Immobilienmarkt: Warnungen vor Risiken in Dänemark

Immobilienmarkt: Warnungen vor Risiken in Dänemark

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Was die Risiken auf dem Immobilienmarkt betrifft, lohnt sich zuweilen ein Blick auf andere Länder. Für einen Vergleich mit der Schweiz bietet sich Dänemark an, denn die Immobilienmärkte beider Länder weisen Ähnlichkeiten auf wie rasch steigende Immobilienpreisen und eine hohe Verschuldung der Haushalte.

Im Durchschnitt beträgt die Verschuldung dänischer Haushalte das Dreifache des verfügbaren Jahreseinkommens. Viele Dänen konnten bei der Immobilienfinanzierung über lange Zeit von der Möglichkeit Gebrauch machen, ihre Immobilien zu 100 Prozent zu belehnen. Inzwischen schreiben gesetzliche Regeln einen Eigenkapitalanteil von immerhin 5 Prozent vor, wie die „Wirtschaftswoche“ in ihrer Online-Ausgabe schreibt. Die dänische Zentralbank hat zudem vor vier Jahren negative Zinssätze eingeführt, um die Landeswährung Krone gegen den Euro zu verteidigen. Der Leitzinssatz lag beispielsweise fast über das gesamte letzte Jahr bei -0.75 Prozent.

Häuserpreise und Löhne steigen unterschiedlich

Dank niedriger Zinsen haben sich die Immobilienpreise besonders kräftig und schnell erholt. Die Wohnungspreise in Dänemark liegen derzeit ungefähr fünf Prozent über dem alten Höchststand aus dem Jahr 2006. Bereits damals platzte eine Immobilienblase, die Preise für Wohnungen fielen bis 2009 um etwa 30 Prozent. Seither sind in Dänemark die Preise für Wohnimmobilien jedoch wieder stark gestiegen. Die Nordea Bank schätzte den Preisanstieg noch im Frühjahr auf ein Plus von 50 Prozent, in Kopenhagen ist es sogar noch deutlich mehr. Dagegen hat sich das Einkommen der Dänen deutlich langsamer nach oben entwickelt. Selbst in Kopenhagen ist es im gleichen Zeitraum nur um etwa 20 Prozent gestiegen.

Währungsfonds und Bank warnen

Vor diesem Hintergrund warnt die Bank Nykredit vor dem Entstehen einer Immobilienblase und der Gefahr, dass diese platzen könnte. Der Immobilienmarkt drohe vor allem in den Städten „ausser Kontrolle“ zu geraten. Bei einem möglichen Zinsanstieg seien Hauskäufer mit einem erhöhten Risiko konfrontiert, weil bei solchen Konstellationen die Preise für Immobilien in der Regel erheblich fallen. Gemäss Danske Bank trägt der Austritt Grossbritanniens aus der EU zum Risiko bei, dass die Zinsen noch längere Zeit negativ bleiben könnten.

Der Internationale Währungsfonds warnte dem Bericht zufolge deshalb schon im Mai vor einer Immobilienblase in Dänemark und forderte das Land auf, etwas gegen die steigenden Immobilienpreise zu unternehmen. So könnten Zonenregelungen dazu beitragen, den Anstieg der Häuserpreise zu bremsen, auch sei eine Flexibilisierung im Mietwohnungsmarkt hilfreich. (sts)