Implenia bezahlt eine Million Franken

Implenia bezahlt eine Million Franken

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Nachdem die Oberaufsichtskommission (OAK) des bernischen Grossen Rates fest gestellt hatte, dass die Baumängel an der Berner Frauenklinik bei der Planung entstanden sind und dass der Generalunternehmer die Schuld trägt, hat die Implenia angeboten eine Million an die Kosten beizusteuern. Gleichzeitig gab es seitens der OAK Schelte für die Berner Baudirektion.
 
Zwar ist die OAK des bernischen Grossenrats zum Schluss gekommen, dass die Schuld an den massiven Baumängeln (siehe Kasten) der Frauenklinik der Generalunternehmer – in diesem Fall die Implenia - trägt und dass dem Kanton nichts vorgeworfen werden kann. Weil aber die Mängel erst nach Ablauf der Garantiefrist entdeckt wurden, kann die Implenia nicht mehr zur Kasse gebeten werden. In ihrem Bericht geht die OAK von Kosten von zwei bis sechs Millionen Franken aus. Die Kosten für die nötigen Sofortmassnahmen hatte das Inselspital seinerzeit selber berappt. Was aber genau zur Behebung der baulichen Mängel unternommen werden muss, wird sich erst Mitte des kommenden Jahres genau weisen. Dies erklärte Inselspital-Sprecher auf Anfrage der Zeitung „Der Bund“. Auch der Preis für die Bauschäden stehe natürlich erst dann fest. Klar ist laut dem Artikel auch, dass das Inselspital Kosten von bis zu zwei Millionen Franken selber bezahlen muss.
 
Gestern wurde im Rat nun bekannt, dass die Implenia freiwillig eine Million Franken an die Behebung der baulichen Mängel zahlen will. Die übrigen Kosten dürften entweder das Inselspital oder der Kanton und damit der Steuerzahler übernehmen. Der Beitrag der Implenia sei keineswegs ein Schuldeingeständnis, sagte René Zahnd, Mitglied der Konzernleitung der Implenia gegenüber der Zeitung „Der Bund“. Das Unternehmen stehe lediglich zu den Verpflichtungen und den Verträgen, die es von seinen Vorgängern übernommen habe, wird Zahnd weiter zitiert. Er betone, dass der parlamentarische Bericht festhalte, die Baumängel seien die Folge von Planungsfehlern. „Wir haben aber die Frauenklinik nicht geplant.“ - Die Frauenklinik war seinerzeit von der Göhner Merkur erstellt worden, die heute in der Implenia aufgegangen ist.

Kritische Worte

Obwohl den Kanton nach Ansicht der OAK keine Schuld trifft, übte sie dennoch Kritik: Es stelle sich die Frage, inwieweit es der Kanton verantworten könne, derart architektonisch exklusive und anspruchsvolle Gebäude zu erstellen, hiess es. Das Gebäude der Frauenklinik sei wegen seiner unüblichen Bauweise jedenfalls für ein Spital nicht zweckmässig. Das gesamte Projekt sei unglaublich komplex gewesen. Auch keine wohlwollenden Worte hatte die Grossrats-Fraktionen übrig: Besonders störend sei, dass die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion ihre Hände in Unschuld wasche und sich hinter einem Gutachten verstecke, statt Verantwortung zu übernehmen, polterte Peter Eberhart von der BDP. Es sei unverständlich, dass von den Heerscharen an Spezialisten niemand die Baumängel rechtzeitig festgestellt und geltend gemacht habe, monierte Carlo Kilchherr von der SVP. Da habe man "der Mähre nicht zum Auge geschaut". Derweil konterte Andreas Blaser von der SP, dass man „schlicht und einfach“ nicht sagen könne, wer an dem Debakel schuld sei, auch wenn alle gerne einen Schuldigen hätten. In der Folge sprachen sich das Parlament einstimming dafür aus, dass die Baudirektion bei Projekten, an denen sich mehrere Direktionen beteiligen, mindestens eine fachliche Aufsichtsfunktion wahrnehmen muss. (mai)
 
 

Hintergrund

Beim Bau der 2002 eröffneten Berner Frauenklinik hatte man neue Wege beschritten, in dem die Fassaden, Treppenhäuser und Liftschächte als Haupttragelemente der Geschossdecken konzipiert wurden. Dadurch entstanden auf der ganzen Gebäudelänge stützenfreie Räume. Dies liess flexiblere Geschossgrundrisse und Innenausbauten zu. Doch 2009 stellte man gravierende Baumängel fest: Die Auflagen der Tragkonstruktion waren beschädigt. Sie übertragen die Bauwerksbelastung in den Unterbau. Gleichzeitig stellte man auch fest, das 123 Millionen Franken teure Gebäude nicht erdbebensicher war. In der Folge wurden Sofortmassnahmen ergriffen: So wurde die  Fassade wurde führ rund 150'000 Franken stabilisiert, für diese Kosten kam das Inselspital auf. (mai)