Implenia: Gewinnknick wegen Fehleinschätzungen

Implenia: Gewinnknick wegen Fehleinschätzungen

Gefäss: 

Die jahrelange Rekordjagd von Implenia ist zu Ende: Der grösste Schweizer Baukonzern ist in ein Ergebnisloch der Sparte Buildings gefallen, die wegen Fehleinschätzungen der Vergangenheit einen Verlust einfuhr. Der Rückschlag lässt sich im zweiten Halbjahr nicht mehr aufholen.

Damit werde Implenia das Rekordergebnis des Vorjahres 2013 nicht mehr erreichen, sagte Konzernchef Anton Affentranger vor den Medien und Analysten in Dietlikon ZH. Damals hatte der Baukonzern bei einem Umsatz von 3,06 Mrd. Fr. einen Betriebsgewinn (EBIT) von 115,6 Mio. Fr. erzielt. Unter dem Strich verdiente der Schweizer Branchenprimus 82,6 Mio. Franken. Die Sparte Buildings, die komplexe Gebäude plant, ihren Bau koordiniert und ihn auch vollständig durchführt, musste einmalige Ergebniskorrekturen vornehmen. Schuld sind laut Affentranger Bauprojekte in der Westschweiz, die sich bei der Neuüberprüfung als zu wenig rentabel erwiesen haben. Zudem habe man die Disziplin bei der Umsetzung schleifen lassen, so Affentranger.

Risiken übernommen

Implenia habe Risiken bei Bauaufträgen übernommen, die der Konzern eigentlich hätte ablehnen müssen, erklärte der Konzernchef weiter. Diese sind gemäss Affentranger nach dem Führungswechsel in der Romandie vor einigen Monaten ans Licht gekommen: "Einige Leute, die an den Projekten gearbeitet haben, sind nicht mehr da." Insgesamt hat Implenia durch die Sünden der Vergangenheit gut 10 Mio. Fr. verloren. Dies riss die Sparte Buildings mit 1,2 Mio. Fr. in die Verlustzone. Im Vorjahr hatte Implenia hier noch einen Betriebsgewinn von 7 Mio. Fr. erzielt. Der Flop schlug auf die Konzernrechnung durch, wie Implenia bereits vor einem Monat gewarnt hatte. Bei einem stabilen Umsatz von 1,413 Mrd. Fr. sank der Betriebsgewinn im ersten Halbjahr um 12,2 Prozent auf 26,4 Mio. Franken. Der Reingewinn sackte gar um ein Fünftel auf 17 Mio. Fr. ab. Trotz allem: Der operative Gewinn ist immer noch das drittbeste Halbjahresresultat der Firmengeschichte.

Erster Gewinnknick der Geschichte

Der Rückstand gegenüber dem Rekordergebnis von 2013 ist aber zu gross, um im zweiten Halbjahr noch aufholbar zu sein, auch wenn dieses stärker ausfallen sollte. Das wäre der erste Gewinnrückgang in einem Gesamtjahr, seit Impenia im Jahre 2006 aus der Fusion der Genfer Zschokke mit der Basler Batigroup entstand. Indes erwartet Implenia nach wie vor ein operatives Ergebnis von über 100 Mio. Fr. im Gesamtjahr 2014. Finanzchef Beat Fellmann hatte im Februar im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda noch mit einem Betriebsgewinn von 120 Mio. bis 125 Mio. Fr. für 2014 gerechnet.

Die übrigen Sparten der Bauriesin haben die Vorjahresergebnisse im ersten Semester erreicht oder gar übertroffen. Der Bereich Immobilienentwicklung knüpfte mit 14,3 Mio. Fr. an den operativen Rekordgewinn vom letzten Jahr an. Besonders dynamisch war der Geschäftsverlauf in den Regionen Zürich und Genfersee.

Tunnel im "Tal der Tränen"

Wie Affentranger erklärte, hatte die Modernisierungssparte einen gewaltigen Schub erhalten. Das Tunnelgeschäft konnte den EBIT mit 5 Mio. Fr. nochmals auf Vorjahreshöhe halten, tritt aber nun "ins Tal der Tränen", wie Fellmann sagte. Denn in der zweiten Jahreshälfte kommen keine Erträge mehr aus dem Neat-Bau mehr herein. So sei im zweiten Semester mit einem deutlichen Ergebnisrückgang zu rechnen. Hoffnungsträger von Implenia ist der Semmering-Eisenbahntunnel in Österreich, der die beiden Bundesländer Niederösterreich und Steiermark verbinden soll. Auch das Baugeschäft in der Schweiz und das Infrastrukturgeschäft in Norwegen läuft gemäss Mitteilung gut. (mai/sda)