unsrer Baustellen in Deutschland aufgetaucht ist und fragte, was ist denn mit dieser Margerite hier.»

Konkurrenzfähig dank BIM

«Die Bauindustrie ist die ineffizienteste Industrie, die es gibt», sagt der Implenia-CEO selbstkritisch. «Impulse für mehr Innovation in unserer Branche kommen hauptsächlich aus Europa, und zwar vom Norden her.» Und auch dort erfolgt die technologische Entwicklung nicht freiwillig. Die öffentlichen Bauherren in Norwegen und Schweden verlangen von den Bauunternehmen, dass die Bauausführung kompatibel zum Building Information Management ist. Gebaut werden muss also mit BIM. Implenia hat deshalb bereits begonnen, sich technologisch für das digitale Zeitalter aufzurüsten. Das half dem Konzern, bei Ausschreibungen in anderen Ländern den Zuschlag von Technologie förderlich.»

In der Schweiz sind zwar die Technologie und das Kapital vorhanden, aber grosse Märkte hat die Schweiz nicht. Diese liegen im Bau und an deren Industriezweigen ausserhalb der Schweiz. «Der Zugang zu Europa verhalf uns aber, auch unsere Position im Schweizer Markt zu verbessern», führt Affentranger aus. «Wir holten uns Know-how, verbesserten unsere Produktivität und konnten beim Einkauf dank Länder übergreifenden Kenntnissen die heimischen Lieferanten unter Druck setzen. Der Austausch mit Europa puscht die Entwicklung unserer Unternehmung.» Eine Schweizer Baufirma braucht dazu Fachkräfte aus dem Ausland. Für hochqualifizierte Chargen sind sie aber teilweise rar, wie Implenia immer wieder zu spüren bekommt. «Wir holen deshalb», so Affentranger, «viele Pensionierte in den Arbeitsmarkt zurück, weil wir beispielsweise bei der Kalkulation von Projekten zu wenig Personal haben. (Urs Rüttimann)

Den vollständigen Artikel lesen Sie im kommenden Baublatt vom 20. Januar. - Haben Sie das Baublatt noch nicht abonniert? Dann können Sie dies über diesen Link.